Astana im Winter: Leben, Klima und Anpassung in Kasachstans Hauptstadt

Astana trotzt Wintern bis –30 °C: Wie Kasachstans Hauptstadt mit Kälte umgeht, Grüngürtel pflanzt, Infrastruktur stärkt und als Vorbild in Zentralasien gilt.

Man stelle sich eine Stadt vor, in der der Winter ein halbes Jahr dauert. In der die Temperaturen weit unter –30 °C fallen und ein schneidender Wind ständig daran erinnert, dass dies der Norden ist. Das ist Astana, die Hauptstadt Kasachstans und eine der kältesten Hauptstädte der Welt. Und dennoch trotzt die Stadt nicht nur Frost und verwehendem Schnee – sie wächst, passt sich an und überrascht häufiger, als man vermuten würde.

Ein echter Winter

Astana liegt im Herzen der weiten kasachischen Steppe. Das Klima ist hart: Die Sommer sind kurz, die Winter lang und sehr kalt. Im Januar liegt die Durchschnittstemperatur bei etwa –12 °C, doch –30 °C sind keine Seltenheit, besonders im Januar und Februar. 2024 griff die Kälte erneut kräftig um sich, die niedrigen Werte hielten sich über weite Teile der Saison.

Dazu kommen starker Wind und trockene Luft – kein Wunder, dass sich der Winter hier besonders unerbittlich anfühlt. Oft sind die Tage sonnig, was das Bild etwas aufhellt, die Kälte aber nicht bändigt.

Wie die Stadt damit umgeht

Als Astana 1997 Hauptstadt wurde, musste die Stadt schnell lernen, wie man in diesem Klima verlässlich funktioniert. Sie baute ein leistungsfähiges Heiznetz, eine zuverlässige Wasserversorgung und eine robuste Energieinfrastruktur – alles, was nötig ist, damit die Stadt im Winter nicht einfriert.

Mit dem Wachstum kamen neue Herausforderungen. Wissenschaftliche Untersuchungen vermerken, dass der intensive Bau die Grünflächen und Gewässer verringert hat. Das schadet der Umwelt und verschärft das lokale Klima zusätzlich.

Als Gegenmaßnahme entsteht rund um die Stadt ein „Grüngürtel“, für den Bäume gepflanzt werden. Die Idee dahinter: den Wind zügeln, die Luftqualität verbessern und das Klima ein wenig mildern. Das Vorhaben gilt als eine der wichtigen Initiativen zur Klimarobustheit in der Region.

Was das Land unternimmt

Die Kälte ist nicht nur ein städtisches Problem. 2024 startete Kasachstan ein Projekt, das offiziell anerkennt, wie stark das Klima die Entwicklung des Landes beeinflusst – und dass man darauf reagieren muss. Ziel ist es, Wetterrisiken in die Planung für die Zukunft einzubeziehen.

Und 2026 richtet Astana einen wichtigen Klimagipfel aus: Die Länder Zentralasiens wollen zusammenkommen, um Antworten auf wetterbedingte Herausforderungen zu beraten. Anders gesagt: Astana bearbeitet nicht nur die eigenen Probleme, sondern positioniert sich auch als Beispiel für andere.

Warum die Hauptstadt ausgerechnet dorthin verlegen?

Immer wieder stellt sich die Frage, warum eine Hauptstadt ausgerechnet an einen so kalten Ort verlegt wurde. Die Antwort liegt in Politik und Strategie. Astana liegt näher am geografischen Zentrum des Landes, was den Ausbau von Verkehrswegen und die Entwicklung neuer Regionen erleichtert. Der Preis dafür ist klar: strenge Fröste und hohe Kosten für Heizung und Infrastruktur.

Die Stadt kommt damit zurecht, doch die Aufgabe wird von Jahr zu Jahr anspruchsvoller. Wettermuster verschieben sich, die Winter werden weniger berechenbar, und die Versorgungsnetze geraten stärker unter Druck.

Was Astana lehren kann

Astana ist nicht nur eine Hauptstadt, sondern ein Ort, an dem das Leben unter harten Bedingungen tägliche Praxis ist. Die Stadt erprobt neue Ansätze beim Bauen, bei der Begrünung und beim Umgang mit Ressourcen. Perfekt ist das noch nicht – doch vieles ist bereits gelungen.

Sollte der Klimawandel häufiger Extreme bringen, könnte Astanas Erfahrung weit über die Stadtgrenzen hinaus nützlich werden.

Astana ist nicht nur ein verschneiter Punkt auf der Landkarte. Es ist ein Ort, an dem Menschen Tag für Tag der Kälte Paroli bieten, Gebäude errichten, Bäume pflanzen und Lösungen finden, wo Leben zunächst unmöglich erscheint.