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Neujahrsgerichte aus aller Welt: Bräuche und Symbolik

Entdecke Neujahrsgerichte und Bräuche aus Russland, Italien, Japan, China u. a. Was Linsen, Jiaozi, Osechi, Asado bedeuten – Ideen für deine Festtafel.

© A. Krivonosov

Der Jahreswechsel ist nicht nur ein Moment für Aufbruch und Feierlaune, sondern auch eines der prägendsten kulturellen Rituale weltweit. Jedes Land begrüßt diese Nacht auf seine Weise – und doch eint alle dasselbe: Familie und Freunde versammeln sich am festlich gedeckten Tisch, um das kommende Jahr gemeinsam willkommen zu heißen. Nirgends wird das greifbarer als am Esstisch: Festtagsgerichte werden zu Symbolen, sie spiegeln Tradition, Geschichte und den kulinarischen Geschmack eines Landes.

Überall auf der Welt trägt diese Zeit ihren eigenen Duft und Charakter. Mancherorts dominieren Speisen, die für Wohlstand und Reichtum stehen, andernorts Gerichte, die ein langes Leben und familiäres Glück verheißen. In Italien gehören Linsen fast schon obligatorisch dazu, in Japan nimmt Osechi-ryōri den Ehrenplatz ein – eine sorgfältig arrangierte Auswahl festlicher Spezialitäten.

Die folgende Reise führt durch Neujahrsbräuche rund um den Globus. Vielleicht ist auch eine Idee für die eigene Tafel dabei – ein kosmopolitischer Akzent, der die Feier geschmackvoll abrundet.

Russland

Wenn in Russland vom Neujahrstisch die Rede ist, fallen sofort zwei Klassiker ein: Olivier-Salat und Hering im Pelzmantel. Diese Publikumslieblinge sind mehr als Rezepte – sie gehören zum Gewebe des Festes und stiften Geborgenheit und Kontinuität.

Olivier ist der König der Tafel. Seine Geschichte beginnt im 19. Jahrhundert, als Lucien Olivier, ein Koch französischer Herkunft, das Gericht im berühmten Moskauer Restaurant Hermitage kreierte. Das Ursprungsrezept setzte auf Delikatessen wie Haselhuhn, Zunge, schwarzen Kaviar, Flusskrebse und Kapern. Mit der Zeit passte es sich den sowjetischen Realitäten an – einfacher, zugänglicher und umso geliebter.

Hering im Pelzmantel ist ein weiterer Fixpunkt, der zum Fest verlässlich auf den Tisch kommt. Das Gericht entstand im 20. Jahrhundert, in der Sowjetzeit – aus der Idee eines sparsamen, sättigenden Essens aus alltäglichen Zutaten.

Beide Speisen haben sich dank Vielseitigkeit, günstiger Komponenten und großzügigem Geschmack einen festen Platz am Neujahrstisch erobert. Sie schmücken nicht nur die Tafel, sie setzen einen warmen, nostalgischen Ton – eine Erinnerung daran, dass Neujahr vom Zusammenkommen, Teilen und Hoffen lebt.

Italien

In Italien ist Capodanno eine Bühne für Tradition und Symbolik. Zu den Fixpunkten zählen Chiocchio mit Linsen, Zampone (gefüllter Schweinsfuß) oder Cotechino (Wurst) sowie der süße Panettone – ein Line-up, das Italiens Leidenschaft für Kulinarik und Rituale bündelt.

Chiocchio mit Linsen – Linsen haben zu Neujahr einen Ehrenplatz und stehen für Wohlstand und finanzielles Glück. Ihre münzähnliche Form sagt eigentlich schon alles; wer an Silvester reichlich davon isst, sieht dem neuen Jahr mit Zuversicht entgegen.

Zampone und Cotechino sind die Fleischklassiker, ohne die vielen die Festtafel unvollständig erscheint. Sie stehen für Fortschritt und Prosperität – das Schwein, das nach vorn wühlt, wird zur stimmigen Metapher fürs Vorangehen.

Panettone – das kuppelförmige, mit Trockenfrüchten gespickte Gebäck – krönt nicht nur Weihnachten, sondern auch Silvester. Ursprünglich aus Mailand, gilt es als Symbol für Glück und Überfluss. Luftig und duftend ist es der ideale süße Abschluss. In manchen Familien bleibt ein Stück bis Neujahrstag auf dem Tisch – als stilles Angebot an das Glück.

