Die beliebtesten indischen Getränke: von Chai bis Kanji

Indische Getränke: Masala Chai, Lassi, Filterkaffee
Theo Crazzolara, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Entdecke indische Getränke: Masala Chai, Filterkaffee, Lassi, Chach, Thandai, Sharbat, Kokoswasser, Toddy, Solim und Kanji – mit Herkunft, Geschmack, Tipps.

Indien ist ein Land schwindelerregender Vielfalt – von Kulturen, Traditionen und Geschmäckern. Jede Ecke dieses riesigen Landes bringt eigene kulinarische Handschriften hervor, und Getränke nehmen darin einen besonderen Platz ein. Von der Wüstenhitze Rajasthans bis zu Keralas üppigen Hügeln, von vibrierenden Städten bis zu stillen Dörfern spiegeln indische Getränke Klima, Alltagsrhythmus und Vorlieben der Menschen, die sie zubereiten.

Hier sind Getränke mehr als bloße Durstlöscher. Sie ziehen sich durch kulturelle und religiöse Traditionen, signalisieren Gastfreundschaft und dienen oft als alltagstaugliche Wohlfühlrezepte. Tee und Kaffee, Lassi und Chach, Thandai und Sharbat – jedes bringt seine eigene Geschichte, sein eigenes Aroma und seine Art der Zubereitung mit.

Dies ist ein Streifzug durch geliebte indische Drinks, die Einheimische ebenso überzeugen wie Reisende. Jedes Glas schmeckt nach Kultur – einprägsam und tief verwurzelt. Und man versteht schnell, warum.

Tee

Plantage, Tee, Frauen
Benoy, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Tee hat in Indiens Alltag einen besonderen Stellenwert. Er wird überall ausgeschenkt – zu Hause, auf der Straße, in Büros und an Bahnhöfen – und steht als warme Kurzformel für Willkommen und Gespräch.

Am bekanntesten ist Masala Chai, aufgekocht mit Gewürzen wie Kardamom, Nelke, Zimt, Ingwer und schwarzem Pfeffer. Die Gewürze ziehen in Wasser, dann kommen Teeblätter, Milch und Zucker dazu – das Ergebnis ist eine duftende, wärmende, belebende Tasse.

Zu den regionalen Klassikern zählen Darjeeling – leicht, blumig und in den Hügeln von Darjeeling angebaut, vielen als das Champagner-Pendant unter den Tees bekannt. Assam ist kräftig und vollmundig, ideal für Masala Chai. Nilgiri aus Südindien wirkt weicher, mit sanft fruchtigen Noten.

Chai wird oft in kleinen Tontassen (Kulhad) oder Glastumblern serviert. Auf der Straße findet man ihn an Teeständen, die von einem Chaiwallah betrieben werden – einer Person, die aus einem schnellen Einschenken eine kleine Pause im hektischen Tag macht.

Für viele ist die erste Tasse am Morgen nicht nur Gewohnheit – sie ist tägliches Ritual und eine willkommene Einladung zum Reden, unter Freundinnen und Freunden oder beim Abklären von Geschäften.

Kaffee

Kaffee
Triv.rao, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Indien ist für Tee berühmt, doch auch Kaffee hat – besonders im Süden – festen Boden. Indischer Kaffee fällt durch Tiefe und die charakteristische Art der Zubereitung und des Servierens auf.

Im Süden liegen renommierte Plantagen, vor allem in Chikmagalur, Coorg (Kodagu) und den Nilgiri-Bergen. Bohnen aus Indien werden breit exportiert und für ihr sanftes Aroma geschätzt.

Südindischer Filterkaffee gehört in Tamil Nadu, Karnataka, Andhra Pradesh und Kerala zum Alltag. Frisch gemahlener Arabica oder Robusta zieht in einem Metallfilter; der kräftige Auszug wird mit Milch und Zucker gemischt und dann zwischen Gefäßen hin und her gegossen, bis sich ein seidiger Schaum bildet.

Traditionell kommt er in Metalltumblern und -schalen, den sogenannten Dabra. Der charakteristische Guss kühlt den Kaffee und schlägt eine leichte Haube – halb Funktion, halb Theater.

