Leuchtturm auf dem Wohnhaus in Aktau: Geschichte und Wiederbelebung

Aktau: Ein Leuchtturm auf dem Wohnhaus am Kaspischen Meer
By AnastassiyaL - Own work, CC BY-SA 3.0, Link

Einzigartig in Kasachstan: In Aktau arbeitet ein echter Leuchtturm auf dem Dach eines Wohnhauses. Erfahre Geschichte, Sichtweite und warum er wieder leuchtet.

Wer bei Leuchttürmen sofort an Klippen oder die Brandung denkt, wird in Aktau eines Besseren belehrt. In der Stadt am kasachischen Ufer des Kaspischen Meeres steht ein echter Leuchtturm auf dem Dach eines ganz gewöhnlichen Wohnhauses – unten wird gewohnt, oben arbeitet das Signal.

Ein Haus mit Leuchtturm

Im 4. Mikrobezirk von Aktau, auf Haus Nr. 9, steht seit 1974 ein voll funktionsfähiger Leuchtturm. Er arbeitet, schickt seinen Strahl über das Meer und hilft Schiffen bei der Orientierung. Der Turm selbst ist zehn Meter hoch und direkt auf dem Dach errichtet. Zusammen mit dem Gebäude ragt die Konstruktion 73 Meter über den Meeresspiegel – hoch genug, damit das Licht weit trägt.

Das weiße Licht ist bis zu 38 Kilometer weit sichtbar, das rote bis zu 29. Es handelt sich um ein echtes Navigationshilfsmittel, nicht um ein Denkmal oder Dekoration.

Wie kam es dorthin?

Die Idee wirkt zunächst ungewöhnlich, ergab in den 1970er-Jahren jedoch vollkommen Sinn. Die Stadt wuchs rasant, das Umland ist flach, und ein Leuchtturm wurde dringend gebraucht – Aktau war ein wichtiger Hafen. Ein freistehender Turm hätte mehr Zeit und Geld verschlungen als die Nutzung einer vorhandenen Struktur. Also entschied man sich pragmatisch: Das Feuer kam aufs Dach eines neuen Wohnblocks. Die Lösung bewährte sich.

Damals trug die Stadt den Namen Schewtschenko – benannt nach dem ukrainischen Dichter Taras Schewtschenko, der hier einst Verbannung verbrachte. Aktau dehnte sich aus, und unkonventionelle Antworten gehörten zur täglichen Planung.

Licht aus – und wieder an

Mit der Zeit orientierten sich Schiffe an GPS und anderen modernen Technologien, der Leuchtturm verlor an Bedeutung. Er wurde abgeschaltet. Der Turm blieb auf dem Dach, doch sein Licht erlosch.

Kürzlich wurde er rechtzeitig vor der Touristensaison wiederbelebt. Die Lampe wurde ausgetauscht und mit Schutz gegen Staub, Rost und Erschütterungen versehen. Seither kehrt der Strahl jeden Abend über die Dächer zurück – eine Geste Richtung Vergangenheit und ein leises Zeichen dafür, dass die Stadt ihre Geschichte schätzt.

Warum ist das bemerkenswert?

Leuchttürme auf Wohnhäusern sind weltweit nahezu unbekannt – entsprechend hat sich das Signal von Aktau zur echten Stadtlegende entwickelt. Kein Museumsstück, keine Kulisse, sondern eine funktionierende Anlage. Das Haus darunter bleibt derweil alltäglich: Treppenhäuser, Balkone, Menschen, die ihrem Tag nachgehen.

Der Zugang zum Leuchtturm ist gesperrt – es handelt sich um eine gesicherte Anlage. Dennoch sieht man ihn von vielen Ecken der Stadt: von der Promenade und den angrenzenden Höfen. Er ist zu einem Symbol von Aktau geworden, eine Art Talisman, an dem man die Stadt sofort erkennt.

Was bedeutet das für die Stadt?

Ein Leuchtturm auf einem Dach ist mehr als eine Kuriosität. Er zeigt, wie Stadtraum mit einer Prise Einfallsreichtum genutzt werden kann. Dahinter steckt eine Geschichte von Pragmatismus, Ideenreichtum und Respekt vor den eigenen Wurzeln.

Und auch wenn Schiffe ihn heute nicht mehr so dringend brauchen wie früher, bleibt er ein markanter Bezugspunkt – weniger auf See als im Gedächtnis. In ihm steckt ein Stück von Aktaus Wesen, jener Teil, der überrascht, ohne sich anzustrengen.