01:22 31-12-2025
Wie Dörfer ohne Straßen leben: Giethoorn und der Alltag am Wasser
Entdecke Dörfer ohne Straßen: Giethoorn in den Niederlanden zeigt, wie Leben ohne Autos gelingt – mit Kanälen, Booten und Ruhe. Herausforderungen und Tipps.
Heute hat man das Gefühl, dass man fast überallhin fahren kann – über Autobahnen, Schnellstraßen oder sogar Schotterpisten. Und doch gibt es Orte auf der Erde, an denen Straßen gar nicht nötig sind. Nicht, weil sie niemand gebaut hat, sondern weil das Leben ohne sie bestens funktioniert. Straßen werden zu Kanälen, Autos weichen Booten, und die Stille wird nur vom leisen Platschen der Ruder unterbrochen. Das sind die Dörfer ohne Straßen.
Leben ohne Autos
Stellen Sie sich ein gewöhnliches Dorf mit Häusern, Straßen und ein paar Läden vor. In Siedlungen ohne Straßen verschiebt sich das Bild: Die Häuser stehen am Wasser, dazwischen verläuft nicht eine Fahrbahn, sondern ein Kanal oder ein Fluss. Man besucht sich über kleine Brücken oder per Boot. Autos gibt es nicht, dafür hat fast jedes Haus einen privaten Steg – wie eine Garage, nur eben fürs Boot.
Die Menschen gehen zu Fuß, fahren Rad und legen längere Strecken auf dem Wasser zurück. Lebensmittel, Haushaltswaren, sogar der Müll – alles fährt per Boot. Daran muss man sich gewöhnen; für die Einheimischen ist es schlicht der Normalzustand. Dieser langsamere Takt schiebt den Alltag spürbar in eine ruhigere Gangart.
Das bekannteste Beispiel: Giethoorn in den Niederlanden
Giethoorn ist der Star unter den straßenlosen Dörfern, oft als niederländisches Venedig bezeichnet – und das nicht ohne Grund. Fortbewegung findet hier auf dem Wasser oder über schmale Fußwege statt. Das Dorf liegt auf Landinseln, die von Kanälen durchzogen sind.
Jedes Haus in Giethoorn steht auf einer kleinen, eigenen Insel, verbunden durch Fußbrücken. Autos gibt es nicht, Boote dagegen reichlich. Manche Bewohner nutzen elektrische Boote, andere bleiben bei einfachen Ruderbooten.
Trotz der Beliebtheit bei Reisenden geht der Alltag seinen Gang: Menschen arbeiten, Läden öffnen, Kinder gehen zur Schule. All das funktioniert ohne eine einzige Straße.
Wo sonst die Menschen übers Wasser reisen
Giethoorn ist kein Einzelfall. Weltweit gibt es Dörfer, die man mit dem Auto gar nicht erreicht. In Indien etwa stehen manche Siedlungen direkt auf dem Wasser – der Alltag stützt sich dort auf Boote.
Manchmal entstehen Straßen schlicht nicht – wegen Sümpfen, dichter Wälder oder weil der Flussweg praktischer ist. Solche Gemeinschaften gibt es auch in anderen Ländern, vor allem dort, wo Klima und Landschaft den Straßenbau erschweren oder verteuern.
Vor- und Nachteile eines Lebens ohne Straßen
Diese Lebensweise hat ihre Eigenheiten. Auf der Habenseite stehen Ruhe, saubere Luft, keine Staus, kein Motorenlärm. Alles wirkt bedächtiger, unaufgeregter, näher an der Natur.
Doch der Transport von Waren – insbesondere Sperrigem – ist aufwendiger. Medizinische Hilfe oder Feuerwehr brauchen mitunter länger. Und wenn Eis im Winter oder stürmisches Wetter dazwischenfunkt, wird das Unterwegssein zur Herausforderung.
Das erfordert Geduld und Planung. Wer bleibt, schätzt die Ruhe und die Einfachheit – manchmal zählt das mehr als Tempo und Bequemlichkeit.
Touristen und Einheimische: die Balance finden
Werden solche Orte bekannt, kommen die Besucher. Sie wollen eine Bootsfahrt und einen Blick auf eine ungewohnte Lebensweise. Der Tourismus bringt Einnahmen, aber auch Gedränge, Lärm und steigende Preise.
In Giethoorn etwa ist die Hochsaison teils so voll, dass es für Bewohner mühsam wird, überhaupt nach Hause zu kommen. Ziel ist, den Charakter des Ortes zu bewahren und zugleich offen für Gäste zu bleiben – eine heikle Balance, die am besten funktioniert, wenn Rücksichtnahme beiderseits selbstverständlich ist.
Warum das zählt
Solche Dörfer sind heute selten, doch sie stellen eine Frage: Müssen wirklich überall Straßen und Parkplätze entstehen? Mancherorts ist es vielleicht klüger, die Dinge zu lassen, wie sie sind – still, gelassen und auf das Wasser zugeschnitten.
Diese Gemeinschaften erinnern daran, dass es auch anders geht. Langsamer. Ohne Motoren. Entlang des Wassers.