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Wachtürme an der Amalfiküste: Ursprung, Funktion und heutige Bedeutung

Entdecke die Wachtürme der Amalfiküste: Geschichte der Sarazenentürme, ihr Warnsystem und ihre Bauformen. Tipps zu Amalfi, Positano, Maiori und Besuch.

By Bernard Gagnon - Own work, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=154787540

Wer Fotos der Amalfiküste betrachtet, bleibt meist an Farbtupfern, steilen Felsen, dem Meer und Zitronen hängen. Mitten in dieser Schönheit stehen jedoch uralte Steintürme. Sie wirken, als seien sie direkt aus dem Fels gewachsen – heute eins mit der Landschaft, obwohl sie einst eine ganz andere Aufgabe hatten: die Menschen vor Feinden zu schützen, die vom Meer kamen.

Warum diese Türme entstanden

Viele Jahrhunderte lang – grob vom 9. bis zum 16. – waren Küstenorte wie Amalfi, Positano und Maiori leichte Beute für Piraten. Sie legten mit Schiffen an, plünderten Häuser und verschleppten Menschen. Die Bewohner brauchten Schutz, und so wuchsen entlang der Küste Wachtürme in die Höhe.

Oft werden sie Sarazenentürme genannt. Mit dem Bau hatten die Sarazenen – ein mittelalterlicher Begriff für muslimische Piraten – allerdings nichts zu tun; die Türme sollten die Gemeinden gerade vor diesen Angreifern schützen.

Wie das System funktionierte

Die Türme standen auf exponierten Punkten – auf Klippen, Hügeln und Landspitzen – so platziert, dass jeder den nächsten sehen konnte. Tauchten am Horizont Schiffe auf, entzündeten die Wächter Feuer, ließen Rauch aufsteigen oder läuteten eine Glocke. Das Signal lief die Küste entlang und verschaffte den Bewohnern Zeit, sich zu verstecken oder sich auf Ärger gefasst zu machen.

Gebaut wurden sie für die Ewigkeit: mit dicken Mauern, schmalen Öffnungen und teils mit Vorräten an Nahrung und Wasser, um mehrere Tage im Inneren ausharren zu können.

Wie die Türme aussahen

Kein Turm glich dem anderen. Manche waren rund, andere quadratisch oder sogar achteckig – Formen, die ihre Bauzeit und die Handschrift lokaler Baumeister widerspiegeln. In Maiori wirkt die Torre Normanna noch immer wehrhaft, auf einem Felsen direkt am Wasser verankert. In Positano hat die Torre Fornillo gut überdauert und prägt heute die Uferlinie.

Einige wurden zu privaten Wohnhäusern, Museen oder sogar Hotels umgebaut. Andere stehen verlassen da und bröckeln langsam unter Sträuchern und Gras.

Was sie heute sind

Viele dieser Türme lassen sich bis heute entdecken – besonders, wenn man die Küste mit dem Auto oder per Boot entlangfährt. Manche Orte binden sie sogar in Führungen ein, holen die Vergangenheit an die Oberfläche und zeigen sie Besuchern.

Sie erinnern leise daran, dass das Leben am Meer nicht immer friedlich war. Früher fürchtete man weniger den Sturm als die Piraten. Und noch heute stehen die Türme da, blicken aufs Wasser hinaus – als warteten sie darauf, dass erneut ein Warnsignal die Küste entlangläuft.