Atemberaubend und riskant: die gefährlichsten Routen weltweit

Die gefährlichsten Wege der Welt: Routen für Mutige
© A. Krivonosov

Entdecke die gefährlichsten Wege der Welt – von Huashan über den Everest bis zur Todesstraße. Fakten, Risiken, Tipps und Highlights für erfahrene Abenteurer.

Reisen übt seit jeher eine besondere Anziehung auf Adrenalinjäger aus – vor allem, wenn eine Route etwas Außergewöhnliches verspricht. Während die meisten Besucher entspannte, risikoarme Wege wählen, gibt es eine entschlossene Minderheit, die echtes Risiko sucht und die eigenen Grenzen an der rohen Natur misst. Von schwindelerregenden Pfaden, die an tausende Meter hohen Felswänden kleben, bis zu Querungen durch dichten Dschungel und verschneite Pässe: Noch immer gibt es Orte, an denen ein Fehltritt fatal sein kann. Diese Routen verlangen nicht nur Kondition, sondern kühlen Kopf, Mut und die Fähigkeit, mit Unvorhersehbarem umzugehen. Hier sind einige der gefährlichsten Wege der Welt – Strecken, die die Sinne herausfordern und nur die Mutigsten anziehen.

Huashan-Trail, China

Felsen, Berge, Wälder
chensiyuan, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Am heiligen Berg Huashan führt der Weg zum Südgipfel – er ragt über 2.000 Meter empor – zu seinem Ruf nicht ohne Grund. Der Pfad verengt sich auf Holzbohlen, die in den senkrechten Fels gedübelt sind, teils nur wenige Dutzend Zentimeter breit. Man tastet sich an Ketten entlang, die in der Wand verankert sind; stellenweise ersetzen Metallstifte die Bretter – dann heißt es klettern. Unter den Füßen gähnt der Abgrund, Geländer gibt es nicht: Die Ausgesetztheit ist allgegenwärtig und unerbittlich.

Das Wetter verschärft das Risiko. Regen macht die Bohlen glitschig, kräftige Böen bringen selbst sichere Schritte ins Wanken. Zwar werden Sicherungsgurte ausgegeben, doch gefragt sind Kondition, Wachsamkeit und Nerven wie Drahtseile. Wer sich darauf einlässt, nimmt ein Erlebnis mit, das zwischen Ehrfurcht und Adrenalin pendelt.

Mount Everest, Nepal

Felsen, Berge, Schnee
Luca Galuzzi (Lucag), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Besteigung des höchsten Berges der Erde (8.848 Meter) bleibt eines der riskantesten Unternehmen im Abenteuertourismus. Die Gefahren sind offensichtlich: dünne Luft in großer Höhe, brutale Winde und Temperaturen bis -60 °C, dazu allgegenwärtige Lawinengefahr. Über 8.000 Metern beginnt die berüchtigte Todeszone, in der der Sauerstoff so knapp wird, dass der Körper abbaut.

Bergsteiger sind auf Sauerstoffflaschen und Spezialausrüstung angewiesen, um Erfrierungen und Höhenkrankheit vorzubeugen – während sie Spalten, fragile Wechten und kompromissloses Gelände überwinden. Erschöpfung ist die Regel, Rettungen in dieser Höhe sind äußerst schwierig. Selbst mit akribischer Vorbereitung fordert der Everest jedes Jahr Leben.

El Caminito del Rey, Spanien

Felsen, Brücke, Menschen
Frayle from Salamanca, España, Public domain, via Wikimedia Commons

In der Provinz Málaga schmiegt sich dieser schmale Steig an senkrechte Felswände – rund 100 Meter über dem Fluss. Auf etwa 3 Kilometern verengt er sich stellenweise auf kaum einen Meter. Ursprünglich Anfang des 20. Jahrhunderts für Arbeiter von Wasserkraftwerken gebaut, verfiel der Weg später.

Morsche Bretter und fehlende Geländer machten aus Abschnitten bröckelige, exponierte Leisten. Trotzdem zog die Route Draufgänger an und galt nach zahlreichen Unfällen weithin als gefährlichster Pfad der Welt. Eine umfassende Sanierung 2015 brachte Metallstege und Geländer – die Sicherheit ist deutlich besser. Die Höhe und die schmalen Querungen bleiben jedoch ein Prüfstein: auf dem Papier sicherer, erlebt immer noch intensiv.

Todesstraße (Yungas), Bolivien

Berge, Felsen, Bäume
PsamatheM, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Diese berüchtigte Bergstraße verläuft rund 80 Kilometer und verbindet La Paz mit den tropischen Tieflagen Boliviens. Sie schlängelt sich von etwa 4.650 Metern hinunter auf ungefähr 1.200 Meter – an Felswänden entlang, oft nur rund 3,2 Meter breit und ohne Schutzplanken. Darunter fällt das Gelände teils hunderte Meter ab.

Häufige Regenfälle und Nebel machen die Oberfläche rutschig und die Sicht schlecht. Erdrutsche und Steinschlag gehören zum Alltag. Bevor 2006 eine neue Route geöffnet wurde, starben hier jährlich Hunderte – der Spitzname war schnell zementiert. Trotzdem bleibt die Straße ein Magnet für Extremsportler auf dem Mountainbike, die den Rausch einer schnellen Abfahrt auf gefährlichen Serpentinen suchen.

