03:19 10-01-2026
Elfstedentocht: der niederländische Eismarathon zwischen Tradition und Klima
Elfstedentocht erklärt: das legendäre Eislaufrennen über 200 km durch 11 Städte in Friesland – Geschichte, Klima und die Hoffnung auf ein Comeback bald.
Jeden Winter taucht in den Niederlanden ein ganz besonderes Rennen wieder in der nationalen Debatte auf – ein Thema, das die Sehnsucht zuverlässig weckt. Der Elfstedentocht, ein Marathon, der seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr stattgefunden hat, weil er auf seltene, ideale Witterung angewiesen ist: einen echten Kälteeinbruch. Und doch halten die Niederländer daran fest, dass das Eis eines Tages wieder trägt und das Rennen zurückkehrt.
Was ist das für ein Rennen?
Elfstedentocht bedeutet so viel wie Tour der Elf Städte. Die Strecke erstreckt sich über knapp 200 Kilometer über zugefrorene Kanäle und Flüsse in der nördlichen Provinz Friesland. Gestartet wird in Leeuwarden, dort ist auch das Ziel – dazwischen liegen zehn weitere Städte.
Das Ereignis bringt Spitzenathletinnen und -athleten ebenso zusammen wie Alltagsbegeisterte. Doch selbst gute Vorbereitung und eine Startberechtigung reichen nicht. Entscheidend ist, ob der Winter mitspielt.
Warum findet es so selten statt?
Damit der Elfstedentocht stattfinden kann, muss das Eis überall auf der Strecke dick genug sein – mindestens 15 Zentimeter. Solche Bedingungen gibt es nicht in jedem Winter. Seit 1909 wurde das Rennen nur 15 Mal ausgetragen, zuletzt 1997.
In den milderen Wintern der Gegenwart sind die Voraussetzungen rar. Selbst einige Tage Frost reichen oft nicht, um die gesamte Strecke tragfähig zufrieren zu lassen.
Das Klima bremst – die Hoffnung bleibt
Mit jedem Jahr wird das Warten intensiver. Die Winter in den Niederlanden sind nicht mehr so kalt wie früher, in den vergangenen Jahrzehnten waren die nötigen Wetterlagen selten. Man spürt, wie sehr hier Tradition und Wetterlagen miteinander ringen.
Trotzdem geben die Organisatoren nicht auf. Auf der offiziellen Elfstedentocht-Website sind Strecke und Geschichte beschrieben, der zuständige Verband beobachtet jedes Jahr die Witterung. Sollte eine echte Kälteperiode anrücken, würde der Start rechtzeitig angekündigt – und das ganze Land wäre wieder dabei.
Warum bedeutet es den Niederlanden so viel?
Für die Niederländer ist der Elfstedentocht mehr als ein Eislaufwettbewerb – er ist ein nationales Ereignis. Es ist schwer, sich dieser Faszination zu entziehen. Wenn das Eis als bereit gilt und der Start ausgerufen wird, hält das Land inne. Menschen nehmen sich frei, Schulen schließen, und die Zuschauer verfolgen die Läuferinnen und Läufer am Fernseher. Entlang der Strecke verteilen Tausende Unterstützer heiße Getränke und verwandeln den Kurs in ein Fest.
Die denkwürdigsten Austragungen
Die Geschichte des Rennens ist reich an eindrücklichen Kapiteln. 1963 zwangen brutale Kälte und starker Wind fast alle zur Aufgabe: Von 10.000 Teilnehmenden erreichten nur 69 das Ziel. Diese Ausgabe gilt bis heute als Höllenfahrt. 1985 hingegen blieb das Wetter ruhig, und Tausende kamen ohne größere Probleme ins Ziel. Solche Momente machen den Mythos aus.
Wie geht es weiter?
Ob der Elfstedentocht noch einmal über das Eis führt, ist offen. Wissenschaftler und Meteorologen stellen fest, dass bitterkalte Winter wie früher seltener werden. Dennoch hoffen Organisatoren und Tausende Fans auf ein Wetterfenster, auf tragendes Eis – und auf den Moment, in dem die ersehnte Startmeldung durchs Land geht.