Verlassene U-Bahn-Tunnel und Geisterbahnhöfe: Paris, London, Cincinnati

Entdecke verlassene U-Bahn-Tunnel und Geisterbahnhöfe in Paris, London und Cincinnati: Geschichte, Gründe der Stilllegung, Zugang und Mythen der Unterwelten.

Unter vielen Großstädten der Welt liegen, nur eine Ebene unter dem Getriebe der Straßen, verborgene Tunnel, Stationen und ganze U-Bahn-Abschnitte, in die kein gewöhnlicher Fahrgast je gelangt. Manches ist seit Langem stillgelegt, anderes wurde nie eröffnet. Meist abseits der Touristenrouten, umrankt von Diskretion – und doch üben sie eine unverkennbare Faszination aus.

Was sind das für Orte?

Wenn von Untergrundwelten die Rede ist, entsteht schnell das Bild ausgedehnter Städte unter der Erde. Die Wirklichkeit ist schlichter – und gerade deshalb reizvoll. Es geht um alte, unvollendete oder außer Betrieb genommene U-Bahn-Teile, verlassene Röhren, ehemalige Katakomben und sogar Steinbrüche. Vieles liegt seit Jahren brach, offizielle Informationen sind spärlich. Eine umfassende, aktuelle Übersichtskarte aus dem vergangenen Jahr scheint es nicht zu geben.

Trotzdem lässt sich manches festhalten.

Paris: Stationen, die auf keinem Plan auftauchen

Die Pariser Métro verbirgt mehrere Geisterbahnhöfe. Porte Molitor und Haxo wurden etwa gebaut, aber nie für Fahrgäste geöffnet. Erstere war an ein technisches Depot gekoppelt, die zweite sollte zwei Linien verbinden – dazu kam es nie. Touristen haben dort keinen Zutritt, auf Netzplänen tauchen solche Stationen in der Regel nicht auf.

Cincinnati, USA: die U-Bahn, die nie fuhr

In den 1920er-Jahren begann Cincinnati mit dem Bau einer U-Bahn. Das Vorhaben war ehrgeizig, doch das Geld reichte nicht, die Arbeiten kamen zum Erliegen. Tunnel und Stationen existieren bis heute unter der Stadt – fertiggestellt, aber ohne je einen Zug gesehen zu haben. Der Zugang ist inzwischen weitgehend beschränkt, gelegentlich gibt es Führungen.

London: unterirdische Labyrinthe

Unter London verläuft mehr als das übliche Tube-Netz. Es gibt alte Bahnhöfe, versiegelte Gänge und seit Langem stillgelegte Tunnel. Ein Teil wurde zu Lager- oder Drehorten umfunktioniert, der Großteil bleibt jedoch tabu.

Warum wurden sie aufgegeben?

Die Gründe sind unterschiedlich. Mancherorts versiegten die Mittel – wie in Cincinnati. Anderswo änderten sich Pläne, wie in Paris. Oft machte die Nutzung schlicht keinen Sinn mehr oder wurde zu riskant. Unterlagen gingen verloren, der Zugang ist kompliziert, und eine Wiederbelebung würde erhebliche Investitionen verschlingen.

Wer geht dorthin – und warum?

Trotz Sperren lässt der Reiz dieser Unterwelten nicht nach. Urbane Entdecker spüren verlassene Tunnel auf und teilen ihre Funde im Netz. Solche Ausflüge sind fast immer unbefugt und gefährlich, dennoch wächst das Interesse. Medienbeiträge und Blogs nehmen diese urbanen Höhlen regelmäßig in den Blick, doch offizielle Daten sind selten – was an die Oberfläche dringt, sind meist Augenzeugenberichte, Fotos und Mutmaßungen.

Wie geht es weiter?

Die meisten dieser Orte werden wohl geschlossen bleiben. Vieles ist zu alt, beschädigt oder schlicht unsicher. Ab und zu dient ein alter Bahnhof als Ausstellungsort oder für kulturelle Projekte – wie in London –, doch das bleibt die Ausnahme.

Trotzdem beflügeln diese Orte weiterhin die Fantasie. Sie zeigen, wie viel direkt unter vertrauten Straßen verborgen liegen kann. Jeder dieser versteckten Punkte ist nicht nur ein Stück Geschichte, sondern auch ein Blick darauf, wie sich Städte verändern.

Einordnung ist wichtig

Bei aller Begeisterung lohnt es sich, Maß zu halten: Die sogenannten verlassenen U-Bahnen erzählen keine Geschichte von riesigen Städten unter der Erde. Es gibt sie, aber als verstreute Einzelfälle – jeder mit eigener Vorgeschichte. Vieles bleibt im Dunkeln, und mancher Mythos haftet einigen dieser Orte an. Pauschale Behauptungen über ein geheimes Tunnelsystem unter jeder Stadt gehören eher in die Welt der Fiktion.