Neujahrstraditionen weltweit: von Trauben bis Tempelglocken

Entdecke Neujahrstraditionen weltweit: 12 Trauben in Spanien, Vasilopita in Griechenland, Hogmanay, Drachen in China und mehr – Bräuche zum Nachmachen.

Neujahr ist ein Fest, das überall auf der Welt begangen wird. Menschen ziehen Bilanz, fassen Wünsche und hoffen, dass die nächsten zwölf Monate gnädiger werden. Die Rituale könnten dabei kaum unterschiedlicher sein: Manche feiern im kleinen Kreis, andere füllen bis zum Morgengrauen die Straßen. Wir haben einige Traditionen herausgegriffen, die im Gedächtnis bleiben und sich vielleicht sogar zu Hause ausprobieren lassen.

Spanien: 12 Trauben für Glück

In Spanien heißt der Silvesterabend Nochevieja, also Alte Nacht. Das bekannteste Ritual besteht darin, um Mitternacht 12 Trauben zu essen, jeweils eine bei jedem Glockenschlag. Es soll Glück für jeden kommenden Monat bringen. Der Brauch geht auf das Jahr 1909 zurück, als Weinbauern angesichts einer Rekordernte eine Möglichkeit suchten, mehr Trauben zu verkaufen – und die Idee blieb.

Viele tragen zudem rote Unterwäsche, die als kleiner Schubs in Richtung Liebe gilt. Die Feier beginnt meist zu Hause, doch nach Mitternacht strömen die Menschen auf die Straßen und versammeln sich auf zentralen Plätzen – die Puerta del Sol in Madrid ist besonders beliebt –, um das Jahr gemeinsam zu begrüßen.

Italien: Altes raus, Neues rein

In Italien heißt Neujahr Capodanno. Auch hier taucht die rote Unterwäsche als Glücksbringer auf. In manchen Regionen war es früher üblich, alte Dinge aus dem Fenster zu werfen, um sich vom Vergangenen zu verabschieden; heute ist das seltener, doch die Idee, Platz für Neues zu schaffen, ist geblieben.

Außerdem gilt: Küsse um Mitternacht auf einer Brücke oder am Wasser sollen der Liebe helfen. Die Nacht selbst ist voller Lebensfreude – Feuerwerk, lange Tafeln, Tanz bis zur Dämmerung –, eine leise Erinnerung daran, dass Feiern auch ein Versprechen an sich selbst sein kann.

Griechenland: Eine Münze im Kuchen und ein zerborstener Granatapfel

In Griechenland fällt Neujahr mit dem Tag des heiligen Basilius zusammen, der den Kindern Geschenke bringt. Familien servieren Vasilopita, einen speziellen Kuchen, in den eine Münze eingebacken ist. Wer sie findet, gilt im neuen Jahr als besonders glücklich.

Ein weiterer Brauch: Ein Granatapfel wird an der Schwelle zerschmettert, um Glück und Fülle ins Haus zu holen – je mehr Kerne umherfliegen, desto besser. Viele verbringen die Nacht außerdem mit Brettspielen und Karten; ein früher Sieg gilt als gutes Vorzeichen.

Schottland: Der erste Besucher und Feuer in den Straßen

In Schottland heißen die Neujahrsfeiern Hogmanay. Eine Tradition namens First Footing besagt, dass die erste Person, die nach Mitternacht die Türschwelle übertritt, Glück bringt. Idealerweise ist es ein dunkelhaariger Mann, der eine Kleinigkeit zu essen, eine Münze und ein Stück Kohle mitbringt.

Geliebt werden Fackelumzüge und Feuerwerk, und das Lied Auld Lang Syne erinnert an vergangene Zeiten. In Edinburgh finden die Feiern im großen Stil statt, mit Tausenden Menschen auf den Straßen.

Dänemark: Zerbrochene Teller und ein Sprung ins Jahr

In Dänemark zerschlagen Freunde an Neujahr Teller an den Haustüren – ein Haufen Scherben vor der Schwelle gilt als Zeichen von Zuneigung und Respekt.

Vor Mitternacht hören viele die Ansprache der Königin. Punkt zwölf springen alle vom Stuhl, um buchstäblich ins neue Jahr zu hüpfen, und servieren anschließend einen Marzipankuchen in Turmform, der als Glückssymbol gilt.

Japan: Leise Rituale, Tempelglocken und 108 Schläge

In Japan ist Neujahr ein zutiefst wichtiges Familienfest. Vor dem Jahreswechsel werden die Häuser gründlich gereinigt, um alles Negative loszuwerden. Um Mitternacht gehen viele zu Tempeln, wo 108 Glockenschläge erklingen, denen jeweils ein menschliches Verlangen zugeschrieben wird, das man hinter sich lassen möchte.

Serviert werden festliche Osechi-Gerichte, jedes mit eigener Bedeutung. Neujahrskarten werden so verschickt, dass sie pünktlich am 1. Januar ankommen. In den ersten Tagen besuchen viele Menschen Schreine, um Wünsche zu äußern und Glücksbringer zu kaufen.

China: Rot, Feuerwerk und tanzende Drachen

Das chinesische Neujahr folgt dem Mondkalender und fällt meist auf Ende Januar oder Februar. Im Mittelpunkt steht ein großes Familienessen mit Gerichten wie Teigtaschen, Fisch und Reisbällchen, die jeweils für etwas stehen – Wohlstand, Glück, Zusammenhalt.

Kinder bekommen rote Umschläge mit Geld. Rot und Lärm – Feuerwerk, Böller – sollen böse Geister vertreiben. Die Straßen füllen sich mit Umzügen, in denen Drachen- und Löwentänze zu sehen sind.

Das Fest dauert 15 Tage und endet mit dem Laternenfest, wenn leuchtende Laternen mit Wünschen in den Himmel steigen.

Philippinen: Fröhlicher Lärm, Münzen und Punkte

Auf den Philippinen sollen runde Formen und laute Geräusche Reichtum anziehen und Unglück fernhalten. Wohnungen werden mit runden Gegenständen geschmückt, Tische mit zwölf runden Früchten gedeckt, und Outfits zeigen oft Polka-Dots.

Um Mitternacht schlagen Menschen mit Löffeln auf Töpfe, lassen Böller krachen und pfeifen. Kinder springen, um größer zu werden. Türen und Fenster stehen offen, damit das Glück hereinkommt, und manche lassen Münzen in der Hand klimpern – für Wohlstand.

Indien: Licht, Musik und regionale Bräuche

In Indiens Städten beginnt der 1. Januar mit ungebremster Ausgelassenheit – Partys, Tanz, Feuerwerk. Man tauscht Süßigkeiten und Blumen, schickt Grüße und wünscht sich Gutes.

Gleichzeitig feiern viele Regionen eigene Neujahrsfeste, die mit Ernten und Religion verbunden sind. Im Süden ist es Pongal, im Norden Vaisakhi, im Osten Pohela Boishakh. Häuser werden mit Blumen und Kerzen geschmückt, bunte Rangoli-Muster verzieren den Boden, festliche Speisen werden zubereitet, in Tempeln spricht man Gebete.

Ein Fest – Hunderte Traditionen

Ganz gleich, wie der Jahreswechsel begrüßt wird, ein roter Faden zieht sich durch alles: Hoffnung. Manche singen, andere beten, wieder andere machen fröhlich Lärm und tanzen – doch überall geht es darum, das Alte hinter sich zu lassen und neu zu beginnen. Ein kleines Ritual zu Hause kann den Ton für die kommenden Monate setzen; und mit etwas Glück bringt es sogar ein Quäntchen mehr Zuversicht.