Entdecke das Icehotel in Jukkasjärvi, Schweden: wie es aus Torne-Eis entsteht, warum es im Frühling schmilzt und welche Erlebnisse dich im Eis erwarten.
Jeden Winter erhebt sich im kleinen schwedischen Dorf Jukkasjärvi ein Schloss aus purem Eis und Schnee – das Icehotel. Mit dem Frühling verschwindet es spurlos. Wie kann das sein?

Die Idee für ein Hotel aus Eis entstand zufällig. 1989 fand in Jukkasjärvi eine Ausstellung mit Eisskulpturen statt, und ein Besucher beschloss, die Nacht in diesem ungewöhnlichen „Raum“ zu verbringen. Der Versuch gelang – wenig später entstand das erste Gebäude, in dem Menschen zwischen gefrorenen Wänden übernachten konnten. Dieser erste neugierige Schritt gab allem, was folgte, die Richtung.
Seither wird das Icehotel jedes Jahr von Grund auf neu gebaut. Es ist weit mehr als eine Unterkunft – ein großes Kunstprojekt, zu dem Künstlerinnen, Künstler und Designer aus aller Welt anreisen, um echte Werke aus Eis zu schaffen. Das Ergebnis wirkt ebenso sehr wie ein temporäres Museum wie ein Hotel.

Der Aufbau beginnt lange vor dem Winter. Im Frühjahr, wenn das Eis auf dem Fluss Torne dick und glasklar ist, wird es in große Blöcke geschnitten. Diese Blöcke lagern in Kühlräumen, bis der richtige Moment gekommen ist.
Im November starten Künstler, Architektinnen und Bauteams mit der Konstruktion. Zum Einsatz kommen nicht nur Eis, sondern auch eine spezielle Schnee-Eis-Mischung, die die Wände stabilisiert. Bis Dezember ist das Hotel bereit für Gäste. Der Zeitplan ist eng und lässt wenig Spielraum – und gerade dieser Nervenkitzel gehört zum Reiz.

Im Inneren herrschen rund -5 °C, und doch ist genau das Übernachten der Kern der Erfahrung. Die Betten bestehen aus Eis, darüber liegen warme Rentierfelle. Spezielle Schlafsäcke halten die Kälte ab. Es klingt karg, doch der Komfort ist überraschend gut durchdacht.
Neben den Zimmern gibt es eine Eisbar, in der Getränke in Gläsern aus Eis serviert werden, und sogar eine Eiskapelle, in der Hochzeiten stattfinden. Kaum ein Ort verwandelt Kälte so überzeugend in Zeremonie.
Wer das Hotel im Sommer erleben möchte, kann das ebenfalls: Ein eigener Trakt, das Icehotel 365, ist dank eines von der Sonne betriebenen Kühlsystems ganzjährig geöffnet – eine hübsche Volte der Logik, bei der Sonnenlicht das Eis schützt.

Wenn das Sonnenlicht des Frühlings zurückkehrt, schmilzt das Hotel einfach. Das Wasser fließt zurück in den Torne – übrig bleiben Erinnerungen und Fotografien. Dieser Abschied hat etwas Ehrliches, als würde sich das Gebäude den Bedingungen der Natur fügen.
Dieser natürliche Kreislauf macht das Icehotel einzigartig. Es ist ein umweltfreundliches Projekt, das keinen Abfall hinterlässt und der Umgebung nicht schadet. In einer Zeit der Überfülle wirkt diese Zurückhaltung wohltuend nüchtern.