In Tamil Nadu heißt Kaffee Kapi – eine Bezeichnung, die aus der südindischen Aussprache von „coffee" hervorgegangen ist. In Karnataka und Kerala ist der Kaffee oft stärker und weniger süß. Verglichen mit Tee ist er in Städten bei jüngeren Menschen verbreiteter, wo die Café-Kultur wächst.

Vor allem aber ist südindischer Filterkaffee ein Stück lebendiges Erbe – Duft, Wärme und Routine in einem.

Lassi

Becher, Teller, Beeren
Subhransuphotography, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Lassi gehört zu den beliebtesten Getränken des Landes – schlicht, kühlend und wie gemacht für heißes Wetter. Im Kern ist es aufgeschlagener Joghurt, dessen Charakter von den Zutaten lebt.

Süßer Lassi verbindet Joghurt mit Wasser oder Milch und Zucker, manchmal parfümiert mit Rosenwasser oder Kardamom. Häufig kommen Pistazien, Mandeln und Safran obenauf; besonders verbreitet ist er im Norden, etwa in Punjab und Rajasthan.

Salziger Lassi ist die klassische herzhafte Variante mit Salz, schwarzem Pfeffer, Kreuzkümmel und mitunter gehackten Kräutern wie Koriander oder Minze. Er erfrischt und gilt als hilfreicher Begleiter für die Verdauung.

Mango Lassi setzt auf frisches Mangopüree für einen dichten, dessertartigen Abschluss, gelegentlich mit einem Hauch Honig.

Bhang Lassi ist eine besondere Festtagsvariante aus einer Paste von Cannabisblättern, traditionell zu Holi getrunken.

Lassi kommt oft in großen Tongefäßen, die lange kühl halten. Blütenblätter, Nüsse und Gewürze krönen bisweilen den Rand – ein kleines Extra, das seine Rolle als Geste der Gastfreundschaft unterstreicht, besonders in Punjab und Rajasthan.

Buttermilch

Gläser, Getränk, Kartons, Tablett
Silar, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Buttermilch – in Indien Chach genannt – ist leicht, erfrischend und fest im Alltag heißer Regionen verankert. Sie entsteht aus Joghurt, der mit Wasser, Gewürzen und Kräutern vermischt wird: einfach, durstlöschend und naheliegend.

Traditionelles Chach mischt Joghurt und Wasser meist im Verhältnis 1:2 oder 1:3, mit Kreuzkümmel, schwarzem Salz und Koriander, manchmal auch Minze. Etwas geriebener Ingwer oder grüne Chili geben dezent Schärfe.

Medjiguppu ist eine südliche Variante, beliebt in Karnataka und Andhra Pradesh, mit Curryblättern, frischem Koriander und einem Hauch Asant.

Masala Chach ist kräftiger gewürzt – möglich sind schwarzer Pfeffer, getrocknetes Mangopulver (Amchur), Kreuzkümmel und bisweilen eine Prise Zucker.

Gekühlt und oft in Tonbechern serviert, passt Chach zum Klima wie zum Tisch. In Dörfern quer durch Gujarat, Rajasthan und den Süden ist es gesetzt – solo oder zum Essen –, ein Hinweis darauf, dass schlichte Zutaten und ein kühles Finish manchmal alles sind, was man braucht.

Toddy

Palmen, Krüge, Bäume
ReflectedSerendipity from United Kingdom, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Toddy – oft als Palmwein bezeichnet – ist ein fermentierter Trunk, der aus Palmen gewonnen wird. In südlichen und küstennahen Regionen wie Kerala, Tamil Nadu, Andhra Pradesh und Goa ist er verbreitet – wegen seines frischen Geschmacks und seiner Verankerung in lokalen Gepflogenheiten.

Die Basis ist der Saft von Kokos-, Dattel- oder Toddy-Palmen. Frisch gesammelt heißt er Neera, ist alkoholfrei und süß. Innerhalb weniger Stunden fermentiert er natürlich zu einem mild alkoholischen, säuerlich-süßen Getränk.

