Kyotos Rezept gegen Stau: Fußgänger zuerst, U-Bahn vor Bus, Rad und Park+Ride

Kyoto ohne Stau: zu Fuß, U-Bahn und smarte Besucherlenkung
By DimiTalen - Own work, CC0, Link

Erfahre, wie Kyoto mit Fußgängerzonen, Tourist-Express-Bussen, U-Bahn-Tickets und Radkonzepten Besucherströme steuert – mit praktischen Tipps für deine Reise.

Kyoto ist mehr als eine Postkartenstadt voller Tempel und stiller Gassen. Es gehört zu den meistbesuchten Zielen Japans und empfängt jedes Jahr Millionen Menschen. Vor der Pandemie kletterten die Ankünfte auf bis zu 43 Millionen jährlich, und die Mengen wachsen wieder. Anderswo würden solche Zahlen Straßen verstopfen und den Verkehr zum Kriechen bringen. In Kyoto zeigt sich ein anderes Bild: Die Stadt erstickt nicht unter Autos und steckt nicht in Dauerstaus. Wie schafft sie das?

Zu Fuß hat Vorrang

Die Stadtspitze hat entschieden, dass die beste Fortbewegung zu Fuß stattfindet. Vor einigen Jahren startete sie das Programm City for Pedestrians. Ziel ist es, das Flanieren durch die Stadt zu erleichtern und den Autoeinsatz zu reduzieren. Die Orientierung wird verbessert, neue Gehwege kommen hinzu, und autofreie Zonen werden ausgeweitet. Es wirkt unspektakulär, setzt aber an der richtigen Stelle an.

Besucherinnen und Besucher und Einheimische nutzen unterschiedliche Wege

Damit der Alltag der Einheimischen reibungslos läuft, setzt Kyoto an Wochenenden und Feiertagen spezielle Tourist-Express-Busse ein. Sie pendeln zwischen den großen Sehenswürdigkeiten und greifen nicht in die regulären Linien ein, auf die sich die Bevölkerung verlässt.

Ein Prognosesystem zeigt außerdem auf Basis von Mobilfunkdaten und Wettervorhersagen an, wo sich voraussichtlich größere Menschenmengen bilden. So können alle einen ruhigeren Zeitpunkt oder einen weniger überlaufenen Ort für den Ausflug wählen.

Weniger Bus, mehr U-Bahn

Früher waren die Busse das Nadelöhr. Vor allem Einheimische hatten Mühe, zur Arbeit zu kommen, wenn die Fahrzeuge mit Touristinnen und Touristen voll waren. Um gegenzusteuern, schaffte die Stadt die beliebten reinen Buspässe ab und führte stattdessen ein kombiniertes U-Bahn-und-Bus-Ticket ein. Dieser kleine Schubs lenkt mehr Fahrgäste in die U-Bahn und entlastet die Busse.

Die Verantwortlichen erwägen außerdem eine Preisanpassung: Touristentickets könnten etwas teurer sein als die für Einheimische. Noch ist das nur ein Vorschlag, könnte später aber helfen, die Nachfrage besser auszubalancieren. Es wäre eine heikle, aber naheliegende Stellschraube.

Das Fahrrad gehört dazu

Kyoto ist ein leichtes Pflaster für Radfahrende. Mieträder sind weit verbreitet, und immer mehr Menschen treten in die Pedale. Die Stadt baut außerdem ein Park-und-Umstiegssystem aus: Autofahrerinnen und Autofahrer lassen ihre Wagen auf ausgewiesenen Plätzen stehen und fahren mit Bus, U-Bahn oder Fahrrad weiter.

Herausforderungen bleiben

Natürlich ist das nicht makellos. Der Stadt fehlen genügend Fahrerinnen und Fahrer sowie Fahrzeuge, um mit der steigenden Nachfrage Schritt zu halten, und zu den Stoßzeiten ist es für Einheimische weiterhin schwierig, in einen Bus zu steigen. Auch das Ende der günstigen reinen Buspässe dürfte manche Besucherinnen und Besucher enttäuschen; sie machten Fahrten erschwinglicher. Das ist die Kehrseite einer Steuerung, die sonst vieles entlastet.

Kyoto geht seinen eigenen Weg

Kyotos zentrale Einsicht ist schlicht: Wenn Besucherströme ungelenkt bleiben, verlieren am Ende alle. Deshalb testet die Stadt weiter Ideen, justiert nach und sucht nach Lösungen. Sie will ihren Charakter bewahren, statt zur Touristenfalle zu werden, und zugleich für Gäste wie Einheimische angenehm bleiben. Füße vor Stoßstangen zu stellen klingt einfach, ist aber eine leise ambitionierte Wette – und bislang scheint sie sich auszuzahlen.