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Neujahrstraditionen von Spanien bis Japan: Bräuche und Rituale

Von Trauben in Spanien bis Hogmanay in Schottland: Entdecke Neujahrstraditionen weltweit – Bräuche und Rituale aus Europa und Asien, inspirierend für Reisen.

© A. Krivonosov

Der Jahreswechsel gehört zu den seltenen Momenten, die Menschen leise über Kontinente hinweg zusammenführen. Unabhängig von Kultur oder Kalender ist er eine Pause, um Bilanz zu ziehen und mit einem Funken Hoffnung nach vorn zu treten. Wie wir feiern, erzählt dabei lebendige Geschichten über Geschichte, Herkunft und Identität – unterschiedlich in der Form, doch unübersehbar voller Symbolik.

Vom straßenlangen Karneval bis zum stillen Familientisch, von lodernden Feuerritualen bis zu leisen Bräuchen daheim: Das Neue Jahr kommt in unzähligen Gestalten – und jede wirkt bedeutsam. Eine kleine Reise durch die Welt des Jahreswechsels, mit Traditionen, die überraschen, erfreuen und gelegentlich dazu verführen, sich die eine oder andere Idee auszuleihen.

Spanien

Valereee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

In Spanien ist die Nochevieja ausgelassen und licht, getragen von einer Tradition, die alle kennen: zwölf Trauben zum Schlag Mitternacht. Mit jedem Gong wandert eine Traube in den Mund – am Ende sind es zwölf, eine für jeden Monat, verbunden mit einem Wunsch oder einem Quäntchen Glück. Wer rechtzeitig alle schafft, dem sagt man ein gutes Jahr nach. Der Brauch setzte sich Ende des 19. Jahrhunderts durch und gewann, der Überlieferung nach, 1909 nach einer besonders reichen Traubenernte zusätzlichen Schwung – kluges Timing, das zur landesweiten Gewohnheit wurde.

Beliebt ist auch neue rote Unterwäsche – ein Augenzwinkern in Richtung Glück und Liebe im kommenden Jahr. Meist beginnt der Abend zu Hause und verlagert sich nach Mitternacht auf die Straßen; in Madrid wird die Puerta del Sol zum Magneten für alle, die den Glockenschlag hören und gemeinsam ankommen wollen. Diese Szenerie verliert ihren Reiz kaum.

Italien

Thomas Wolf, www.foto-tw.de, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons

Italiens Capodanno verbindet Spektakel mit Sinnbildern. Kaum ein Ritual spricht so für sich wie die roten Unterhosen – getragen für Glück, Liebe und als Schutz vor Widrigkeiten. Dazu kommt das Aufräumen im Leben: Am letzten Tag des Jahres trennt man sich von Altem. Mancherorts flogen früher sogar sperrige Dinge aus dem Haus, ein mutiges Zeichen des Loslassens; heute bleibt der Gedanke, die Umsetzung ist sanfter.

Wer es romantisch mag, sucht zum Kuss um Mitternacht eine Brücke oder das Ufer – so soll Glück einziehen und Liebe Bestand gewinnen. Ein poetischer Auftakt für einen Neustart.

Griechenland

Jebulon, CC0, via Wikimedia Commons

In Griechenland fällt die Protochronia (Πρωτοχρονιά) mit dem Gedenktag des heiligen Basilius zusammen, der in der Tradition als Gabenbringer gilt. Im Mittelpunkt steht die Vasilopita, ein festlicher Kuchen oder ein Brot mit eingebackener Münze. Die Stücke werden unter Familie und Gästen verteilt – symbolisch auch an Gott, den heiligen Basilius und den Haushalt. Wer die Münze findet, gilt als vom Glück des Jahres begünstigt.

