Erfahre, wie Barcelona mit den Olympischen Spielen 1992 seine Küste neu gestaltete: künstliche Strände, Promenade und ein Stadtleben zwischen Meer und Alltag.
Heute ruft Barcelona Bilder von warmer Sonne, goldenem Sand und dem Meer hervor. Hier sind Strände mehr als ein Platz zum Ausruhen; sie sind in den Tagesrhythmus der Stadt eingewoben. Doch noch vor wenigen Jahrzehnten sah alles anders aus: Die Stadt hatte dem Wasser den Rücken zugewandt, und eine elegante Promenade existierte nur in der Vorstellung. Das änderte sich 1992, als die Olympischen Spiele kamen.
Bis Anfang der 1990er Jahre lag Barcelona zwar an der Küste, war aber faktisch vom Wasser abgeschnitten. Statt Stränden säumten Fabriken, Lagerhallen, Gleise und Straßen die Uferzone. Für einen Spaziergang am Meer gab es keinen Ort – der Zugang fehlte schlicht. Die Waterfront war vor allem Arbeitsraum: Frachthäfen und Industrieanlagen ließen kaum Platz für Muße.
Barcelona war eine schöne Stadt, hatte aber im Alltag mit dem Meer fast nichts zu tun.
Als Barcelona den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 1992 erhielt, entschieden die Stadtverantwortlichen, das Momentum voll auszuschöpfen. Sie starteten eine ambitionierte Erneuerung – mit dem Meer als Leitmotiv.
Zunächst verschwanden Industriegebäude und die Bahntrasse, die den Zugang zum Ufer blockierten. Die Küstenlinie wurde freigeräumt, und die Arbeiten an neuen Straßen, dem Olympischen Dorf und einem Hafen begannen.
Und sie schufen etwas, das es vorher nicht gab: Strände. Die modernen Sandabschnitte entstanden eigens für die Spiele. Sand wurde herangeschafft, die Küste von Grund auf neu angelegt – mit Duschen, Toiletten, Bänken und Flanierbereichen. So entstand der heute vielgenutzte Passeig Marítim, ein Ort, der Einheimische wie Besucher ganz selbstverständlich anzieht.
Nach den Spielen zogen Promenade und Strände die Menschen an. Küstenviertel wie Barceloneta, einst als einfache Arbeitergegenden gesehen, wurden begehrt. Familien kamen zum Bummeln, viele stiegen auf das Fahrrad um, und der Sport fand entlang des Ufers eine neue Bühne.
Die Stadt wurde heller, lebendiger und bequemer. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben nicht nur am Meer; sie können es auch genießen – etwas, das heute selbstverständlich wirkt, vor gar nicht langer Zeit aber unerreichbar war.
Mehr als 30 Jahre später prägt die damals angestoßene Verwandlung Barcelona noch immer. Die Stadt zeigt, wie sich eine Uferlinie mit Sinn und Schönheit neu denken lässt. Strände, die es früher nicht gab, gehören heute zum Alltag.
Es sind mehr Touristinnen und Touristen da, neue Cafés und Hotels auch. Entscheidend ist: Die Strände bleiben für alle offen – für Einheimische ebenso wie für Gäste.