Wochenendtrip nach Belarus: Anreise, Visum, Preise, Shopping & Highlights

Belarus am Wochenende: Minsk, Tipps, Preise & Sightseeing
Вадзім Новикаў, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Belarus-Wochenende: Anreise per Flug, Bahn oder Bus, visafrei für Russen, Mir-Karte und Preise, Shopping in Minsk sowie Touren und Sehenswürdigkeiten.

Belarus, bekannt für sein reiches Kulturerbe und seine sanften Landschaften, entwickelt sich rasant zu einem bevorzugten Wochenendziel für Reisende aus Russland. Die Mischung aus Sehenswürdigkeiten, herzlicher Gastfreundschaft und unkomplizierten Verbindungen macht das Land ideal für kurze Auszeiten. So lassen sich ein paar dichte Tage füllen, in denen man charakteristische Ecken entdeckt und lokale Traditionen probiert.

Auf den ersten Blick wirkt das Land ruhig und gelassen, doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein beachtliches Arsenal an Aktivitäten und kulturellen Entdeckungen. Zwischen historischen Städten, stimmungsvollen Schlössern, tiefen Wäldern und Seen wie aus dem Bilderbuch findet nahezu jede und jeder etwas Passendes. Man merkt schnell, wie aus einem schnellen Trip eine neue, lieb gewonnene Gewohnheit werden kann.

Anreise

Flughafen Minsk

Flug-, Bahn- und Busverbindungen zwischen Russland und Belarus sind gut ausgebaut. Tägliche Flüge aus Moskau und St. Petersburg landen am Nationalen Flughafen Minsk, rund 40 Kilometer vom Zentrum entfernt. Mitte Juni 2024 beginnen einfache Tickets ab etwa 3.900 Rubel.

Rund anderthalb Dutzend Personenzüge fahren täglich vom Moskauer Bahnhof Belorusskij nach Belarus. Die Strecke Moskau–Minsk dauert etwa 10 Stunden, mit der Lastotschka 6 Stunden 50 Minuten. Im Juni 2024 starten die Bahntarife bei etwa 2.500 Rubel. Auch aus Smolensk, Kaliningrad, St. Petersburg und anderen Städten ist Minsk per Zug gut erreichbar.

Busse von Moskau nach Belarus fahren über die M‑1, unterwegs ist man rund 10 Stunden. Ab St. Petersburg sind 12–13 Stunden realistisch. Tickets gibt es ab etwa 2.000 Rubel. Für größere Gruppen kann die Fahrt mit dem Auto unterm Strich günstiger sein.

Visum

eine Straße in Minsk

Russen benötigen für die Einreise nach Belarus kein Visum und dürfen bis zu 90 Tage bleiben. Für längere Aufenthalte ist eine befristete oder dauerhafte Aufenthaltserlaubnis erforderlich.

Beste Reisezeit

ein Gewässer in Belarus

Für Städtereisen bieten sich besonders die Monate Mai bis September an. Die Skisaison startet im Dezember und dauert in der Regel bis Mitte März, in kälteren Jahren auch bis in den April. Kur- und Wellnessangebote sind ganzjährig verfügbar.

Währung und Mir‑Karte

eine Bank in Minsk

Die Währung ist der belarussische Rubel (BYN). Geld wechselt man in Banken, großen Einkaufszentren, Hotels und anderen frequentierten Orten. An Wechselstuben werden Euro, US‑Dollar und Rubel akzeptiert. 2024 ist das Bezahlen mit der Mir‑Karte im Vorteil: Der Kurs bei Kartenzahlungen ist günstiger als bei Barabhebungen am Automaten. Wer mit dem Zug ankommt, findet den ersten Geldautomaten einer großen russischen Bank auf Ebene −1 des Minsker Bahnhofs.

Shopping: Wo es in Minsk die großen Marken gibt

ein Einkaufszentrum in Minsk

Seit 2022 haben sich die Routen für Shoppingtrips aus Russland verlagert. Wo früher Spanien und Italien tonangebend waren, ist heute Belarus eingesprungen: In Minsk sind viele westliche Marken weiterhin präsent – was nicht nur zum Schauen, sondern gezielt zum Einkaufen lockt.

Eine Shoppingreise von Moskau nach Belarus ist eine Chance, Waren zu bekommen, die in Russland (zumindest offiziell) schwer zu finden sind.

Burger und Cola von McDonald’s sowie Angebote von Zara, Bershka, Gucci und anderen sind für alle, die zum Shoppen nach Minsk kommen, weiterhin zugänglich. Manche planen sogar gezielte „Kartenreisen“: Belarussische Banken erlauben die Eröffnung einer Karte, die weltweit ohne Einschränkungen nutzbar ist.

Die größten Einkaufszentren sind Zamok, Palazzo, Dana Mall, Green City und Galleria Minsk. In der Hauptstadt sind zudem das unterirdische Zentrum Stolitsa, GUM, Nemiga 3 und das Galileo Mall beliebt.

Geführte Touren

Schloss Nesvizh

Belarus ist weit mehr als Shopping – geführte Ausflüge gehören dazu. Eine Tour von Minsk zu den Schlössern Nesvizh und Mir mit Mittagessen kostet etwa 5.000 Rubel. Wie bei Hotels lohnt sich eine frühzeitige Buchung, wenn man eine kurze Reise maximal ausnutzen möchte.

