17:27 01-01-2026
Leben am Vulkan: Alltag in alten Kratern von Italien bis Indonesien
Wie ist der Alltag neben aktiven Vulkanen? Warum Menschen in alten Kratern wie den Campi Flegrei und am Sinabung leben: fruchtbare Böden und Heimatgefühl.
Dass Menschen ausgerechnet in einem Vulkan leben wollen, klingt zunächst kaum glaubwürdig. Vor Augen haben wir Vulkane als Orte am Rand der Katastrophe. Dennoch gibt es Länder, in denen sich Menschen nicht nur in der Nähe niederlassen – sie bauen ihre Häuser in alten Kratern.
Warum tun sie das? Wie sieht der Alltag neben einem Giganten aus? Und was hält sie trotz des Risikos dort? Es sind Fragen, deren Antworten weniger spektakulär, dafür erstaunlich bodenständig sind.
Nicht im Feuer, sondern im Krater
Zunächst eine Einordnung: Ein Krater ist eine Vertiefung am Gipfel eines Vulkans. Nach besonders starken Ausbrüchen können gewaltige Becken entstehen – sogenannte Calderen. Mit der Zeit sehen solche Orte aus wie gewöhnliche Täler: es grünt, es gibt Dörfer und Gemüsegärten.
Dort leben die Menschen am häufigsten – natürlich nicht zwischen fließender Lava, sondern innerhalb des größeren Fußabdrucks eines Vulkans, an dem Ort, an dem er einst wütete.
Italien: Eine Stadt in einem schlafenden Vulkan
Eines der anschaulichsten Beispiele ist das Gebiet der Campi Flegrei bei Neapel, eine riesige Senke, die ein uralter Ausbruch hinterlassen hat. Dort liegen Wohnviertel, darunter die Stadt Pozzuoli. Здесь leben Menschen seit Langem, obwohl sich unter der Erde weiterhin etwas bewegt.
Mitunter hebt oder senkt sich der Boden, es gibt leichte Erschütterungen, aus Rissen steigen Dampf und Gase auf. Forschende behalten das im Blick und vermerken, dass die Aktivität in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Trotzdem bleiben die Einheimischen: Hier ist ihr Zuhause, der Alltag ist eingerichtet, der Boden ist fruchtbar, die Lage praktisch – und Wohnen ist in solchen Gegenden meist günstiger.
Indonesien: Vulkane überall
Indonesien ist ein Land, in dem Vulkane nahezu allgegenwärtig sind. Nach manchen Zählungen leben etwa 75 Prozent der Bevölkerung im Umkreis von 100 Kilometern um einen Vulkan. Vielen ist selbst das nicht weit genug – sie bauen direkt neben aktiven.
Auf der Insel Sumatra liegt der Vulkan Sinabung. Lange war er ruhig, in den vergangenen Jahren hat er sich jedoch häufig gerührt. Es kam zu Ausbrüchen, Ascheregen, Evakuierungen. Und doch kehren die Menschen zurück. Sie gehen – und kommen wieder. Warum? Weil es ihr Land ist. Sie bauen Gemüse an, halten Vieh und führen ein normales Leben. Viele wissen, was zu tun ist, falls ein Ausbruch beginnt, und mit der Zeit gewöhnt man sich daran, sich die Landschaft mit einem Vulkan zu teilen.
Warum gehen sie nicht weg?
Auf den ersten Blick wirkt das gefährlich leichtsinnig. Doch diese Orte haben Vorteile: fruchtbare Böden, ein günstiges Klima und eine vertraute Umgebung. Für viele ist es mehr als ein Punkt auf der Karte – es ist Heimat. Die Bedrohung fühlt sich fern und abstrakt an, zumal es oft nur wenige Alternativen gibt.
Lebt also jemand direkt im Krater?
Trotz dramatischer Schlagzeilen gibt es keine verlässlichen Hinweise darauf, dass Menschen in einem aktiven Krater leben – das wäre schlicht zu gefährlich. Die meisten siedeln in sichereren Teilen alter Krater oder an den umliegenden Hängen.
Das Postkartenbild vom Häuschen auf dem Kraterboden bleibt daher wohl eine schöne Fantasie. Leben an solchen ungewöhnlichen Orten gibt es durchaus – nur eben nicht im Herzen des Feuers.
Gefährlich – und doch Routine
Forschende beobachten die vulkanische Aktivität aufmerksam, besonders in dicht besiedelten Regionen. Selbst wenn Warnungen ausgesprochen werden, haben viele keine Eile, ihre Häuser zu verlassen. Gewohnheit, tiefe Wurzeln und die Zuversicht, dass schon alles gutgehen werde, spielen eine Rolle. Diese Logik wirkt schwer zu verurteilen, wenn der Alltag längst um das Land herum aufgebaut ist.
Für die Bewohner vulkanischer Regionen in Italien und Indonesien ist das keine exotische Entscheidung – es ist schlicht ihr Leben. Manche sind dort geboren, andere haben ein Haus gebaut, wieder andere betreiben Landwirtschaft – und sie machen weiter, trotz des Risikos.
Es ist mühsam und riskant, und doch auf seine Weise vernünftig. Der Boden trägt, die Luft wirkt sauber, die Häuser stehen seit Jahrzehnten. Und wenn der Vulkan ruhig ist – warum umziehen? Die Menschen leben ähnlich wie ihre Vorfahren: mit Vorsicht und mit der stillen Zuversicht, dass es gut ausgehen wird.
Solange der Vulkan schläft, geht das Leben weiter.