Deutschland

In Deutschland ist die Neujahrstafel mehr als ein Essen – sie ist ein Brauch voller Bedeutung. Die Gerichte werden mit Bedacht gewählt, um Glück, Gesundheit und Wohlstand willkommen zu heißen. Beliebt sind Schweinshaxe, Sprengel (ein süßes Mandelbrot) und Salzhering – jedes mit eigener Rolle im Fest.

Die Schweinshaxe ist ein Klassiker. Das Schwein steht traditionell für Glück und Wohlergehen.

Sprengel ist ein festliches Süßbrot mit Mandeln, Rosinen und wärmenden Gewürzen. Seine üppige Form und der reiche Geschmack symbolisieren Fülle – und es macht sich ganz nebenbei als Mittelpunkt der Tafel.

Hering darf ebenfalls nicht fehlen. Ob sauer eingelegt, gesalzen oder geräuchert – er gilt als Zeichen für Erfolg und Vorankommen. Viele greifen nach Mitternacht bewusst dazu, um den Ton für das neue Jahr zu setzen.

Frankreich

In Frankreich lädt der Réveillon de la Saint-Sylvestre zum Genuss feinster Aromen ein. Auf dem Tisch stehen Delikatessen, die von Wohlstand, Überfluss und Eleganz erzählen. Foie gras, Austern und andere Meeresfrüchte teilen sich die Bühne mit der Yule-Log-Torte, der Bûche de Noël – Speisen mit leiser, aber deutlicher Symbolik.

Foie gras – Gänse- oder Entenleberpastete – gilt zu Neujahr als Inbegriff von Luxus und Wohlbefinden.

Austern, Garnelen, Hummer und andere Gaben des Meeres prägen das Bild. Sie stehen für Opulenz und Frische; besonders Austern suggerieren einen Neubeginn – das Meer als Sinnbild der Erneuerung.

Die Bûche de Noël, der kaminholzförmige Kuchen, bringt Wärme und Traditionsgefühl an den Tisch – ein Gruß an den Herd und an die Kontinuität.

Zusammengenommen wird das Neujahrsmahl zur kleinen Feier von Schönheit und Balance – eine hoffnungsvolle Verneigung vor dem, was kommt.

China (Chinesisches Neujahr)

Das Frühlingsfest ist der wichtigste Feiertag des Jahres, und die Tafel füllt sich mit symbolträchtigen Speisen, die Glück, Wohlstand und Gesundheit versprechen. An der Spitze stehen Teigtaschen, Fisch und Langlebensnudeln – ein eindrückliches Beispiel dafür, wie eng Essen, Ritual und Hoffnung verwoben sind.

Teigtaschen (Jiaozi) sind zentral. In Form alter Goldbarren stehen sie für Reichtum und gutes Geschick. Familien bereiten sie an Silvester oft gemeinsam zu – ein liebgewonnenes Ritual, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Die Füllungen reichen von Schwein oder Rind über Gemüse bis zu Meeresfrüchten; mancherorts wird eine Münze oder ein kleines Glückssymbol eingearbeitet – als Überraschung für eine glückliche Person.

Fisch (Yu) klingt wie das Wort für „Überschuss“ oder „Fülle“ und gilt daher als starkes Zeichen für Wohlstand. Er wird im Ganzen serviert – ein Bild für Harmonie und Vollständigkeit.

Langlebensnudeln (Changshou Mian) werden lang und ungeschnitten gereicht – als Wunsch für ein langes, glückliches Leben. Ihre Länge steht für Kontinuität, weshalb beim Kochen darauf geachtet wird, sie nicht zu brechen.

Japan

Shōgatsu, das japanische Neujahr, wird mit großem Respekt vor Tradition und Familie begangen. Die Festküche ist voller Bedeutungen. Osechi-ryōri, Mochi und Toshikoshi Soba sind die Signaturen – Gerichte, die erfreuen und zugleich stille Wünsche nach Glück, Gesundheit und Wohlstand senden.

Osechi-ryōri ist eine elegante Auswahl, serviert in gestapelten Lackdosen, den Jubako. Sie steht im Zentrum der Feiertage und symbolisiert Fülle, Harmonie und gutes Geschick. Jede Komponente trägt eine eigene Botschaft. Zubereitet wird Osechi im Voraus – dem Brauch folgend, zu Jahresbeginn Hausarbeit zu vermeiden; gegessen wird aus den Boxen in den ersten Festtagen.

