Jólabókaflóð: Warum Islands Weihnachts-Bücherflut so besonders ist

Jólabókaflóð: Islands Weihnachts-Bücherflut erleben
By Helgi Halldórsson from Reykjavík, Iceland - Christmas House, CC BY-SA 2.0, Link

Entdecke Jólabókaflóð in Island: die Weihnachts-Bücherflut. Wie Bókatíðindi, Buchgeschenke am Heiligabend und heiße Schokolade diese Tradition prägen.

Im Dezember wird Island von einer Flut erfasst – nicht aus Schnee oder Regen, sondern aus Büchern. Im ganzen Land, besonders in Reykjavik, warten die Menschen regelrecht darauf. Dann beginnt das Jólabókaflóð, wörtlich die Weihnachts-Bücherflut: die liebgewonnene Gewohnheit, sich am Heiligabend Bücher zu schenken und die Nacht mit Lektüre und heißer Schokolade zu verbringen.

Warum Bücher?

Die Tradition nahm während des Zweiten Weltkriegs Gestalt an, als Geschenke schwer aufzutreiben waren und Importe stockten. Papier zum Drucken gab es, also wurden Bücher zum idealen Präsent – nützlich, erschwinglich und von Herzen.

1944 erschien erstmals ein besonderer Katalog neuer Titel – Bókatíðindi. Er wurde an die Haushalte verschickt, damit alle wussten, was in diesem Jahr herausgekommen war. Von da an markierte die Bücherflut den Moment, in dem die Isländer massenhaft Bücher kauften, um sie zu den Feiertagen zu verschenken.

Was ist der Katalog Bókatíðindi?

Im Kern ist er ein landesweiter Wegweiser durch die Neuerscheinungen des Jahres. Die Menschen blättern ihn aufmerksam durch, wählen Geschenke aus – oder Lesestoff für sich selbst.

Früher landete er in jedem Briefkasten, heute liegt er in Geschäften aus oder lässt sich online lesen. Seine Rolle hat nicht an Gewicht verloren – für viele gilt er weiterhin als Startsignal der Saison.

Wie sieht der Heiligabend aus?

Am 24. Dezember, nach Einbruch der Dunkelheit, tauschen Familien und Freundeskreise Bücher. Danach macht es sich jeder gemütlich – auf dem Sofa, unter einer Decke – und versinkt in seinem Geschenk. Eine Tasse heiße Schokolade steht meist in Reichweite, alternativ jólabland, eine süße Limonade mit Saft.

Dieser behagliche Abend ist ein fester Teil des Festes. Viele berichten, sie wachten mit einer Art literarischem Kater auf, weil sie in einer einzigen Nacht viel zu viel gelesen haben – ein sympathischer Preis für so viel Ruhe.

Warum ist das für Island wichtig?

Für Isländer sind Bücher mehr als Zeitvertreib; sie gehören zum kulturellen Selbstverständnis. Nach manchen Schätzungen stammen bis zu 80 Prozent der Jahreseinnahmen der Verlage aus der Weihnachtszeit.

In Reykjavik füllt der Dezember sich mit Buchmessen, Autorentreffen, Ausstellungen und Festivals. Gespräche über Neuerscheinungen werden zum Alltag, und Lesen verbindet die Generationen: Erwachsene schmökern selbst und schenken Kindern Bücher – ein Beleg dafür, wie fest dieses Ritual verankert ist.

Und heute?

Vieles hat sich verändert: Den Katalog liest man oft online, Empfehlungen tauchen in sozialen Medien oder Podcasts auf. Das Wesentliche bleibt jedoch. In Island werden zu Weihnachten weiterhin Bücher verschenkt, und der Abend des 24. Dezember gehört der Lektüre.

Was macht diese Tradition besonders?

In einer Welt, in der Geschenke immer öfter aus Geräten und kleinen Spielereien bestehen, setzt Island auf etwas Einfaches und Wärmendes – das Buch. Es verlangt nicht viel Geld und schenkt doch viel Freude und Bedeutung.

Die Bücherflut ist keine saisonale Laune. Sie bringt Menschen näher zusammen, lässt Geschichten teilen, gemeinsame Zeit entstehen und schafft eine echte Auszeit vom Getriebe – vielleicht gerade deshalb wirkt sie so zeitgemäß.