17:20 04-01-2026

Fasnacht in Appenzell: Masken, Glocken und Botzerössli

Erlebe die Appenzeller Fasnacht in der Schweiz: leiser Karneval mit Masken, Glocken, Botzerössli und Guggenmusik. Termine 2026, lokale Tipps und Tradition.

By Armineaghayan - Own work, CC BY-SA 4.0, Link

In einer der malerischsten Ecken der Schweiz, der Region Appenzell, kehrt Jahr für Jahr eine besondere Winterfeier zurück: die Fasnacht. Es ist ein Karneval, jedoch ganz anders, als man ihn sich gemeinhin vorstellt. Keine grellen Shows, keine lärmenden Massen, kein Feuerwerk. Stattdessen Schnee, geschnitzte Holzmasken, der Klang von Glocken und eine Tradition, die über Generationen weitergegeben wird. Schon nach wenigen Minuten wirkt alles erstaunlich nahbar.

Was ist die Fasnacht?

Die Fasnacht ist ein altes Schweizer Fest vor Beginn der Fastenzeit. Man könnte sie mit der Maslenitsa oder anderen Karnevalsfeiern vergleichen, doch in Appenzell entfaltet sie sich auf eigene Weise – leise, schön und mit spürbarem Respekt vor dem Brauch.

Während die Basler Fasnacht ein großes Stadtspektakel ist, bleibt die Appenzeller Feier eine lokale Angelegenheit, die ihre wohnliche, familiäre Atmosphäre bewahrt. Hier geschieht alles für die Menschen vor Ort – und für jene, die den wirklichen Geist der Schweiz suchen, statt nur Bilder zu sammeln.

Wie beginnt sie?

Der erste Schlüsselmoment ist das Ommetrommere: Am Vorabend des Schmutzigen Donnerstags – dem letzten Donnerstag vor der Fastenzeit – ziehen Tambouren über den zentralen Platz. Sie geben den Takt vor und signalisieren, dass es losgeht.

Am Samstag folgt der Haupttag, der Faschnedsamstig, an dem der ganze Ort erwacht. Menschen setzen Masken auf, schlüpfen in Kostüme und füllen die Gassen. Es wirkt weniger wie ein Event und mehr wie ein vertrautes Ritual.

Kleine Pferde und der Klang der Glocken

Das prägnanteste Bild der Appenzeller Fasnacht ist das Botzerössli. Dabei tragen die Mitwirkenden hölzerne Pferdefiguren um die Taille, sodass es aussieht, als würden sie durch die Straßen galoppieren. Begleitet werden sie von Trommeln und dem hellen Klang der Glocken, der sich durch den ganzen Ort zieht.

Kinder und Erwachsene bereiten ihre Gewänder frühzeitig vor und üben die Bewegungen, damit alles stimmig und im Fluss wirkt. Es ist nicht bloß Unterhaltung, sondern gelebte lokale Kultur.

Musik, Masken und eine eigene Stimmung

Die Straßen füllt Musik der örtlichen Bläsergruppe, der Guggenmusik. Ihr Klang ist so charakteristisch, dass man ihn, einmal gehört, sofort wiedererkennt.

Und dann sind da die Masken. Nicht wie beim brasilianischen Karneval: Hier sind sie geschnitzt oder aus Stoff gefertigt, oft in zurückhaltenden Farben. Manchmal unheimlich, manchmal komisch, manchmal einfach eigen – jede trägt ihre Geschichte. Glocken gehören zwingend dazu: am Gürtel oder am Hut befestigt, klingen sie bei jedem Schritt und schaffen eine Klangwelt, die nicht laut ist, aber lebendig.

Warum es sich hier anders anfühlt

Appenzell ist keine Großstadt, sondern eine behagliche Alpenlandschaft. Schnee, Stille und Berge rahmen das Fest – und diese Kulisse verändert die Erfahrung. Man fühlt sich weniger als Zuschauerin oder Zuschauer, sondern als Teil von etwas Echtem.

Es wirkt wie eine Szene aus einem Bilderbuch: weißer Schnee, Menschen in Tracht, Glockenklang und eine Freude, die nichts beweisen muss und gerade dadurch ehrlich erscheint.

Wer alles möglich macht

Organisiert wird das Fest von den Menschen vor Ort. Einer der Hauptakteure ist der Fasnachtsverein Appenzell, ein Verein, der Termine, Umzüge und die Gesamtausrichtung koordiniert. Er veröffentlicht Daten, Routen und Hinweise für alle, die mitmachen oder einfach zuschauen möchten.

Im Jahr 2026 kehrt die Feier im Februar zurück. Die aktuellen Daten und das Programm sind bereits über den Verein abrufbar.

Wenn Sie es selbst erleben möchten

Wer kommen will, reist am besten mit offenem Herzen an. Mitmachen ist kein Muss – es genügt, da zu sein, den Trommelschlag zu hören und die Wärme der lokalen Tradition zu spüren. Dieses Fest ist nicht zum Abhaken oder für den perfekten Feed gedacht. Es geht um Menschen, um Geschichte und um den Winter, der in Appenzell seinen ganz eigenen Klang hat.