Wie Hygiene im antiken Rom wirklich funktionierte: Öl statt Seife, öffentliche Thermen, Latrinen mit Schwamm, Zahnpflege, Heilmittel wie Theriak – kurz erklärt.
Beim antiken Rom denkt man schnell an Gladiatoren, Kaiser und verwitterte Ruinen. Doch die Römer waren auch ganz normale Menschen, die sich waschen, Beschwerden behandeln und für sich sorgen mussten. So funktionierte diese Welt tatsächlich – gestützt auf belegte Praktiken, ohne Spekulation oder Ausschmückung.
Römer benutzten keine Seife wie wir. Sie rieben ihren Körper mit Öl ein und schabten es mit einem gebogenen Werkzeug namens Strigil wieder ab – mitsamt Schweiß und Schmutz. Diese Routine spielte sich nicht zu Hause ab, sondern in öffentlichen Badeanlagen, den Thermen.
Die Bäder zogen alle an – Reiche wie Arme. Man kam, um sauber zu werden, zu reden, zu entspannen, Nachrichten auszutauschen. Sie waren ebenso sozialer Treffpunkt wie Hygieneort, fest in den Alltag eingewoben.
Ohne Toilettenpapier griffen die Römer zu einem Schwamm am Stiel. Nach Gebrauch wurde er im Wasser ausgespült und wieder bereitgelegt. Nach heutigen Maßstäben wenig appetitlich, in ihrer Welt jedoch Routine.
Toiletten standen oft nahe bei den Thermen, und Badewasser diente später zum Spülen. Praktisch, ja – aber kaum makellos. Wenig überraschend, dass sich Krankheiten in Rom verbreiteten.
Römische Zähne waren oft in ordentlichem Zustand – auch ohne Zahnpasta, Zahnbürsten oder moderne Zahnmedizin. Verwendet wurden Pulver aus Asche, Kreide und anderen Naturstoffen, aufgetragen mit den Fingern oder mit Hölzchen, die harte Borsten hatten. Unspektakulär, aber ausreichend wirksam.
Rom übernahm viel aus der griechischen Medizin. Praktiker setzten auf Kräuter und komplexe Mischungen, teils überraschend. Ein verbreitetes Mittel, Theriak, vereinte Dutzende Bestandteile, darunter Opium und Schlangengift. Es wurde gegen allerhand Beschwerden genutzt – von Schmerzen und Vergiftungen bis zu Erkältungen.
Solche Zubereitungen waren nicht billig. Gewöhnliche Leute konnten sie oft nicht bezahlen und begnügten sich mit Aufgüssen und Salben.
Die Römer, besonders Frauen, legten Wert auf ihr Äußeres. Sie nutzten Gesichtsmasken und Cremes und entfernten Körperhaare mit Pinzetten, speziellen Mischungen und bisweilen sogar mit Feuer. Das Erscheinungsbild zählte; Vernachlässigung war ungern gesehen.
Die Wohlhabenden hatten die besseren Karten: persönliche Ärzte, private Badeplätze und kostspielige Produkte. Die Armen setzten auf einfachere Mittel, hatten oft keinen guten Zugang zu gutem Wasser und griffen zu Volksmethoden.
All das klingt fern, und doch wirkt vieles vertraut: Wir genießen weiterhin Dampf und Wärme, pflegen Routinen der Körperpflege und behandeln Alltagsleiden. Der Unterschied: Heute ist es sicherer und leichter zugänglich. Nimmt man den Marmor weg, erscheinen römische Gewohnheiten weniger exotisch – eher als frühe Variante desselben menschlichen Bedürfnisses, sauber zu bleiben, sich wohlzufühlen und dazuzugehören.