05:30 01-01-2026
Verschwindende Inseln: zwischen Atlantis-Mythos und Wirklichkeit
Von Kaspischem Phantom bis Sandy Island: Wie Inseln verschwinden - durch Stürme, Erosion und Meeresspiegelanstieg. Fakten statt Mythos Atlantis. Kompakt erklärt.
Atlantis. Schon der Name ruft Bilder einer untergegangenen Zivilisation hervor, verschlungen in einer einzigen Nacht. Es klingt wie eine Fabel – und im Kern ist es das auch. Erstaunlich ist jedoch, dass auch heute Inseln tatsächlich verschwinden. Nicht in Mythen, sondern in unserer gemeinsamen Wirklichkeit. Die Wahrheit ist, wie so oft, komplizierter als die Legenden.
Ein Phantom im Kaspischen Meer
Anfang 2023 tauchte im Kaspischen Meer aus dem Nichts eine kleine Insel auf. Auf keiner Karte verzeichnet, von niemandem gebaut – sie hob sich nach einem Ausbruch des Schlammvulkans Kumani Bank aus dem Wasser. NASA-Wissenschaftler entdeckten sie auf Satellitenbildern. Die Freude währte jedoch kurz: Ende 2024 war die Insel wieder verschwunden. Das Meer nagte ihre brüchige Oberfläche ab, bis fast nichts mehr übrig blieb.
Es war nicht das erste Mal, dass die Natur Land hervorbringt, nur um es sich zurückzuholen. Dennoch wirkte die Episode wie eine leise Erinnerung daran, wie empfindlich frisches Terrain ist – besonders, wenn es gerade erst entstanden ist.
Kartografie-Irrtümer – Inseln, die es nie gab
Mitunter verschwinden Inseln nur auf dem Papier. Jahrzehntelang lag Sandy Island auf Karten zwischen Australien und Neukaledonien. Als Forschende schließlich zu den Koordinaten segelten, fanden sie nur offenes Wasser. Am Ende entpuppte sich alles als alter Fehler, der bloß überdauerte – bis die Insel offiziell von den Karten verschwand.
Eine ähnliche Geschichte umgibt Bermeja, eine Insel im Golf von Mexiko. Seit dem 16. Jahrhundert verzeichnet, doch moderne Werkzeuge fanden sie nie. Ob sie wirklich existierte, bleibt unklar – gut möglich, dass es nur ein weiterer kartografischer Irrtum war.
Wenn eine Insel wirklich verschwindet
Inseln gehen auch tatsächlich verloren. 2018 zerstörte ein Hurrikan East Island nahe Hawaii. Sie versank nicht in einem Augenblick, doch der Schaden war irreversibel – das Land war fast vollständig ausgelöscht.
Die Ursachen sind verschieden: Stürme, Erosion, steigende Meeresspiegel. All das geschieht hier und jetzt. Beispiele häufen sich, und manche einst bewohnte Inseln sind bereits unbewohnbar geworden. Das ist kein Kartenfehler – das ist eine harte Tatsache.
Der Mythos bleibt – nur in anderer Gestalt
Legenden über Atlantis beflügeln weiterhin die Fantasie. In der Realität sieht die Geschichte jedoch anders aus. Inseln verschwinden nicht über Nacht und schon gar nicht mitsamt ganzen Städten – doch sie ziehen sich ins Meer zurück. Daran gibt es wenig zu rütteln.
Heute sind verschwindende Inseln weniger Mythos als Prüfstein. Es ist nicht länger Stoff für Fantasie, sondern Teil der täglichen Arbeit von Geologinnen und Geologen, Klimatologinnen und Klimatologen – und all jenen, die verfolgen, wie sich die natürliche Welt verändert.
Kommt ein neues Atlantis?
Vielleicht. Nur wäre es keine Legende, sondern eine weitere Insel im Pazifik oder Indischen Ozean, die langsam unter Wasser gerät. Zunehmend wird das als greifbare Bedrohung diskutiert – besonders für Staaten und Gemeinschaften, die an niedrigen Küsten leben.
Wir suchen nicht mehr nach Atlantis. Wir beobachten, wie sich das Land zurückzieht, und stellen eine schlichte Frage: Wer ist als Nächstes dran? Das ist keine Geschichte über die Vergangenheit, sondern über das, was sich vor unseren Augen abspielt.