Granatäpfel spielen ebenfalls eine große Rolle: Familien zerschlagen einen an der Haustür, und je mehr Kerne herauspurzeln, desto reicher soll das Jahr werden. Kartenspiele und Brettspiele ziehen sich durch die Nacht – ein spielerisches Omen für finanzielles Wohlergehen. Viele begleiten den Mitternachtsmoment mit Kirchenlicht und Gebet. Wie sich Glaube und Brauchtum hier begegnen, hat eine stille Schönheit.

Schottland (Hogmanay)

John Lord from Edinburgh, Scotland, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Schottlands Hogmanay treibt den Jahreswechsel auf die Spitze, mit Wurzeln in heidnischen Sonnenwendriten und einem Echo der Wikingerzeit. Markenzeichen ist das First Footing: Der erste Gast, der nach Mitternacht die Schwelle überschreitet, soll das Glück des Hauses prägen. Ideal, heißt es, sei ein dunkelhaariger Mann, der kleine Gaben mitbringt – Kohle für Wärme, Brot für Fülle, Salz für Würze, Whisky für Frohsinn und eine Münze für Wohlstand.

Feuer zieht sich durch die Hogmanay-Überlieferung. Edinburgh lässt den Himmel in Feuerwerk aufleuchten, während Orte wie Stonehaven feurige Prozessionen abhalten. Und wenn die Uhr umspringt, fassen sich Menschen an den Händen und singen Auld Lang Syne – ein Kreis, der für Freundschaft und Zusammenhalt steht. Kaum ein Neujahrsfest wirkt so unverhohlen gemeinschaftlich.

Dänemark

Andreas Weith, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

In Dänemark ist die Nytårsaften von spielerischen Ritualen geprägt, die Erneuerung und Glück signalisieren. Unverwechselbar ist das Zerbrechen von Tellern an den Türen von Freunden und Verwandten. Der Scherbenhaufen am Morgen gilt als Gradmesser für Glück – und dafür, wie sehr man geschätzt wird. Ein Brauch, der verschmitzt und warmherzig zugleich ist.

Um 18 Uhr am 31. Dezember versammelt die jährliche Ansprache der Königin die Familien vor dem Fernseher – ein gemeinsamer Moment des Innehaltens. Wenn Mitternacht schlägt, springt man von einem Stuhl oder Hocker ins Neue Jahr, als wolle man Fehltritte hinter sich lassen. Danach prickelt der Sekt, oft begleitet von einer turmförmigen Marzipan-Kransekage. Viele bringen das Zuhause zuvor gründlich auf Vordermann – eine saubere Ausgangslage für das, was kommt. Dieser kollektive Sprung ist jene leichte Bühne, die im Gedächtnis bleibt.

Japan

KKPCW, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Oshogatsu gehört zu Japans innigsten Feiertagen – ein ruhiger, klarer Neustart, getragen von Familie und geistiger Reinigung. Ende Dezember steht das große Reinemachen, oosouji, an: Man kehrt den Staub des alten Jahres aus dem Haus, um das nächste mit Ordnung und Harmonie zu empfangen.

An Tempeln erklingen zu Silvester die Glocken für Joya no kane – 108 Schläge, von denen jeder symbolisch ein weltliches Begehren fortnimmt. Die Stille danach fühlt sich an wie ein Reset für die Seele.

Das Neujahrsessen, Osechi-ryōri, kommt in lackierten Boxen auf den Tisch, jedes Gericht mit einem Wunsch für die Zukunft verbunden. Menschen verschicken Nengajō, Grußkarten, die der Postdienst pünktlich am 1. Januar zustellen möchte. In den ersten Tagen folgt häufig die Hatsumode, der erste Besuch eines Schreins oder Tempels, um für Gesundheit, Glück und Erfolg zu beten – oft mit Glücksbringern und niedergeschriebenen Wünschen.

China

Jakub Hałun, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Das chinesische Neujahr – das Frühlingsfest – richtet sich nach dem Mondkalender und fällt zwischen den 21. Januar und den 20. Februar. Es ist eine Zeit der Erneuerung und der Familie, eingeleitet von gründlichem Hausputz, der das Unglück hinausschwemmen soll, und roten Dekorationen für das Glück.