Von süßem Toddy spricht man beim frischen Saft vor der Gärung – ein morgendlicher Favorit mit natürlichen Zuckern, Vitaminen und Mineralstoffen.

Fermentierter Toddy enthält einen kleinen Alkoholanteil (rund 4–6 %) und ist in Dörfern und an der Küste oft eine entspannte Wahl für den Abend.

Kallapam ist ein südlicher Begriff für Toddy, besonders in Kerala und Tamil Nadu, und wird häufig mit lokalen Snacks kombiniert.

Geübte Zapfer klettern auf Palmen, ritzen den Blütenstiel an und sammeln den Saft in Ton- oder Metallgefäßen. Danach wird er entweder sofort als Neera getrunken oder zur Gärung stehen gelassen. In vielen Dörfern schenken kleine Toddy-Lokale in Ton- oder Metallbechern aus – gern zu würzigem Fisch, Currys oder Fleischgerichten.

Sharbat

Männer, Getränke, Essen, Blumen, Geschirr
Wasiul Bahar, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Sharbat ist ein traditioneller Kalttrunk aus Früchten, Blüten, Kräutern und Gewürzen. Landesweit beliebt, hat er einen simplen Grund: Eiskalt serviert gehört er zum Sommer wie der Schatten.

Im Kern ist Sharbat ein konzentrierter Sirup, der mit Wasser (still oder mit Kohlensäure) oder Milch verdünnt wird. Zum Einsatz kommen natürliche Zutaten – Früchte wie Mango und Zitrone, Blüten wie Rose oder Hibiskus, Kräuter wie Basilikum und Minze sowie Gewürze von Kardamom bis Safran.

Rosen-Sharbat zählt zu den Favoriten und wird mit Rosenwasser, Zucker und Kräutern hergestellt. Er duftet süß, schimmert rosig und wird mitunter mit Milch gemischt oder in Desserts gerührt.

Zitronen-Sharbat kombiniert Zitronensaft, Zucker und Wasser, manchmal mit einer Prise Salz oder schwarzem Pfeffer zur Balance – eine einfache Art, Hitze zu trotzen und Elektrolyte aufzufüllen.

Mango-Sharbat nutzt frisches Mangopüree, Zucker und Wasser – dick, sättigend und bei allen Altersgruppen beliebt.

Sandelholz-Sharbat basiert auf Sandelholz-Essenz und Zucker und ist in Nordindien, besonders in Uttar Pradesh, verbreitet.

Hibiskus-Sharbat entsteht aus getrockneten Hibiskusblüten und bringt eine süß-säuerliche Note und tiefrote Farbe mit.

Auf Eis und im Glastumbler serviert, wird Sharbat oft mit frischer Minze, Zitronenscheiben oder Nüssen wie Mandeln oder Pistazien garniert. Aus natürlichen Zutaten, reich an Vitaminen und Antioxidantien, erfrischt und belebt er – häufig auch bei religiösen und festlichen Anlässen, darunter im Ramadan.

Kokoswasser

Kokosnüsse
Burkhard Mücke, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Kokoswasser ist Indiens natürlicher Frischekick: die klare Flüssigkeit in jungen grünen Kokosnüssen. Als eines der beliebtesten Getränke des Landes punktet es mit sauberem Geschmack, praktischem Nutzen und der Verfügbarkeit in Küsten- und Tropenregionen.

Reich an Elektrolyten wie Kalium, Magnesium, Natrium und Kalzium, hilft es, den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen – besonders bei Hitze. Kalorienarm und zu etwa 95 % aus Wasser, stillt es effektiv den Durst und beugt Dehydrierung vor.

In Indien trinkt man es meist direkt aus der frischen Nuss: oben ein Loch, Strohhalm hinein. Das weiche, geleeartige Fruchtfleisch junger Kokosnüsse wird oft im Anschluss gelöffelt. Ein Spritzer Zitrone oder eine Prise Salz runden bisweilen den Geschmack ab.

Beliebt ist es bei Menschen, die Sport treiben oder im Freien arbeiten – verlorene Elektrolyte kehren damit schnell zurück. Viele greifen auch dazu, um den Magen zu beruhigen, Sodbrennen zu lindern und die Verdauung zu besänftigen. Mit Antioxidantien und Vitaminen unterstützt es zudem das Immunsystem.

