21:39 29-11-2025

Warum Istanbuls Straßenkatzen zur Seele der Stadt gehören

Entdecke Istanbuls Straßenkatzen: Geschichte, Pflege durch Bewohner und Stadt, Tombili, Gli und der Film Kedi – ein Blick auf die Stadtkultur am Bosporus.

© A. Krivonosov

Wer in Istanbul landet, sollte den Blick nicht nur auf die großen Moscheen und trubeligen Basare richten. Überall sind Katzen. Sie räkeln sich auf Bänken, wärmen sich an Schaufenstern, huschen durch Innenhöfe und spazieren sogar in Cafés. Man merkt es an jeder Ecke: In Istanbul sind Straßenkatzen nicht bloß Tiere – sie gehören zum täglichen Pulsschlag der Stadt.

Warum es in Istanbul so viele Katzen gibt

Die Verbindung der Stadt zu Katzen reicht weit zurück. Früher, als viele Häuser aus Holz waren, verdienten sich Katzen ihren Platz, indem sie Mäuse und Ratten jagten – entsprechend wurden sie geschätzt. Dazu kommt ein kultureller Aspekt: Im Islam gelten Katzen als reine Tiere. Überliefert ist, dass der Prophet Muhammad eine Katze hielt und sogar ein Stück seines Gewands abschnitt, um das darauf schlafende Tier nicht zu stören. Diese Wertschätzung hat überdauert – und in Istanbul gilt es bis heute als gute Tat, einer Katze zu helfen.

Wie Straßenkatzen heute leben

Heute leben rund 150.000 Straßenkatzen in der Stadt. Ganz obdachlos sind sie im üblichen Sinn jedoch nicht. Sie bewegen sich selbstbewusst: Menschen füttern sie, stellen kleine Unterschlüpfe vor die Türen und kümmern sich sogar um ihre Gesundheit.

Auch die Stadtbehörden tragen ihren Teil bei: Sie stellen Hütten gegen den Regen auf und organisieren Behandlung, Impfungen und Sterilisationen. All das sorgt dafür, dass die Tiere geschützt sind – und die Stadt sauber und einladend bleibt. Die Fürsorge ist pragmatisch, unaufgeregt – und sichtbar.

Istanbuls berühmte Katzen

Einige Katzen wurden zu lokalen Berühmtheiten. Eine davon war Tombili, dessen Foto – lässig am Bordstein hingegossen, als wäre er in Gedanken versunken – im Netz viral ging. Nach seinem Tod errichteten Anwohner ihm zu Ehren eine Statue; sie ist seither zu einem kleinen Stadtzeichen geworden.

Es gab auch eine Katze namens Gli. Sie lebte in der Hagia Sophia und war jedem Besucher ein Begriff. Selbst bei offiziellen Besuchen spazierte sie gelassen durch das Gebäude. Als sie starb, schrieben Tausende in sozialen Medien darüber, und die Behörden sagten zu, ihr Andenken zu bewahren.

Ein Film über Istanbuls Katzen

Es gibt sogar einen Film über ihr Leben. Er heißt Kedi und erzählt die Geschichten von sieben Straßenkatzen und den Menschen, die sich um sie kümmern. Zuschauer weltweit nahmen ihn an – er zeigt, wie Tiere Teil des Alltags in einer Großstadt werden.

Was das alles bedeutet

In Istanbul sind Katzen mehr als flauschige Passanten; sie sind Teil der Stadtkultur. Die Menschen leben nicht nur neben den Tieren, sie kümmern sich um sie, begegnen ihnen mit Respekt und sind mitunter sogar stolz auf sie. Die vielen kleinen Alltagsszenen, in denen Mensch und Katze die Straße teilen, verleihen dem Ort eine besondere Atmosphäre – und dieser leise Pakt zwischen Bewohnern und ihren schnurrbärtigen Nachbarn trägt dazu bei, dass die Stadt auf besondere Weise einladend wirkt.