01:16 26-11-2025
Triora: Geschichte der Hexenprozesse, Museum und Strigora-Fest
Triora in Ligurien gilt als Dorf der Hexen: Erfahren Sie die Geschichte der Hexenprozesse, besuchen Sie das Museum und das Strigora-Fest. Ein stiller Ort.
Zwischen Bergen und grünen Hängen Liguriens im Norden Italiens liegt ein kleines Dorf mit ungewöhnlicher Vergangenheit. Triora war einst geprägt vom Glauben an Hexen, von Verhören und einer sehr realen Jagd auf Frauen, denen jedes Unglück zugeschrieben wurde. Heute gilt es oft als Dorf der Hexen und steht sinnbildlich für ein tragisches, zugleich aufschlussreiches Kapitel der italienischen Geschichte.
Hunger, Angst und Anschuldigungen
Begonnen hat alles 1587. Die Ernten schlugen fehl, Lebensmittel wurden knapp, Krankheiten griffen um sich. Die Bewohner suchten nach Schuldigen. Rasch richteten sich die Vorwürfe gegen Frauen, die abseits lebten, mit Kräutern arbeiteten, heilten und lokale Riten bewahrten.
Es folgte Panik. Frauen wurden festgenommen, verhört und der Zauberei bezichtigt. Ortsobrigkeit und Kirche griffen ein, faktisch setzten Hexenprozesse ein. Unter Folter gestanden Frauen Dinge, die sie nicht getan hatten. Einige starben in Haft. Über zwei Jahre hinweg trafen Dutzende die Anschuldigungen. Vor dem Hintergrund von Armut und Furcht wurde Misstrauen zu Verfolgung — ein düster vertrautes Muster, wenn Krise auf Gerücht trifft.
Was heute bleibt
Mehr als 400 Jahre später bewahrt Triora diese Ereignisse mit Sorgfalt. Das Dorf betreibt ein Hexenmuseum, in dem historische Objekte, Dokumente und Berichte aus jener Zeit zu sehen sind. Es eröffnet einen Blick darauf, wie die Menschen damals lebten und warum es so weit kam.
Das Museum zielt nicht auf Schreckmomente, sondern lädt zum Innehalten ein. Es erzählt die Vergangenheit ungeschönt und erinnert daran, dass Anschuldigungen ohne Beleg in schweren Zeiten besonders gefährlich werden.
Strigora-Fest — eine Feier mit Geschichte
Jeden Sommer richtet Triora das lebhafte Strigora-Fest aus. Die Gassen füllen sich mit Ständen für regionale Speisen und Souvenirs, dazu kommen Workshops, Straßendarbietungen und Umzüge in Kostümen. Es ist kein Hexensabbat im wörtlichen Sinn, sondern ein Fest der lokalen Kultur, das zeigt, wie selbst eine dunkle Geschichte Teil eines gemeinsamen Gedächtnisses werden und Menschen zusammenführen kann.
Warum es zählt
Heute ist Triora ein stiller Ort aus Steinhäusern und schmalen Gassen. Besucher kommen nicht wegen des Lärms, sondern wegen Atmosphäre und Geschichte. Manche finden, das Dorf verdiene einen Platz auf Kulturdenkmalslisten, denn es führt vor Augen, wie Angst und Vorurteil zu folgenschweren Fehlentscheidungen führen können.
Die Geschichte von Triora ist weder Fiktion noch Legende. Sie ist eine Realität, die im Gedächtnis bleiben sollte. Und selbst wenn Italien nicht auf der eigenen Reiseroute steht, schärft dieser Rückblick den Blick dafür, wie wichtig es ist, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.