Sechseläuten in Zürich: Was der Böögg über den Sommer verrät

Zürichs Böögg: Sechseläuten-Tradition und Sommerprognose
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Erfahre, warum der Böögg beim Zürcher Sechseläuten verbrannt wird, wie die Zeit bis zur Explosion als Sommerprognose gilt und weshalb die Tradition die Stadt verbindet.

Jeden Frühling spielt sich in Zürich ein eigenwilliges Schauspiel ab. Auf dem Hauptplatz errichten die Einheimischen eine große Yeti-Figur namens Böögg, türmen einen hohen Scheiterhaufen auf – und setzen ihn in Brand. Dahinter steht eine einfache Idee: einen Eindruck zu bekommen, wie der Sommer ausfallen könnte.

Das mag exzentrisch klingen, für die Zürcher Bevölkerung ist es jedoch eine tief verwurzelte Tradition mit eigener Bedeutung. Und so festlich der Tag auch wirkt: Viele verfolgen das Ritual mit Ernst – in der Hoffnung, der Böögg könne einen Hinweis aufs Wetter geben. Man spürt dabei, wie sehr Deutungslust und Gemeinschaftsgefühl ineinandergreifen.

Wer der Böögg ist und wie alles begann

Der Böögg ist eine große, puppenartige Figur aus Holz, Stroh und Stoff. In seinem Kopf stecken Knallkörper. Früher standen solche Figuren für den Winter – oder allgemeiner für Ängste – und ihr Verbrennen im Frühling sollte die Kälte vertreiben.

Ursprünglich war das Verbrennen des Böögg ein eigenständiges Ereignis. 1902 wurde es mit dem Umzug der Zünfte – den historischen Handwerksvereinigungen – zusammengelegt. Gemeinsam formten sie das Frühlingsfest, das Zürich Sechseläuten nennt.

Wie die Feier abläuft

Das Fest findet Ende April statt. Der entscheidende Moment kommt, wenn der Scheiterhaufen entzündet wird und der Böögg zu brennen beginnt. Dann wird die Zeit gestoppt: Gemessen werden die Minuten von den ersten Flammen bis zur Explosion des feuerwerksgeladenen Kopfes.

Die Annahme ist geradlinig: Je schneller der Kopf explodiert, desto wärmer und besser der Sommer. Zieht es sich lange, rechnet man mit einem kühlen, regnerischen Sommer.

Was die Zeiten über die Jahre gezeigt haben

Im Lauf der Jahre sind zahlreiche Zeiten notiert worden. Zum Beispiel:

— 1974 explodierte der Kopf bereits nach 5 Minuten und 7 Sekunden; wie es heißt, wurde der Sommer heiß.

— 2023 blieb der Böögg rekordlange 57 Minuten stumm.

— 2025 kam der Knall nach 26 Minuten und 30 Sekunden – ein Ergebnis, das als durchschnittlich gilt.

Funktioniert das wirklich?

Kein Meteorologe baut den Böögg in seine Berechnungen ein. Dennoch verfolgt die Menge den Countdown mit ehrlichem Interesse.

Außerdem deutete eine Schweizer Studie darauf hin, dass die Zeit bis zur Explosion des Kopfes in manchen Fällen mit größeren Wettertrends auf dem Planeten übereinstimmte. Das macht daraus keine verlässliche Prognose, aber als Tradition erfüllt es, was Traditionen am besten können: Menschen zusammenbringen und ihnen eine Geschichte geben.

Warum das der Stadt wichtig ist

Das Verbrennen des Böögg ist mehr als ein lebhaftes Spektakel. Es gehört zum Leben der Stadt, ist Teil ihrer Geschichte und ein unverwechselbares Symbol. Familien kommen zusammen, schließen sich den Umzügen an, begrüßen den Frühling – und fühlen sich als Teil von etwas Größerem. Vielleicht liegt darin der eigentliche Zauber dieses Tages.