Beispielsweise startet die fünftägige Budgettour Legends of Belarus bei 56.200 Rubel für zwei Personen. Die zweitägige Tour Millennial Brest gibt es ab 28.200 Rubel für zwei, Belarusian Kaleidoscope (drei Tage für zwei) beginnt bei 46.000 Rubel.

Sehenswürdigkeiten

Khatyn

Belarus ist kein klassisches Strandziel – es hat keine Küste, und das Klima spielt nicht in diese Richtung –, doch im Sommer kann man in Flüssen und Seen schwimmen. Minsk bietet solide Optionen: das Zaslavskoye‑Reservoir (das „Minsker Meer“) zum Baden, für Wassersport und zum Angeln; Drozdy als grünes Areal mit ausgebauten Strandbereichen; sowie das Tsnyanskoye‑Reservoir mit gepflegten Sandstränden im Norden der Stadt.

Ein guter erster Halt ist Minsk selbst – mit alten Kirchen und Kathedralen, Prachtstraßen aus der Stalinzeit, gemütlichen Gassen, Cafés und Parks. Sehenswert sind außerdem Grodno, Brest, Gomel, Witebsk und Mogilev. Fürs Skifahren lohnen sich Silichi, Raubichi, Logoisk, Mosyr und die Yakut Mountains.

Zu den Highlights zählen der Zoo von Minsk, Schloss Mir, der Palast von Nesvizh, das Volkskunstmuseum Dudutki, der Gedenkkomplex Khatyn, Napoleons Übergangspunkt bei Studenka, die Kalozha‑Kirche in Grodno und die Dreifaltigkeitskirche im Dorf Gervyaty.

In der Region Brest sollte man die Brestsker Festung mit ihrem Museum zum Zweiten Weltkrieg sowie den Nationalpark Belovezhskaya Pushcha nicht auslassen.

Eine Woche mit Gratis‑Touren und Verkostungen

eine Ausstellung in Belarus

Belarus hat die Kampagne „Вандруй. Адчуй. Натхняйся“ gestartet, um den Inlandstourismus zu stärken. Mit dabei sind Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Regionen – von Agro‑Ökohöfen, Kultur- und Bildungseinrichtungen, Restaurants und Hotels über Sanatorien, Tourismuskomplexe, Ökoparks, Schutzgebiete und Galerien bis hin zu Herstellern, Sportorganisationen und Privatinitiativen.

Vom 3. bis 9. Juni 2024 können Besucherinnen und Besucher an kostenlosen Touren und Quests teilnehmen, Tage der offenen Tür und Workshops besuchen, Nationalküche probieren sowie Präsentationen und Sonderangebote erkunden. Eine willkommene Einladung, den Blick über die Hauptstadt hinaus zu richten.

Preise

Hotel Minsk

Belarus ist freundlich zu schmalen Reisebudgets. Die Preise sind überwiegend moderat, die Qualität von Speisen und Waren gilt als hoch. Nach der Eishockey‑WM 2014 in Minsk haben viele Hotels und Hostels eröffnet. Außerhalb der Hauptstadt ist die Auswahl begrenzter. Dort bieten sich Kurzzeit‑Wohnungen oder Agro‑Höfe als smarte Alternative an. Rechnen Sie mit etwa 700 Rubel für ein Hostelbett und ab ungefähr 2.250 Rubel für Privatzimmer. Kleine Apartments oder Serviced Flats starten ebenfalls nahe 2.250 Rubel. Doppelzimmer in Vier‑Sterne‑Häusern gibt es ab etwa 5.400 Rubel, in Drei‑Sterne‑Hotels ab rund 2.700 Rubel. Aufenthalte in Agro‑Höfen kosten ab etwa 700 Rubel pro Bett.

Einkaufszentren haben hier nicht nur Foodcourts, sondern oft gemütliche, günstige Restaurants. 2024 kostet bei der Kette Vasilki (im Galileo‑Center am Minsker Bahnhof) Kaffee plus eine große Portion Draniki mit Fisch rund 900 Rubel. Im Trinity‑Center in Grodno liegt ein Hähnchen‑Abendessen im Restaurant Litviny unter 900 Rubel. Der praktische Nebeneffekt springt ins Auge: Preise sind fair, Wege kurz, die Logistik unkompliziert.

Souvenirs

Slutsker Gürtel

Beliebte Mitbringsel bei russischen Besucherinnen und Besuchern sind Kräuterelixiere und Balsame wie Master Trav und Black Healer sowie die Kräutertees Garadzenskaya Garbata in verschiedenen Mischungen. Klassische Souvenirs aus Belarus sind außerdem Leinen, Schokolade, Honig, bestickte Hemden, Slutsker Gürtel und Strohkunst. Fündig wird man in staatlichen Läden wie GUM, ZUM und Stolitsa sowie in zahlreichen Boutiquen und Galerien im Zentrum von Minsk. Selbst große Hypermärkte haben im Erdgeschoss eigene Souvenirregale.

Belarus ist eine unkomplizierte und lohnende Wahl für ein Wochenende. Die Nähe, keine Sprachbarriere und die offene Art der Menschen halten die Planung schlank und die Kosten im Rahmen. Wer eine ausgewogene Mischung aus Kultur und Natur sucht, ohne den postsowjetischen Raum zu verlassen, wird hier fündig – zu jeder Jahreszeit – und nimmt meist warme, bleibende Eindrücke mit.