Entdecke Havannas Oldtimer: klassische US-Autos, die trotz Embargo dank kubanischer Mechaniker weiterrollen. Geschichte und Kultur für unvergessliche Fahrt.
Havanna steht für leuchtende Fassaden, enge Gassen, treibende Rhythmen – und natürlich für jene ehrwürdigen Automobile. Die Autos in allen Regenbogenfarben wurden zu mehr als bloßen Verkehrsmitteln; sie wuchsen zu einem kubanischen Wahrzeichen heran. Hinter dem polierten Chrom verbirgt sich jedoch eine Geschichte mit eigenen Umwegen.

In den 1940er- und 1950er-Jahren erlebte Havanna einen Aufschwung. Kuba handelte rege mit den Vereinigten Staaten, und die Insel füllte sich mit den neuesten Modellen von Chevrolet, Ford, Buick und Cadillac. Die Stadt glich einem Showroom unter freiem Himmel.
Alles änderte sich nach der Revolution von 1959. Die neuen Machthaber schafften privates Unternehmertum ab, und das US-Embargo kappte die Zufuhr von Autos und Ersatzteilen. Die Besitzer mussten die verbliebenen Fahrzeuge mit Reparaturen und Einfallsreichtum am Leben halten. Aus diesem Druck entstand ein echtes Restaurationshandwerk – eines, das diese Maschinen bis heute auf der Straße hält.

Die Besitzer lernten zu improvisieren. Originalteile sind längst verschwunden, also begannen Kubaner, Komponenten aus anderen Fahrzeugen einzusetzen. Ein Cadillac aus den 1950ern kann Teile von einer sowjetischen Wolga tragen, während ein Buick mit einem Motor aus einem chinesischen Lastwagen läuft. Jedes Auto ist ein sorgfältig zusammengesetztes Mosaik aus ungleichen Bausteinen – und doch bleibt die Faszination ungebrochen.

Heute gehören diese Wagen zum kulturellen Gefüge Kubas. Die Regierung verbietet ihren Export und erkennt damit ihren Wert für das Land an. Havanna wirkt wie ein ausgedehntes Freiluftmuseum, in dem Dutzende glänzender Klassiker in kräftigen Tönen von Türkis bis Scharlach vorbeigleiten. Für Besucher ist eine Fahrt nicht nur ein Fotomotiv – sie ist ein Weg, auf dem sich der Charakter der Stadt erschließt.

Trotz ihrer Popularität bleibt der Ausblick ungewiss. Mit jedem Jahr wird die Wartung schwieriger, und selbst die versiertesten Mechaniker können diese Maschinen nur bis zu einem gewissen Punkt am Laufen halten.
In den letzten Jahren sind moderne Autos – überwiegend aus China und Russland – auf Havannas Straßen aufgetaucht. Sie verändern das Stadtbild, dürften die alten Hasen jedoch nicht vollständig verdrängen.
Die Oldtimer Havannas gehören zum innersten Kern der Stadt. Nach Jahrzehnten wirtschaftlicher Belastungen und technischer Hürden bereiten sie Einwohnern und Reisenden weiterhin Freude. Solange diese Ikonen sich mit Meeresbrise und Musik die Straßen teilen, behält Havanna sein unverwechselbares, einzigartiges Gesicht.