05:35 20-11-2025
Aride, Seychellen: Wie Riesenschildkröten das Comeback von Wrights Gardenie antreiben
Auf Aride (Seychellen) erlebt Wrights Gardenie dank Aldabra-Riesenschildkröten ein Comeback: mehr Feuchtigkeit, neue Keimlinge, wachsende Vielfalt vor Ort.
Auf einer kleinen Insel im Indischen Ozean läuft eine echte Rückkehr an. Hier fasst ein äußerst seltener Baum, der fast verschwunden war, wieder Fuß – mit überraschender Hilfe von Riesenschildkröten.
Eine kleine Insel mit großer Geschichte
Die Insel Aride gehört zu den kleinsten der Seychellen. So kompakt sie ist, so groß ist ihr Wert für die Natur. Sie ist der einzige Ort in freier Wildbahn, an dem Wrights Gardenie wächst – ein eleganter Baum mit weißen Blüten, den es sonst nirgends auf der Welt gibt. Einst fast ausgerottet, gewinnt er nun wieder an Boden.
Gigantische Helfer
Vor einigen Jahren wurden Aldabra-Riesenschildkröten auf Aride angesiedelt. Diese großen, sanften Tiere hatten zuvor nicht auf der Insel gelebt. Fachleute gingen davon aus, dass Schildkröten, die auf anderen Inseln ganze Ökosysteme stützen, auch hier eine ähnliche Rolle übernehmen könnten.
Die Wette ging auf. Die Tiere fressen Früchte und verbreiten die Samen über die ganze Insel – daraus entstehen neue Keimlinge. Außerdem graben sie kleine Mulden, in denen sich Regenwasser sammelt: natürliche Wasserspeicher. Diese Feuchtigkeit hilft Pflanzen und verschafft Insekten, Vögeln und anderen Tieren dringend benötigten Rückhalt.
Eine neue Generation von Schildkröten
Im Frühjahr 2025 wurden weitere 50 junge Schildkröten, in einem spezialisierten Zentrum aufgezogen, nach Aride gebracht. Mit der wachsenden Population beschleunigt sich die Erholung der Insel. Das Muster ist simpel: je mehr Schildkröten, desto aktiver die Erneuerung.
Die Bäume kommen zurück
Die Ergebnisse ließen nicht lange auf sich warten. 2025 zählten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fast 3.000 Exemplare von Wrights Gardenie auf der Insel – rund tausend mehr als noch vor wenigen Jahren. Noch aussagekräftiger: Überall treiben kleine Keimlinge. Das zeigt, dass sich die Art ohne menschliches Zutun wieder selbst verjüngt.
Anderswo sind Versuche, diese Gardenie anzusiedeln, weitgehend gescheitert. Nur Aride bietet die Bedingungen, unter denen sie wirklich gedeiht – deshalb fällt der Fortschritt hier als echter Erfolg ins Auge.
Wie alles ineinandergreift
Aride funktioniert wie ein lebendiges System, in dem alles zusammenhängt. Schildkröten helfen den Bäumen; die Bäume stützen andere Pflanzen; die üppiger werdende Vegetation trägt Insekten und Vögel. Seit dem Eintreffen der Schildkröten registrieren Forschende mehr Feuchtigkeit und größere Vielfalt. Die Natur der Insel kommt wieder in Schwung – ein Wandel, der fragil wirkt und zugleich überraschend hoffnungsvoll.
Wie geht es weiter?
Der Kurs stimmt vorerst, doch wachsame Begleitung bleibt entscheidend. Trotz ihres Comebacks ist Wrights Gardenie weiterhin gefährdet. Ein sich veränderndes Klima oder die Ausbreitung schädlicher Pflanzen könnte die Fortschritte rasch untergraben.
Wichtig ist vor allem, der Natur Raum zur Erholung zu lassen. Menschen haben einen Anstoß gegeben, den Rest erledigt das Ökosystem. Die Riesenschildkröten erinnern leise daran, dass Rettung Seltenen nicht immer Hightech braucht – manchmal reicht es, einen Schritt zurückzutreten und die Natur arbeiten zu lassen.