Die pneumatische Rohrpost in Prag: Geschichte, Funktionsweise und ihr mögliches Comeback

Prags geheime Rohrpost: die pneumatische Post 1889–2002
By A.Savin - Own work, FAL, Link

Entdecke die Prager Rohrpost: wie die pneumatische Post seit 1889 Briefe per Luft durch die Stadt schickte, ihr Ende 2002 und Chancen auf ein Comeback.

Sagt man Prag, erscheinen vor dem inneren Auge Märchenschlösser, verwinkelte mittelalterliche Gassen und die berühmte Uhr. Kaum jemand ahnt jedoch, dass unter diesen Straßen ein echtes Postnetz aus Röhren liegt, das im 19. Jahrhundert gebaut wurde: die pneumatische Post. In Prag reisten Briefe einst buchstäblich auf Luft, in versiegelten Kapseln durch Leitungen – ein ganz realer Dienst, der mehr als hundert Jahre in Betrieb war.

Was ist das genau?

Die Prager Rohrpost war ein Netz aus Röhren, das mit Druckluft kleine Kapseln mit Briefen und Dokumenten beförderte. Es ging 1889 in Betrieb und bot bemerkenswerte Geschwindigkeit: Eine Nachricht konnte die Stadt in nur wenigen Minuten durchqueren.

So funktionierte es

Etwa 55 Kilometer Metallrohre lagen unter den Straßen, jedes ungefähr so dick wie eine Plastikflasche. Darin schossen kompakte Behälter mit einem Gewicht von bis zu drei Kilogramm über die Leitungen, angetrieben von Luft – wie ein Windstoß durch einen Strohhalm. Verbunden waren Postämter, Arbeitsplätze, Banken und Ministerien; die Röhren querten die Moldau sogar über Brücken. Mit 24 Stationen lief das System mit beeindruckender Zuverlässigkeit.

Historische Momente

Während des Zweiten Weltkriegs half die Rohrpost, dringende Nachrichten zu übermitteln. Im Mai 1945, als um Prag gekämpft wurde, gingen Informationen über das System an das belagerte Funkhaus. In Friedenszeiten erlebte das Netz in den 1970er-Jahren seine Hochphase und beförderte bis zu eine Million Sendungen im Monat. Es galt als praktisch und, auf seine Art, prestigeträchtig.

Was schiefging

2002 wurde Prag von schweren Überschwemmungen getroffen. Wasser setzte die Maschinen außer Gefecht, die das Netz mit Luft versorgten – der Dienst musste eingestellt werden. Wieder anlaufen sollte er nicht.

Könnte es zurückkommen?

2011 kaufte der tschechische Unternehmer Zdeněk Dražil das gesamte System. Sein Ziel war, zumindest einen Teil zu restaurieren und in eine Attraktion für Besucher zu verwandeln. Der Kostenvoranschlag lag bei rund 5 Millionen Kronen – etwa 200.000 Euro. Der Plan war schlicht: eine Leitung instand setzen, zeigen, wie alles funktioniert, und Kapseln wieder starten lassen. Bis 2021 hatte die Restaurierung jedoch nicht begonnen, und seither gab es keine weiteren Neuigkeiten.

Stand der Dinge

Heute liegen die Röhren weiterhin unter Prag. Außer Betrieb, aber nicht abgebaut – eine angehaltene Vergangenheit, die die Stadt im Untergrund bewahrt. Sollte das System eines Tages wiederbelebt werden, wäre das eine seltene Gelegenheit, aus nächster Nähe zu erleben, was einst als Post der Zukunft galt. Vorerst bleibt die Rohrpost eine der ungewöhnlichsten vergessenen Technologien und wartet still auf ihren zweiten Auftritt – wenn das Glück es will.