2009 tagte die Regierung der Malediven unter Wasser – ein SOS gegen die Klimakrise. Warum der steigende Meeresspiegel das Land bedroht und was seitdem geschah.
2009 wagte die Regierung der Malediven etwas, das zuvor niemand versucht hatte: Minister zogen Taucherausrüstung an und hielten eine offizielle Sitzung unter Wasser ab. Das wirkte spektakulär, war aber in Wahrheit ein Hilferuf. Der kleine Inselstaat wollte der Welt klarmachen: Wenn der Meeresspiegel weiter steigt, könnten die Malediven schlicht von der Karte verschwinden.
Die Idee stammte vom damaligen Präsidenten Mohamed Nasheed. Er und seine Minister tauchten zum Boden einer Lagune nahe der Insel Girifushi. Zuvor bekam jeder eine kurze Einweisung ins Tauchen, damit das Spektakel nicht zur echten Notlage wurde.
Unter Wasser, mit Handzeichen und Schreibtafeln, unterzeichneten die Minister einen Appell an die Welt – knapp und unmissverständlich, im Kern ein SOS von der Frontlinie der Klimakrise.
Damit unterstrichen sie, wie existenziell die Erderwärmung für Länder wie die Malediven bereits ist.
Die Malediven bestehen aus mehr als tausend Inseln im Indischen Ozean. Fast alle sind flach und korallinen Ursprungs. Die mittlere Höhe liegt nur wenig über einem Meter über dem Meeresspiegel. Steigt der Ozean deutlich, könnte Wasser das ganze Land überfluten.
Die Menschen dort leben schon heute mit abbröckelnden Küsten, heftigeren Stürmen und Inseln, die kleiner werden. Wenn alles so weiterläuft, könnte ein ganzes Land verschwinden.
Das klingt nach bloßer PR, hatte jedoch ein klares Ziel. Die Malediven wollten die weltweite Aufmerksamkeit auf eine Klimabedrohung lenken – und das gelang. Bilder von Ministern unter Wasser gingen um die Welt. Mitunter tragen Fotos weiter als Positionspapiere, und hier schnitt die Symbolik durch das Grundrauschen.
Die Kernbotschaft trugen sie auf eine Klimakonferenz der Vereinten Nationen. Der Präsident der Malediven machte dabei deutlich, das Ziel sei nicht, als erster Staat zu verschwinden, sondern als erster sich selbst zu retten.
Seitdem ist mehr als ein Jahrzehnt vergangen. Die Regierung hat keine ähnlich auffälligen Aktionen inszeniert – zumindest gab es im vergangenen Jahr in offiziellen Quellen keine neuen Hinweise darauf. Dennoch bleibt jene Unterwassersitzung präsent: Sie taucht in Unterrichtsräumen auf, auf Umweltseiten und als Beispiel dafür, wie man über ernste Themen ungewöhnlich sprechen kann.
Heute suchen die Malediven nach Wegen, sich zu schützen: Sie bauen Schutzbauwerke, sprechen mit anderen Staaten und entwickeln Umweltprojekte. Am Kern hat sich nichts geändert – wenn nichts geschieht, könnte die Zeit davonlaufen.