21:23 01-01-2026
Qanate in Teheran: Geschichte, Bedeutung und Zukunft
Qanate in Teheran: unterirdische Tunnel, die seit Jahrtausenden Wasser liefern. Erfahre, was existiert, warum sie wichtig sind und wie ihr Erbe bewahrt wird.
Unter dem Verkehr, unter dem Asphalt der Stadt, zwischen Hochhäusern und Beton in Teheran könnte ein vergessenes Stück Vergangenheit ruhen. Das ist weder Fiktion noch Mythos. Einst stützte sich Iran auf ein bemerkenswertes System unterirdischer Wasserläufe – Qanate –, die Wasser lieferten, lange bevor es moderne Leitungen und Pumpen gab. Heute sind nur noch verstreute Spuren übrig, die die meisten kaum wahrnehmen.
Was ist ein Qanat und warum wurde er gebaut?
Ein Qanat ist ein unterirdischer Tunnel, der aus den Bergen in Richtung bewohnter Gebiete führt. Er wird mit sanftem Gefälle angelegt, damit das Wasser allein durch die Schwerkraft fließt – ohne Pumpen, ohne Strom. Senkrechte Schächte entlang des Verlaufs ermöglichen Reinigung und Kontrolle. Das System entstand vor mehr als 3.000 Jahren in Persien.
In Irans trockenem Klima waren diese Kanäle eine Lebensader: Sie machten Trinkwasser verfügbar und hielten die Landwirtschaft am Laufen. In manchen Dörfern funktionieren sie bis heute – bemerkenswert ist, dass sie weiterhin wirksam sind.
Was hat das mit Teheran zu tun?
Dazu gibt es öffentlich nur wenige Informationen. Offene Quellen liefern weder Karten noch belastbare Hinweise auf ein großes Netz unter der Hauptstadt. Einige Spuren bleiben dennoch. In Sohanak im Nordosten der Stadt erzählen Bewohner bis heute von mehreren Qanaten, die einst Trinkwasser und Bewässerung sicherstellten. Das legt nahe, dass ähnliche unterirdische Quellen wohl auch Teheran versorgt haben.
Warum sind diese Kanäle wichtig?
Es geht nicht nur um Historie. Qanate sind Teil der iranischen Kultur und Tradition, und die UNESCO hat ihren weltweiten Wert anerkannt. Auf dem Land sind die Tunnel weiterhin in Gebrauch und helfen, Wasser trotz Hitze und spärlicher Niederschläge zu schonen.
In Großstädten wie Teheran sieht das Bild anders aus. Qanate sind nach und nach verschwunden: teils unter Neubauten verschüttet, teils vergessen, teils als entbehrlich betrachtet. In Zeiten wachsender Wasserknappheit wirkt das wie der Verlust einer stillen, praktischen Ressource – und, man könnte sagen, wie eine verpasste Chance.
Lässt sich etwas tun?
Ja. Der erste Schritt ist, festzuhalten, was noch existiert: mit langjährigen Anwohnern sprechen, alte Karten prüfen, Archive durchforsten. Teile der Kanäle könnten noch immer unterirdisch liegen, seit Jahren ungesehen. Genauso wichtig ist es, ihre Geschichte breiter zu erzählen – ohne Interesse und Unterstützung verschwinden solche Spuren leicht aus dem Bewusstsein.
Qanate erinnern daran, dass Menschen einst kluge, einfache Lösungen fanden, um unter harten Bedingungen zu bestehen.
Will Teheran den Faden zu seinen Wurzeln nicht verlieren, beginnt das vielleicht beim Fundament – dem Boden unter unseren Füßen.