17:31 03-01-2026

Gibt es noch Dörfer, die im Winter am Feuer erzählen?

Auf der Suche nach Dörfern, in denen Menschen im Winter am Feuer Geschichten erzählen: Ein Blick nach Skandinavien und Osteuropa – von Sagobygden bis Skellefteå.

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Ist es im Herzen des Winters möglich, einen Ort zu finden, an dem Menschen noch am Feuer sitzen und alte Geschichten weiterreichen? Solche Dörfer gibt es in Skandinavien und Osteuropa noch.

Märchenorte – gibt es sie wirklich?

Die Vorstellung von einem Dorf, in dem sich Menschen an langen Winterabenden um eine Feuerstelle versammeln, klingt wie ein Traum. Vor allem dort, wo der Winter lange anhält und Folklore zum Alltag gehört. Gesucht wurde dabei nicht nach Postkartenidyllen für Reisende, sondern nach lebendigen, gelebten Traditionen.

Doch solche Orte heute aufzuspüren, ist alles andere als einfach. Im vergangenen Jahr gab es aus Skandinavien und Osteuropa keine Berichte über echte Winter-Erzählabende im Freien oder am Herdfeuer. Weder auf offiziellen Seiten noch in Veröffentlichungen tauchte ein Beispiel auf – eine Stille, die für sich spricht.

Wo das Erzählen noch atmet

Auch wenn eigens dafür bekannte Winter-Erzähldörfer schwer zu finden sind, die Tradition lebt. In Schweden gibt es Sagobygden – das Land der Geschichten. Dort befindet sich das Museum der Legenden (Sagomuseet), das alte Erzählungen sammelt und die Kunst des mündlichen Erzählens bewahrt.

Außerdem findet in der Stadt Skellefteå ein Erzählerfestival statt, das Darbietende aus dem ganzen Land anzieht. Lagerfeuer unter freiem Himmel fehlen zwar, doch das Wesentliche bleibt: Menschen, die einen Raum nur mit einer Geschichte tragen – ganz ohne Bildschirm und Mikrofon.

Und Osteuropa?

Auch Osteuropa ist reich an Sagen und Legenden. Über Jahrhunderte wurden Erzählungen über Geister, Hausgeister, Wunder und winterliche Riten weitergegeben. Heute tauchen sie eher im Rahmen von Festen und Jahrmärkten auf als bei eigenständigen Erzählabenden. Zumindest im vergangenen Jahr fanden solche Zusammenkünfte nicht regelmäßig statt – erst recht nicht im Format „am Feuer zusammenkommen“.

Ist also alles verschwunden?

Nein. Es hat sich verändert. Geschichten leben heute in Museen, auf Festivals und mitunter in Schulen. Man hört sie in Podcasts und bei Veranstaltungen. Was fehlt, ist vorerst das Dorf am Feuer.

Das Interesse an Folklore ist jedoch ungebrochen. Gerade in Skandinavien erhalten entsprechende Museen und Festivals staatliche Unterstützung. Es wäre kaum überraschend, wenn solche Dörfer wieder auftauchten – zumal viele Menschen nach langsameren, herzlicheren Formen des Beisammenseins suchen.

Wie geht es weiter?

Immer mehr Reisende sind müde vom Lärm und vom Massentourismus. Sie wünschen sich etwas Echtes – unmittelbare Nähe, alte Geschichten, Wärme. Deshalb könnte die Idee von Dörfern, in denen abendliches Erzählen zum Alltag gehört, Wirklichkeit werden. Noch gibt es keine Orte, auf die man verweisen kann, doch das Bild kann sich ändern.

Im Moment bleiben die „eingefrorenen“ Geschichten am Feuer ein schöner Traum. Das Interesse an diesen Traditionen wächst dennoch. Und vielleicht entstehen bald wieder Orte, wo der Winter lang ist und Geschichten geliebt werden.