William Little, der Mole Man von Hackney: von geheimen Tunneln zum preisgekrönten Mole House

Der Mole Man von London: Tunnel, Mythos und Mole House
By Chris Whippet, CC BY-SA 2.0, Link

Die Geschichte von William Little, dem Mole Man von Hackney: wie sein Tunnelbau London aufwirbelte und als preisgekröntes Mole House neu entstand. Erfahre mehr.

London ist eine Stadt, die von Geschichte durchdrungen ist, doch nicht alle ihre Geheimnisse wohnen in Museen oder Palästen. Manchmal entfalten sich die eindrücklichsten Geschichten auf ganz gewöhnlichen Straßen, hinter unscheinbaren Fassaden. Eine davon gehört einem Bewohner des Ostens der Stadt, William Little, den die Nachbarschaft als den Mole Man kennenlernte.

Wie alles begann

In den 1960er-Jahren erbte William Little ein Haus an der Mortimer Road in Hackney. Er wollte im Untergeschoss einen Weinkeller ausheben. Der Plan geriet rasch aus den Fugen. Statt eines einzelnen Raums entstand nach und nach ein ganzes Tunnelsystem – Gänge, Kammern und Hohlräume, die bis zu acht Meter in die Tiefe reichten.

Little grub jahrelang von Hand. Er habe immer wieder gesagt, die Arbeit bereite ihm einfach Freude. Unter der Erde bewahrte er alte Autos, ein Boot, Möbel und allerlei Krimskrams auf. Das Anwesen wurde für die Umgebung zu einem stillen Rätsel.

Der Ärger begann, als der Boden aufbrach

Anfangs zeigte sich die Nachbarschaft nur irritiert. Dann tat sich ein Loch im Gehweg auf – die Straße gab buchstäblich nach. Es folgten Beschwerden: Strom fiel aus, die Wasserversorgung hakte, und der Boden rund um das Haus sackte ab.

2006 schalteten die Behörden das Gericht ein. Little wurde das Graben untersagt und er musste das Haus verlassen. Versorger rückten an, um die Tunnel zu verfüllen. Sie entfernten 33 Tonnen Schutt und pumpten eine spezielle Mischung ein, damit das Gebäude nicht einstürzt. Die Arbeiten kosteten fast £300.000.

Gericht, Schulden und Tod

2008 sprach ein Gericht Schadenersatz zu. Little starb 2010, ohne die Forderung zu begleichen. Das Haus stand leer, bis die Künstler Sue Webster und Tim Noble es für £1,12 Millionen kauften.

Sie holten den renommierten Architekten David Adjaye, um das Gebäude neu zu denken, ohne seine exzentrische Seele auszulöschen. Das Ergebnis war ein neues Kapitel – das Mole House. 2021 erhielt das Projekt sogar einen Architekturpreis.

Wer war er wirklich?

Das bleibt schwer zu greifen. Für die einen brach Little schlicht Regeln und brachte seine Nachbarn in Gefahr. Für andere war er eine Art Künstler, der sich seine eigene Welt schuf und die Anleitung ignorierte. Beides kann zugleich stimmen; die Geschichte wirkt wie eine leise Fabel über Obsession und die nur widerwillige Toleranz der Stadt. 2024 schrieb die Financial Times, Little sei ein Beispiel für eine schwindende urbane Exzentrik – Menschen, die seltsam wirken mögen und einer Stadt doch Energie und Charakter verleihen. Es liegt nahe zu meinen, dass Metropolen lange von genau solchen Eigenwilligkeiten zehren.

Was bleibt

Heute ist Littles Haus vollständig umgestaltet. Doch die Geschichte, die er hinterließ, hält weiter fest. Sie erinnert daran, dass selbst in der unscheinbarsten Nachbarschaft etwas wirklich Erstaunliches verborgen liegen kann. Und dass unter Asphalt, Pflaster und ordentlichen Fassaden eine andere Welt ruhen kann – von einem Einzelnen ausgehoben, schlicht weil es ihn faszinierte.