Wie lebten die Menschen im Alten Ägypten? Ernährung mit Brot und Bier, Zahnpflege von Hesy-ra bis Prothesen, Spiele wie Senet – ein naher Blick auf den Alltag.
Wenn von Altägypten die Rede ist, erscheinen vor dem inneren Auge Pyramiden, Pharaonen und der Nil. Hinter dieser großen Kulisse spielte sich jedoch der Alltag ab: Menschen aßen, wurden krank, suchten Heilmittel und nahmen sich Zeit zum Ausspannen. Forschende widmen sich zunehmend dieser menschlichen Seite der Zivilisation – und die Ergebnisse sind bemerkenswert. Sie zeichnen ein überraschend bodennahes Bild.
Brot und Bier gehörten zu den beliebtesten Lebensmitteln in Ägypten. Brot wurde aus Emmer und Gerste gebacken, oft verfeinert mit Gewürzen oder Datteln – besonders in wohlhabenderen Haushalten. Das Bier, ebenfalls aus Gerste, war dickflüssig, nahrhaft und wurde von fast allen getrunken.
Auf den Tisch kamen außerdem reichlich Gemüse – Zwiebeln, Knoblauch, Salat und Bohnen. Bei den Früchten dominierten Feigen, Datteln und Trauben. Das einfache Volk ernährte sich größtenteils pflanzlich; Fleisch und Fisch blieben Festtagen oder den Begüterten vorbehalten. Fisch stammte direkt aus dem Nil: etwa Wels, Tilapia und andere Arten.
Analysen menschlicher Überreste zeigen sogar Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen. Kinder erhielten demnach häufig Milchbreie, die das Wachstum unterstützen sollten.
Perfekte Zähne hatten die Ägypter nicht. Grobe Kost, Sand im Mehl und minderwertiges Wasser setzten ihnen zu. Dennoch versuchten sie gegenzusteuern.
Es gab Fachleute, die ausschließlich Zähne behandelten. Einer von ihnen, Hesy-ra, diente sogar als persönlicher Zahnarzt eines Pharaos. Verwendet wurden Kräuter, Pasten, Spülungen und spezielle Salben. Archäologische Funde umfassen Instrumente, die modernen Zahnarztwerkzeugen ähneln.
Manche Menschen trugen einfache Prothesen; bisweilen wurden auch Ersatzstücke für fehlende Zähne eingesetzt. Das waren keine Implantate im heutigen Sinne, doch schon der Versuch fällt auf – er zeigt Sorge um die eigene Gesundheit im Rahmen des Möglichen.
Zu den beliebtesten Spielen zählte Senet, ein Brettspiel, das an Dame oder Backgammon erinnert. Es stand sowohl Königen als auch einfachen Leuten offen. Zugleich hatte es eine sakrale Dimension und wurde oft in Gräbern beigelegt, in der Vorstellung, es könne im Jenseits hilfreich sein.
Im vergangenen Jahr kamen keine neuen archäologischen Funde zu Spielen hinzu. Das vorhandene Material reicht jedoch, um zu erkennen: Die Ägypter konnten abschalten und schätzten ihre Muße.
Jüngere Untersuchungen zeichnen das Bild eines geordneten, bewusst gestalteten Lebens in Altägypten. Man wollte gut essen, Beschwerden behandeln, sich pflegen – und sich sogar Zeit für Brettspiele nehmen. Das galt nicht nur für Wohlhabende: Auch gewöhnliche Ägypter hatten Zugang zu Nahrung, Fürsorge und Freizeit, wenn auch in einfacheren Formen.
Je mehr Details ans Licht kommen, desto weniger fern wirkt diese Welt: Hinter Pyramiden und Mumien pulsierte das wirkliche Leben – mit Brot auf dem Tisch, täglichen Routinen und dem beharrlichen Wunsch, gesund zu bleiben.