Kodinhi, Kerala: das Dorf der Zwillinge und sein Rätsel

Entdecke Kodinhi in Kerala: ein indisches Dorf mit außergewöhnlich vielen Zwillingsgeburten. Hintergründe, Alltag der Bewohner und aktuelle Forschung.

Im Süden Indiens, im Bundesstaat Kerala, liegt ein kleines Dorf, das das ganze Land leise in Erstaunen versetzt hat. Kodinhi ist kein touristischer Magnet und auch kein Ort uralter Tempel, und doch reisen immer wieder Reporter, Forschende und schlicht Neugierige an. Der Grund ist ungewöhnlich: eine erstaunlich hohe Zahl an Zwillingsgeburten. Schon die Zahlen lassen stutzen – das liegt weit jenseits des Zufalls.

Wo liegt dieses Dorf?

Kodinhi gehört zum Distrikt Malappuram im Süden Indiens. Rund 2.000 Familien leben hier. Auf den ersten Blick ähnelt der Ort unzähligen anderen Dörfern: schmale Gassen, üppiges Grün, Häuser mit Ziegeldächern. Doch schon ein kurzer Spaziergang erzählt eine andere Geschichte – häufig laufen Kinder, die sich bis aufs Haar gleichen, nebeneinander her, ein Anblick, der etwas Surreales hat. Zufall ist das nicht: In dem Dorf leben mehr als 400 Zwillingspaare.

Warum gibt es hier so viele Zwillinge?

Diese Auffälligkeit beschäftigt die Wissenschaft seit Jahren. Anderswo in Indien sind solche Häufungen selten. Hier hingegen, berichten Bewohnerinnen und Bewohner, werden Zwillinge seit Generationen geboren.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, reisten Fachleute an, nahmen Wasserproben, sprachen mit den Menschen vor Ort und prüften mögliche Ursachen. Manche vermuteten einen Einfluss der örtlichen Ernährung oder des Wassers, andere verwiesen auf Genetik – Eigenschaften, die in Familien weitergegeben werden. Eine eindeutige Erklärung gibt es bislang jedoch nicht.

Ein weiterer aufschlussreicher Hinweis: Selbst wenn eine Frau aus Kodinhi heiratet und wegzieht, bringt sie womöglich dennoch Zwillinge zur Welt. Das deutet darauf hin, dass die Ursache nicht nur im Ort, sondern in den Menschen liegen könnte.

Wie stehen die Einheimischen dazu?

Für die Bewohnerinnen und Bewohner von Kodinhi gehören Zwillingsgeburten zum Alltag. Manche empfinden sie als besonderen Segen, andere messen dem kaum Bedeutung bei. Um Familien mit Zwillingen zu unterstützen, gründete die Gemeinschaft die Twins and Kins Association. Sie hilft Eltern, organisiert Treffen und hält den Austausch mit Forschenden am Laufen.

Trotz der Aufmerksamkeit ist Kodinhi kein Ausflugsziel geworden. Der Alltag läuft weiter – Schule, Arbeit, feste Abläufe. Und doch ist allen bewusst, dass ihr Dorf anders ist.

Gibt es ähnliche Orte?

Ja – weltweit gibt es einige wenige solcher Dörfer. In Nigeria und Brasilien etwa finden sich Orte, in denen Zwillinge ebenfalls häufig sind. Kodinhi gehört in Indien zu den bekanntesten, und anders als mancherorts ist hier bisher keine plausible Ursache zutage getreten.

Wie geht es weiter?

Die Forschung sucht weiter nach Antworten. Ein Konsens fehlt, doch die Arbeit geht voran. Kodinhi bleibt ein Rätsel: ein Dorf, in dem Zwillingsein nicht die Ausnahme, sondern fast eine lokale Norm ist.

Die Menschen vor Ort nehmen das seit Langem gelassen hin. Wer zum ersten Mal kommt, staunt hingegen unweigerlich. Vielleicht wird die Wissenschaft das Phänomen irgendwann erklären. Bis dahin wirkt Kodinhi wie ein Ort, an dem die Natur die Regeln ein wenig gebeugt hat.