13:27 26-11-2025
Gefährliche Reiseziele: von Everest bis Death Valley
Entdecke Extremreisen: die gefährlichsten Reiseziele von Everest und Tschernobyl bis Amazonas, Death Valley und Great Blue Hole – Fakten, Risiken, Tipps.
Während viele Reisende Sonne und Sand suchen, entscheiden sich andere bewusst für Orte, an denen Risiko kein Makel, sondern Teil des Plans ist. Die Jagd nach Erfahrungen, die dicht an der Gefahr entlangführen, ist zur eigenen Urlaubsform geworden. Immer mehr Menschen tauschen Komfort gegen Adrenalinschübe – und die Karte solcher Routen ist weit: von brennenden Wüsten bis zu vereisten Pässen, von radioaktiven Zonen bis zu Unterwasserhöhlen. Man spürt, wie sich das Verständnis vom Reisen verschiebt: Unmittelbarkeit schlägt Bequemlichkeit.
Everest: ein Gipfel, an dem Adrenalin neben dem Tod verläuft
Wenn es um den Gipfel des Extremtourismus geht, steht der Everest nicht zufällig ganz oben. Der höchste Punkt der Erde befeuert seit Langem die Ambitionen Tausender – obwohl der Weg dorthin voller realer Gefahren liegt. Höhenkrankheit, Lawinen, abrupte Wetterumschwünge und Staus an schmalen Graten gehören zur Route. 2023 versuchten mehr als tausend Menschen den Aufstieg, rund 600 standen auf dem Gipfel, 12 kamen ums Leben. Auch der Preis ist steil: im Schnitt rund $100.000.
Tschernobyl: Tourismus im Schatten der Katastrophe
Die gespenstische Stille der Sperrzone zieht weiterhin Besucher aus aller Welt an. Seit die Serie Tschernobyl die Katastrophe erneut ins Rampenlicht rückte, wuchsen die Besucherströme: 2024 kamen mehr als 100.000 Menschen, und seit 2022 stiegen die Zahlen um 20 %. Reiseanbieter betonen, dass die Strahlung in kontrollierten Bereichen als sicher gilt, sofern man die Anweisungen befolgt. Offenbar genügt der Reiz, Geschichte an ihrem Ursprungsort zu spüren.
Kamtschatka: rohe Natur am Ende der Welt
Die Halbinsel Kamtschatka bietet spektakuläre Landschaften und zählt zugleich zu den unzugänglichsten Ecken Russlands. Geysire, aktive Vulkane, Bären und in weiten Teilen so gut wie keine Mobilfunkabdeckung sind hier der Normalzustand. Die Natur ist großartig – und launisch: vulkanische Emissionen, heftige Temperatursprünge und Lawinen sind keine Seltenheit. Dennoch lockt jede Saison neue Besucher, die sich weder von der Logistik noch vom Risiko abschrecken lassen.
Der Amazonas: wild, unberechenbar, unwiderstehlich
Der Amazonas ist nicht nur ein grüner Ozean aus Blättern, sondern ein echter Härtetest. Giftige Tiere, aggressive Insekten und Krankheiten wie Malaria und Dengue gehören zur Realität. Touristen sind oft vollständig auf die Ortskenntnis lokaler Guides angewiesen. Das Interesse steigt dennoch: Für 2025 wird ein Plus von 10 % erwartet. Wer hier reist, entscheidet sich bewusst für Unvorhersehbares.
Boliviens Todesstraße: kein Platz für Fehler
Offiziell Yungas-Straße genannt, ist sie seit Langem schlicht als Todesstraße bekannt. Diese schmale, etwa 60 Kilometer lange Serpentine verbindet Boliviens Hauptstadt La Paz mit den Yungas-Tiefländern. Jahrzehntelang starben hier jedes Jahr Hunderte – vom Busfahrer bis zum waghalsigen Radler. Trotz der Risiken wurde die Strecke seit den 2000er-Jahren zum Magneten für Mountainbiker.
Death Valley: ein glühender Nationalpark
Kaliforniens Death Valley zählt zu den heißesten Orten der Erde. Trotz Sommertemperaturen von über 54 °C besuchen jährlich rund 1,5 Millionen Menschen das Tal. Der Reiz liegt auf der Hand: Salzpfannen, Dünen und farbige Canyons. Doch die Natur gibt den Takt vor – Dehydrierung, Hitzschlag und Pannen können den Ausflug zum Überlebenskampf machen. Ranger retten regelmäßig Besucher, manchmal kommt Hilfe jedoch zu spät. Die Landschaft belohnt – aber sie verhandelt nicht.
Das Great Blue Hole: die Anziehung der Tiefe
Vor der Küste von Belize liegt ein Naturwunder: das Great Blue Hole, eines der begehrtesten Ziele für Taucher. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Besucher um 25 %. Unterwasserhöhlen, Stalaktiten und glasklares Wasser machen den Reiz aus. Für Anfänger ist es dennoch nichts: starke Strömungen, gefährliche Druckwechsel und die Gefahr, die Orientierung zu verlieren, machen den Tauchgang zur Prüfung.
Was bedeutet das unterm Strich?
Extremreisen sind längst aus der Nische herausgewachsen. Immer mehr Menschen sind bereit, Risiken einzugehen, um sich wirklich lebendig zu fühlen – auf dem Gletscher, im Dschungel oder zwischen radioaktiven Ruinen. Dahinter steckt zum Teil der Wunsch, sich selbst zu testen, und zum Teil die Suche nach Erlebnissen, die kein All-inclusive bieten kann.
So ähnelt die Weltkarte für Wagemutige immer stärker einer Überlebenskarte. WLAN-Zonen oder Drinks mit Schirmchen gibt es hier nicht – dafür andere Bezugspunkte: der Atem eines Vulkans, das Brüllen eines Bären oder die Brandung, deren Donner eine tödliche Gefahr übertönen kann. Und doch kehren die Menschen immer wieder zurück.