Erkunde Tasmaniens Strafkolonien: Port Arthur, die Cascades Female Factory, Richmond Gaol und Darlington. Fakten, Geschichte und Tipps zum UNESCO-Welterbe.
Tasmanien weckt Bilder von rauen Landschaften, wilden Tieren und langen, stillen Horizonten. Weniger bekannt ist, dass hier auch eine Kette historischer Strafanstalten liegt, die inzwischen als Erbe der Menschheit gilt. Diese Orte bewahren nicht nur die Geschichten der Verurteilten, sondern eines ganzen Zeitalters, in dem Großbritannien seine Gefangenen an den Rand der Welt verbannte. Der Kontrast zwischen Postkartenidylle und einem strengen Strafsystem lässt sich kaum übersehen.
Im 19. Jahrhundert waren die Gefängnisse Großbritanniens überfüllt, und die Regierung begann, Häftlinge in die Kolonien zu verschiffen. Tasmanien, damals als Van Diemen’s Land bekannt, wurde zu einem der Hauptziele. Über 50 Jahre hinweg wurden mehr als 73.000 Menschen hierher gebracht – vom Dieb bis zu jenen, die ihre Familien schlicht nicht ernähren konnten.
Es handelte sich nicht nur um Zellenblöcke. Entstanden sind ganze Siedlungen mit Werkstätten, Fabriken, Feldern und strengen Tagesabläufen. Arbeit und Disziplin sollten auf dem Papier bessern; in der Praxis war das Regime hart und oft brutal, und nicht alle überlebten es. Die Nüchternheit dieser Idee wirkt heute umso kälter.

Als wohl bekanntestes Kapitel gilt Port Arthur. Es begann als Holzfällerlager und entwickelte sich rasch zu einer Strafkolonie für als unverbesserlich eingestufte Häftlinge. In Werkstätten arbeiteten sie in der Metallverarbeitung und Schreinerei, stellten Ziegel her und bauten sogar Schiffe.
Das Hauptgebäude war ein separates Gefängnis mit Einzelzellen und nahezu völliger Stille. Prügel wurden durch Isolation und Einsamkeit ersetzt – angeblich eine heilende Methode, die in der Realität viele psychisch zerbrach.
Ganz in der Nähe liegt die Isle of the Dead, ein Friedhof mit etwa tausend Gräbern. Dort wurden nicht nur Gefangene beigesetzt, sondern auch Aufseher, deren Familien und Kinder. Heute führen Touren dorthin, und die Grabsteine stehen noch. Gerade hier wirkt die Vergangenheit greifbar nah.

Unweit von Port Arthur liegt ein weiterer düsterer Ort – die Kohlengrube, in die die Widerspenstigsten geschickt wurden. Unter Tage herrschten zermürbende Bedingungen.
In Hobart, der Hauptstadt Tasmaniens, ist die Cascades Female Factory erhalten. Dort wurden Frauen festgehalten und mussten nähen, waschen und kochen. Das Leben war nicht leichter als in den Männergefängnissen – mitunter sogar härter.

Richmond Gaol ist das älteste Gefängnis Australiens. Es wurde 1825 eröffnet und erst Mitte des 20. Jahrhunderts geschlossen. Besucher sehen dort noch heute Fesseln, enge Zellen und Zeichnungen an den Wänden.
Auf Maria Island ist die Station Darlington erhalten, in der Sträflinge unter Aufsicht lebten und im Freien arbeiteten. Es war ein anderes Strafmodell, doch im Kern blieb es bei Kontrolle und Arbeit.
Alle diese Orte stehen heute unter staatlichem Schutz und sind als UNESCO-Welterbe gelistet. Ihre Bedeutung reicht über Australien hinaus: Sie zeigen, wie man einst mit Vergehen umging, was als gerechte Strafe galt und wie Autorität durchgesetzt wurde. Gerade deshalb sind sie unbequem – und notwendig.
Port Arthur zieht inzwischen Hunderttausende Besucher an. Forschende arbeiten alte Akten durch, Ausgrabungen gehen weiter, und Freiwillige helfen, die Gebäude zu erhalten. Das Ergebnis ist ein offenes Geschichtsbuch, das keine einfachen Antworten liefert.