13:29 24-11-2025

Zikaden in Australien: warum dich im Sommer ein feiner Niesel trifft

In Australien nieselt es ohne Wolken: Zikaden scheiden überschüssiges Wasser aus. Erfahre, warum das Phänomen 2024 stark ist – und wie du trocken bleibst.

By The Great Knife - Own work, CC BY-SA 4.0, Link

Stell dir vor: Du schlenderst eine schattige Allee entlang, der Himmel wolkenlos – und plötzlich treffen dich Tropfen. Du schaust nach oben: kein Regen, keine Sprinkler, keine Scherzkekse. Und doch wirst du nass. In Australien gibt es dafür eine verblüffend einfache Erklärung: Zikaden.

Was passiert da eigentlich?

Jeder australische Sommer bringt eine Wand aus Klang, wenn Zikaden erwachen und ihr unermüdliches Konzert beginnen. Weniger bekannt ist, dass die Insekten auch jene benetzen können, die unter Bäumen verweilen.

Bewohner mancher Gegenden bemerkten an heißen Tagen, dass unter dichtem Laub ein feines, unverkennbares Prasseln auf den Kopf fällt. Es ist weder Bewässerung noch Einbildung. Die Feuchtigkeit stammt von den Zikaden selbst.

Warum tun Zikaden das?

Die Logik ist simpel: Zikaden trinken viel. Sie ernähren sich von Baumsäften, die größtenteils aus Wasser bestehen. Um an die wenigen Nährstoffe zu kommen, nehmen sie große Flüssigkeitsmengen auf – und scheiden den Überschuss wieder aus. Im Grunde funktionieren sie wie kleine Druckventile, die ablassen, was der Körper nicht benötigt.

Forscher haben sogar die Kraft dieses Ausstoßes gemessen: Die feinen Strahlen können mit bis zu 3 Metern pro Sekunde austreten. Für Menschen am Boden fühlt es sich an wie ein leichtes, aber spürbares Nieseln aus der Baumkrone.

Überraschte Anwohner – und ein Schuss Humor

In Sydney und nahegelegenen Vororten fiel dieses seltsame Duscherlebnis gegen Ende des Jahres 2024 vermehrt auf. Anfangs rätselten viele. Manche vermuteten versteckte Sprinkler, andere glaubten an einen kurzen Sonnenschauer. Dann ließ sich das Muster kaum übersehen: Die Quelle waren die Zikaden, die an den Ästen über den Köpfen klebten.

Clips des Phänomens verbreiteten sich rasant in den sozialen Medien. Die Reaktionen reichten von amüsiert bis leicht angewidert, doch der Kern blieb eindeutig: In Australien kommt, was wie Regen wirkt, nicht immer aus Wolken. Ist der Auslöser erst einmal bekannt, verschiebt sich das Gefühl schnell – vom Ärgernis hin zu einer merkwürdig faszinierenden Naturbeobachtung.

Warum gerade jetzt?

Die Zikadensaison 2024 fällt besonders intensiv aus. Fachleute verweisen auf mehrere Jahre günstiger Bedingungen – reichlich Regen und milde Winter. Die Folge: ein deutlicher Anstieg der Zikadenzahlen, lautere Tage, längere Chöre und mehr Überraschungsschauer unter den Bäumen.

Ihren Höhepunkt erreicht die Aktivität meist vom späten Frühling bis in den frühen Sommer, grob zwischen November und Dezember. In dieser Zeit überlegt man es sich zweimal, ob man unter dichtem Blätterdach verweilt – zumindest, wenn man trocken bleiben möchte.

Ist das schädlich?

Nein. Forschende betonen, dass die von Zikaden ausgeschiedene Flüssigkeit harmlos ist. Sie riecht nicht, hinterlässt keine Flecken und verdunstet schnell. Es handelt sich nicht um Schmutz – lediglich um Wasser, das die Tiere nicht verwerten können.

Sogar ein kleiner Vorteil ist drin: Die zusätzliche Feuchte kann Baumoberflächen leicht anfeuchten und die Luft ringsum etwas weniger trocken wirken lassen. Für die Wissenschaft eröffnet sich außerdem eine elegante Gelegenheit zu beobachten, wie winzige Körper ein großes Wasserplus so effizient managen.

Bleibt das so?

Wenn Australiens Wetter den Zikaden weiterhin in die Karten spielt, ist das durchaus möglich. Fachleute halten es für denkbar, dass dieser insektengemachte Niesel während der Hochsaison zum gewohnten Bild wird.

Wer also im australischen Sommer ein paar Tropfen spürt, sollte nicht nur den Himmel absuchen, sondern auch die Zweige. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es kein kurzer Schauer ist – sondern Zikaden, die einfach tun, was Zikaden tun.