13:32 23-11-2025

Der Tierfriedhof von Berenike: Katzen, Hunde, Affen und Kälber

Archäologinnen entdecken in Berenike am Roten Meer einen 2000 Jahre alten Tierfriedhof: Katzen, Hunde, Affen und Kälber – Belege für Fürsorge und Handel.

By Marsupium - Own work, CC BY 4.0, Link

Unweit des Roten Meeres, im Wüstensand Ägyptens, haben Archäologinnen und Archäologen einen ungewöhnlichen Friedhof freigelegt – nicht für Menschen oder Herrscher, sondern für Tiere: Katzen, Hunde, Affen und sogar Kälber. Nahezu 600 Bestattungen, jede eine Spur von Fürsorge, Bindung und Trauer. Die Fundstelle liegt im antiken Hafen von Berenike, einem zentralen Drehkreuz des Handels zwischen Ägypten, Indien und Rom.

Wo es gefunden wurde

Berenike war ein Tor, durch das Gewürze, Textilien, Schmuck – und Tiere – nach Ägypten und weiter in die römische Welt gelangten. Seit über einem Jahrzehnt untersuchen polnische Archäologinnen und Archäologen das Areal rund um den Hafen. In den letzten Jahren förderte ihre Arbeit Erstaunliches zutage: ein kleines Stück Boden, das sich als vollwertiger Tierfriedhof erwies, der vor rund zweitausend Jahren in Nutzung war.

Mehr als nur Tiere

Archäologinnen und Archäologen dokumentierten mehr als 580 Bestattungen. Die meisten waren Katzen, doch auch Hunde fanden sich, sowie etwa 200 Affen. Es handelte sich nicht um weggeworfene Reste, sondern um echte Gräber. Die Tiere wurden behutsam auf die Seite gelegt, als würden sie schlafen. Sie waren in Textilien gehüllt, mit Deckenfragmenten abgedeckt und mit Muscheln, Seilstücken und Amphorenscherben begleitet. Einige trugen sogar Halsbänder.

Gepflegte Affen

Besonders berührend wirken die Affengräber. Diese Makaken waren über den Hafen aus Indien gebracht worden. Man kümmerte sich um sie: behandelte sie, fütterte sie und trug sie möglicherweise auf dem Arm. Ihre Knochen zeigen verheilte Verletzungen – ein stiller Beleg dafür, dass ihnen jemand geduldig Zeit und Pflege widmete.

Und die Kälber?

Vor Kurzem kamen zwei Kälber zutage. Eines war mit rotem Ocker bedeckt – damals in Ritualen gebräuchlich –, das andere teilweise mit einer Amphorenscherbe abgedeckt. Vielleicht waren sie Teil eines Ritus, vielleicht auch schlicht Tiere, die jemand liebte. Sicher lässt sich das noch nicht sagen, doch beide Gräber wurden erkennbar mit Bedacht angelegt.

Woher kamen die Affen?

Die Affen von Berenike waren nicht heimisch; sie wurden aus Indien importiert. Schon das unterstreicht, wie rege der ägyptische Handel damals war. Auffällig ist noch etwas: Tiere, die von weit her kamen, wurden nicht nur gekauft, sondern wie Gefährten behandelt – nicht als Kuriositäten oder bloße Statussymbole, sondern als Lebewesen, die Menschen nahestanden.

Ein Friedhof zwischen Tempel und Abfallplatz

Ein Detail sticht hervor: Der Friedhof lag zwischen einem Areal, das an einen Tempel erinnert, und einer Fläche, die als Müllablage diente. Eine Begegnung des Heiligen mit dem Alltäglichen. Für die Menschen damals dürfte es naheliegend gewesen sein, neben den Routinen des Tages zu leben, zu trauern und zu erinnern.

Warum das wichtig ist

Oft gilt die Zuneigung zu Tieren als Erfindung der Moderne, früher habe man sie nur als Objekte oder Embleme betrachtet. Berenike spricht dagegen. Menschen knüpften Bindungen, trauerten, nahmen Abschied – und wollten Spuren hinterlassen: mal in einem Stofffetzen, mal in einer Muschel neben einer Pfote, mal in einer stillen Schlafpose.