01:26 19-11-2025
Als in Edinburgh ein Elefant über einer Bäckerei wohnte
1705 hielt ein Schausteller in Edinburghs Fishmarket Close einen indischen Elefanten über einer Bäckerei. Wie es dazu kam und warum die Episode noch bewegt.
Wenn Sie je dachten, Ihre Nachbarn seien seltsam, warten Sie ab, wer 1705 in Edinburgh eine Etage über einem Bäcker lebte. Ja, ein echter Indischer Elefant – riesig, laut und, wie sich zeigte, ein höchst unpraktischer Nachbar.
Öfen unten, Elefant oben
Im November 1705 reichte der örtliche Bäcker Adam Kerr beim Stadtgericht Beschwerde ein. Er erklärte, ein Mann namens Abraham Sever halte über der Backstube einen Elefanten. Dem Schreiben zufolge verschüttete das Tier ständig Wasser und hinterließ Kot, der in die Bäckerei durchsickerte. Decke, Öfen und Laibe litten darunter. Man mag kaum Teig kneten, während über einem ein Elefant wohnt.
Der Vorfall ereignete sich in der Fishmarket Close, im alten Zentrum von Edinburgh. Es war ein Wohnhaus, und niemand rechnete mit einem riesigen Untermieter aus Indien.
Wie kam ein Elefant nach Edinburgh?
Es stellt sich heraus, dass derselbe Abraham Sever den Elefanten hergebracht hatte. Er plante, das Tier einem zahlenden Publikum vorzuführen. Er wandte sich sogar an den Stadtrat und erhielt offiziell die Erlaubnis für solche Schauvorstellungen, unter der Auflage, dass ein Teil der Einnahmen den Armen zugutekomme.
Damals war es en vogue, mit exotischen Tieren – Affen, Löwen, Elefanten – durch Europa zu reisen. Die Leute zahlten gern, um sie zu sehen. Kaum jemand fragte, wo diese Kreaturen zwischen den Auftritten untergebracht waren.
Was wurde aus dem Elefanten?
Einige Monate später, im Frühjahr 1706, wurde der Elefant bei einer Darbietung in einer anderen schottischen Stadt gesehen, im Hamilton Palace, vor einer Herzogin. Danach reiste er weiter nach Norden und starb, so meinen Historiker, in der Gegend von Broughty Ferry bei Dundee. Damit endete seine schottische Reise.
Was aus der Beschwerde des Bäckers wurde, bleibt unklar. Vielleicht zog der Elefant einfach weiter, und mit ihm verschwand das Problem; Aufzeichnungen über Entschädigungen oder Bußgelder existieren nicht.
Warum das zählt
Das ist mehr als eine skurrile Geschichte. Sie zeichnet ein Bild einer Stadt vor drei Jahrhunderten – ohne moderne Auflagen, mit unwahrscheinlichen Nachbarn und kaum Grenzen dafür, was man zu Hause halten konnte. Heute wäre das undenkbar; damals war es ein weiterer Tag in Edinburgh.
Wer heute die Fishmarket Close hinuntergeht, kann sich schwer vorstellen, dass dort einst ein lebender Elefant logierte. Doch die Archive halten fest, dass es so war. Und wenn Nachbarn einen gelegentlich wachhalten, dann immerhin nicht, weil Wasser – und Kot – durch die Decke sickert.