Zum Wiedersehensmahl am Vorabend kommen alle an einem Tisch zusammen. Symbolische Speisen sind gesetzt: Teigtaschen, deren Form an Goldbarren erinnert, Fisch für Fülle und Reisbällchen als Zeichen der familiären Eintracht. Ältere geben jüngeren Angehörigen rote Umschläge mit Geld – die Farbe des Glücks verbunden mit einem Wunsch nach Wohlstand.

Feuerwerk und Böller sind Teil Festfreude, Teil Legende – der Lärm und das Rot sollen das Wesen Nian vertreiben. In den folgenden Tagen beleben Löwen- und Drachentänze die Straßen mit Kraft, Schutz und Freude. Besuche bei Familie und Freunden ziehen sich bis zum Laternenfest am fünfzehnten Tag, wenn leuchtende Laternen die Hoffnungen in die Nacht tragen. Die Choreografie des Festes – von roten Bannern bis zu rhythmischen Trommeln – macht Tradition hier zur lebendigen Inszenierung.

Philippinen

Zarate123, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Auf den Philippinen ist Bagong Taon überschäumend und eklektisch, es mischt spanische, chinesische und lokale Traditionen. Kreise sind allgegenwärtig – als Symbole für Münzen, Wohlstand und Fülle. Wohnungen werden mit runden Objekten geschmückt, Punkte liegen im Trend, und zwölf runde Früchte stehen für Glück in jedem Monat.

Lärm gehört unbedingt dazu: Feuerwerk, Böller, klappernde Topfdeckel, Trillerpfeifen, sogar Löffel auf Tellern – all das soll böse Geister vertreiben und Platz für Freude schaffen. Viele springen im Moment der Mitternacht, in der Hoffnung zu wachsen; Türen und Fenster stehen weit offen, damit das Glück hereinfindet. Man lässt Münzen klimpern oder steckt Geldscheine in die Geldbörse und in die Wohnung, um Wohlstand einzuladen. In einem überwiegend katholischen Land rahmen Gebete und Gottesdienste das Fest. Kaum anderswo wird fröhlicher Lärm so beherzt gefeiert.

Indien

Vishma thapa, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Indien begrüßt das Neue Jahr auf viele Arten – ein Spiegel seiner kulturellen Breite, Religionen und regionalen Rhythmen. Der 1. Januar hat sich als urbanes Fest etabliert, mit Partys, Feuerwerk, Musik und Tanz; Geschenke wie Süßigkeiten, Blumen und kleine Aufmerksamkeiten tragen gute Wünsche ins Jahr.

Im ganzen Land fallen Neujahrsfeste je nach regionalem Kalender auf unterschiedliche Daten – jeweils mit eigenen Bräuchen. Im Süden wird Pongal (das tamilische Neujahr) im Januar begangen und mit dem Ende der Ernte verknüpft. Im Westen feiern Gudi Padwa (in Maharashtra) und Navroz (bei Parsen) die Erneuerung des Frühlings; Häuser schmücken Fahnen und Blüten, Tafeln füllen festliche Speisen. Im Norden ist Vaisakhi (für Sikhs) ein Erntefest und zugleich Jahresbeginn, geprägt von Gebet, Gesang und Volkstänzen wie Bhangra. Im Osten begeht Westbengalen im April Pohela Boishakh – mit neuer Kleidung, Tempelbesuchen und besonderen Gerichten.

Häuser leuchten mit Diyas, Blütengirlanden und Rangoli-Mustern, während Gebete und Segenswünsche den Auftakt im hinduistischen Kontext bilden. Mancherorts sorgen Feuerwerk und Lichter für ein Gefühl von Aufbruch und Freude. Das Mosaik aus Kalendern und Bräuchen wirkt wie ein Land im Kleinen: vielfältig, energiegeladen und nach vorn gerichtet.