Kokoda Track, Papua-Neuguinea

Dschungel, Pfad, Menschen
Luke Brindley, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Auf rund 96 Kilometern schneidet dieser anspruchsvolle Track durch dichten Dschungel, Gebirgspässe und tropischen Wald und verbindet Port Moresby mit dem kleinen Dorf Kokoda. Die Bedingungen sind gnadenlos: hohe Temperaturen, drückende Luftfeuchtigkeit und heftiger Regen verwandeln die Strecke in eine zähe Plackerei.

Wanderer treffen auf steile Anstiege, tiefen Schlamm, weggespülte Passagen und das Risiko von Malaria. Steinschlag und Erdrutsche kommen hinzu. Der Weg trägt auch die Spuren von Schlachten des Zweiten Weltkriegs – viele gehen ihn in Gedenken. Wer ihn komplett schaffen will, braucht hervorragende Fitness, einen klaren Kopf und die Bereitschaft, sich auf Naturkapriolen sofort einzustellen.

Annapurna Circuit, Nepal

Felsen, Schnee
Anna Stavenskaya, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Einer der härtesten und riskantesten Treks weltweit: Die Runde umfasst etwa 160–230 Kilometer, durchquert mehrere Klimazonen und erreicht am Thorung-La-Pass über 5.400 Meter. Höhenkrankheit, plötzliche Wetterumschwünge und Lawinen sind die Hauptgefahren.

In großer Höhe wird die Luft so dünn, dass ernsthafte Gesundheitsprobleme drohen. Schneestürme können ohne Vorwarnung losbrechen, böige Winde verschärfen die Lage. Die Szenerie der Himalaya-Gipfel und ihrer Bergdörfer ist grandios, doch die Route verlangt enorme Ausdauer und sorgfältige Planung. Traurige Realität: Jedes Jahr kommen hier Reisende ums Leben, oft wegen unzureichender Akklimatisierung oder extremen Wetters – besonders am Thorung La.

Giro del Sorapiss, Italien

Felsen, Mann
Maurizio Ceol, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

In den Dolomiten verwandelt ein Netz aus Klettersteigen – fixen Eisenleitern und Drahtseilen direkt im Fels – senkrechte Wände in exponierte „Eisenwege“. Entstanden in den Wirren des Ersten Weltkriegs, als Italiener und Österreicher in großer Höhe kämpften, sind sie heute ernsthafte Routen für Erfahrene.

Zu den kühnsten zählt der Giro del Sorapiss, der drei Klettersteige verbindet und entlang steiler Wände kräftig an Höhe gewinnt. Gefordert sind solide Fitness, grundlegende Kletterfertigkeiten und der sichere Umgang mit alpiner Ausrüstung. Es warten steile Aufschwünge, schmale Bänder und Passagen, in denen der Abgrund hunderte Meter unter einem liegt.

Die Belohnung ist enorm: ein Panorama aus gezackten Gipfeln und tief eingeschnittenen Dolomitentälern. Aber hier zählt Präzision – ein Moment der Unachtsamkeit kann schwer wiegen. Sicherheit hat oberste Priorität.

Half Dome, Yosemite-Nationalpark, USA

Fels, Menschen
HylgeriaK, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Half Dome ist Ikone und Prüfung zugleich. Der Gipfel liegt auf 2.694 Metern, der Schlussanstieg führt über eine glatte Granitkuppe, an der Wanderer mit Fixseilen die letzten Meter überwinden. Dieser finale Abschnitt zieht sich über gut 120 Meter eine fast senkrechte Platte hinauf – man hangelt sich an Metallseilen über blanken Fels.

Setzen Regen oder Wind ein, wird der Granit tückisch rutschig, die Ausgesetztheit ist absolut spürbar. Die Route verlangt erhebliche körperliche Anstrengung und ungeteilte Konzentration, besonders auf den offenen, ungeschützten Stücken. Jährlich passieren hier Unfälle, einige davon tödlich. Der Blick über das Yosemite Valley vom Gipfel bleibt dennoch ein mächtiger Anreiz.

Huayna Picchu, Peru

Berge, Menschen, Pfad
PIERRE ANDRE LECLERCQ, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wer die klassischen Aufnahmen von Machu Picchu kennt, hat Huayna Picchu meist vor Augen – den steilen Gipfel hinter der Inka-Stadt, ein Dauerbrenner auf Postkarten und in sozialen Medien.

Der Weg zum Gipfel führt an einem Abschnitt vorbei, der als „Treppen des Todes“ bekannt ist: jahrhundertealte Stufen, die dicht an senkrechten Abfällen entlangführen.

Einige Treppenfolgen bringen selbst geübte Wanderer aus der Ruhe. Viele kommen unzureichend vorbereitet; ohne feste Schuhe und die Unterstützung eines lokalen Guides können Ausgesetztheit und Tritt sicher schnell zur ernüchternden Prüfung werden.