Kokoswasser ist eine einfache, abfallarme Wahl – ganzjährig direkt von der Palme oder bei Straßenverkäuferinnen und -verkäufern erhältlich.

Thandai

Teller, Tasse, Nüsse, Blütenblätter
Raksanand, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Thandai ist ein kühlender, milchbasierter Drink, angereichert mit Zucker, Nüssen und aromatischen Gewürzen. Der Name leitet sich vom Hindi-Wort für „kühl" ab – und in den heißesten Monaten macht er diesem Ruf alle Ehre. Eng verbunden ist er mit dem Holi-Fest.

Die Grundlage sind Milch und eine reichhaltige Begleitung: zu Paste verarbeitete Nüsse für Körper, Samen wie Fenchel und Kürbis, Gewürze wie Kardamom, schwarzer Pfeffer und Safran, Rosenwasser oder Rosenblätter und Zucker – und zu Holi mitunter Bhang, eine Paste aus Cannabisblättern, für einen festlicheren Dreh.

Kalt in hohen Gläsern serviert und mit gehackten Nüssen, Safran oder Rosenblättern bestreut, steht Thandai für Freude, Frische und den Start in den Frühling. Die Rezepte variieren landesweit: In Rajasthan ist er oft cremiger mit mehr Nüssen, in Uttar Pradesh geben zusätzliche Gewürze mehr Nachdruck.

Solim

Kokum-Frucht
BHARATHESHA ALASANDEMAJALU, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Solim, auch als Sol Kadhi bekannt, stammt aus Maharashtra und Goa, besonders von der Konkan-Küste. Hergestellt aus Kokosmilch und der getrockneten Schale der Kokum-Frucht, bringt er einen rosa Schimmer und eine klare, erfrischende Säure mit.

Wesentlich sind Kokum für Säure und Farbe, Kokosmilch für Cremigkeit, Gewürze wie Knoblauch, grüne Chili, Kreuzkümmel und Koriander für Frische sowie Salz. Gekühlt und in kleinen Gläsern oder Schälchen serviert, schmeckt Solim solo oder als Begleiter – besonders zu scharfen Gerichten.

Er ist ein fester Teil der Konkan-Küche und wird oft zum Abschluss gereicht, um den Magen nach feurigen Gängen zu beruhigen. Bei warmem Wetter liegt er mit seiner kühlenden, besänftigenden Art auf der Hand – vollständig pflanzlich ist er obendrein.

Varianten ergänzen Curryblätter, Asant oder gehackten Koriander. In Goa fällt er etwas süßer aus; in Maharashtra meist säuerlicher und würziger.

Kanji

sitzende Frauen, Korb, Getränk
Suresh Kumar Vakalapudi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Kanji ist ein traditionell fermentierter Drink mit scharf-frischer, belebender Note. Besonders in den nördlichen Bundesstaaten Punjab, Uttar Pradesh und Rajasthan ist er beliebt – häufig, wenn der Winter dem Frühling weicht.

Die Basis ist einfach: schwarze Karotten, Senf, Wasser, Salz und mitunter ein Hauch rote Chili oder Fenchelsamen für zusätzliches Aroma.

Gekühlt im Glas ist Kanji so lebendig, wie er aussieht. Die fermentierten Gemüsestücke bleiben bisweilen im Getränk, was mehr Geschmack und Textur bringt. Oft wird er gegen Ende des Winters angesetzt und zu Festen wie Holi ausgeschenkt, um den Wechsel der Jahreszeit zu markieren.

Je nach Region kommen Rettich, Rote Bete oder sogar kleine fermentierte Urad-Dal-Klößchen namens Kanji Vare dazu. In Punjab fällt Kanji würziger aus; in Uttar Pradesh vertieft Rote Bete das Rot; in Rajasthan sorgen Gerstenkörner gelegentlich für Biss.

Mit seiner pikanten Wärme, der satten Farbe und dem zufriedenstellenden Biss verbindet Kanji Tradition, Geschmack und Wohlbefinden auf kurze, prägnante Art.