Warum bleibt der Sand in Cancún selbst mittags kühl? Entdecke, wie Papageifische aus Korallen weißen, porösen Strand erzeugen – ein fragiles Naturwunder.
Stell dir vor: Du läufst barfuß am Strand, die Sonne brennt, und doch bleibt der Sand unter deinen Füßen kühl. Das ist kein Tagtraum, sondern Alltag an den Küsten von Cancún in Mexiko. Während man anderswo im Sommer ohne Schuhe kaum vorankommt, bleibt der Sand hier erstaunlich angenehm. Wie kann das sein? Die Erklärung führt, überraschend genug, zu einem Fisch.
Die Hauptrolle spielt der Papageifisch. Er lebt an den Korallenriffen vor Cancún und frisst Korallen – allerdings nicht so, wie man es sich vielleicht vorstellt. Er knabbert nicht nur an der Oberfläche, sondern zermahlt das Korallengestein beim Fressen, verarbeitet es im Körper und scheidet es als feinen, weißen Sand wieder aus. Genau dieser Sand bedeckt die Strände vor Ort.
Forschende schätzen, dass bis zu 70 Prozent des Sands in Cancún von diesen Fischen stammen. Erstaunlich ist auch die Menge: Ein großer Papageifisch kann in einem Jahr bis zu eine Tonne Sand „produzieren“. Mit anderen Worten: Diese Tiere formen die Küstenlinie buchstäblich mit.
Es geht nicht nur darum, wer den Sand macht, sondern auch woraus er besteht. Der Sand in Cancún unterscheidet sich von dem üblichen Gemisch aus Fluss- oder Meereskörnern. Er ist weiß und sehr leicht. Die helle Farbe reflektiert das Sonnenlicht gut, sodass sich die Oberfläche langsamer aufheizt.
Dazu kommt: Die Körnchen sind hochporös, von winzigen Hohlräumen durchzogen wie ein Schwamm. Durch diese Struktur speichert der Sand Wärme kaum und gibt sie schnell wieder ab. Selbst wenn er sich tagsüber etwas erwärmt, reicht oft eine leichte Brise, um ihn erneut abzukühlen.
Ursprung, helle Tönung und luftige Struktur greifen ineinander – und ergeben unter den Füßen ein natürliches Kühlsystem. Darauf zu gehen fühlt sich selbst mittags angenehm an. Keine Zauberei, sondern ein Zusammenspiel von Natur, Klima und Meeresleben, das erstaunlich stimmig funktioniert.
Es gibt einen Haken: Schwinden die Korallenriffe, werden auch die Papageifische weniger. Ohne sie entsteht kein frischer Sand. Korallen geraten durch Verschmutzung, globale Erwärmung und Massentourismus unter Druck. Bequeme, kühle Strände sind daher keine Selbstverständlichkeit auf Dauer.
Der Sand, auf dem man in Cancún läuft, ist das Werk eines kleinen Fisches, der nicht ahnt, wie sehr er Menschen erfreut. Dank ihm sind die Strände weiß, weich und kühl. Manchmal entpuppen sich die schlichtesten Dinge als leise Wunder der Natur.