Mochi – weiche, elastische Reisküchlein – sind allgegenwärtig, pur oder in Suppen wie Ozoni. Sie stehen für Verbundenheit, starke Familienbande und Glück.

Toshikoshi Soba – wörtlich „Jahreswechsel-Nudeln“ – ist eine schlichte, aber symbolische Schale, die an Silvester gegessen wird: für ein langes Leben und einen klaren Schnitt mit den Mühen des alten Jahres.

Südkorea

Seollal, das koreanische Neujahr, markiert einen Neustart und ein familiäres Heimkommen. Die Hauptrolle spielt Tteokguk – eine klare, tröstliche Suppe mit in Scheiben geschnittenen Reiskuchen. Einfach in der Zubereitung, reich an Bedeutung: Erneuerung, langes Leben, Glück.

Der Tradition nach fügt eine Schüssel Tteokguk am Neujahrstag symbolisch ein weiteres Lebensjahr hinzu. Das Weiß der Reiskuchen steht für Reinheit und einen frischen Anfang; die runden, münzähnlichen Scheiben deuten auf Wohlstand, ihre Länge auf ein langes, glückliches Leben.

Schon die gemeinsame Zubereitung und das Teilen von Tteokguk bringen die Generationen an einen Tisch – ein stilles Bekenntnis zu Respekt vor den Älteren und zu Zusammenhalt.

Vereinigte Staaten

In den USA variieren die Menüs je nach Region, doch einige Konstanten sind weit verbreitet. Black-eyed Peas mit Greens und Maisbrot sind voller Symbolik, während Truthahn oder Schinken oft den Mittelpunkt bilden – ein Verweis auf Fülle und geteilten Komfort.

Black-eyed Peas, langsam geschmorte Greens (etwa Collards oder Spinat) und Maisbrot formen besonders im Süden einen Neujahrsklassiker – für Wohlstand, Glück und Gesundheit.

Truthahn oder Schinken dienen als festlicher Anker. Truthahn – eigentlich stärker mit Thanksgiving verbunden – taucht zu Neujahr dennoch häufig auf und ruft Familienwärme und reich gedeckte Tische in Erinnerung. Schinken gilt mancherorts als Zeichen für Prosperität und Fortschritt – das Schwein geht nach vorn, nicht zurück.

Mexiko

In Mexiko sprüht das Año Nuevo vor kräftigen Aromen und fest verankerten Bräuchen. Tamales und die Rosca de Reyes dominieren die Festtafel – Gerichte, die nach Feier schmecken und kulturelle Bedeutung rund um Familie und Glück tragen.

Tamales – Maisteig, in Maisblätter oder Bananenblätter gewickelt und mit verschiedenen Füllungen gedämpft – sind Klassiker und Gemeinschaftswerk zugleich. Ihre Zubereitung bringt die Familie zusammen; genau dieses Miteinander gehört zum Fest. Der Mais, so zentral für Leben und Kultur, macht Tamales zum naheliegenden Symbol für Neuanfänge.

Rosca de Reyes – das kranzförmige, mit kandierten Früchten verzierte Süßbrot – ist enger mit dem Dreikönigstag (6. Januar) verbunden, steht aber oft schon zu Neujahr auf dem Tisch. Im Inneren verbirgt sich eine kleine Jesusfigur; wer sie findet, übernimmt die Ehre, das Treffen zu Mariä Lichtmess im Februar auszurichten.

Brasilien

Réveillon in Brasilien bedeutet eine Tafel voller Symbolik – Traditionen, die mit Hoffnungen auf Glück, Wohlstand und Erfolg verknüpft sind. Im Zentrum stehen Linsen mit Reis und Schweinefleisch.

Linsen (Lentilhas) sind unverzichtbar, meist mit Reis zu einem herzhaften, aromatischen Gericht vereint – als Versprechen für gute Geschäfte und finanzielles Wohlergehen. Reis, in der brasilianischen Küche allgegenwärtig, steuert seine eigene Note von Fülle und Fruchtbarkeit bei.

Ebenso wichtig ist Schweinefleisch – gebraten oder geschmort. Das Schwein gilt als Zeichen für Vorwärtsbewegung und Fortschritt – ein stimmiger Wunsch zum Jahreswechsel.

Argentinien

In Argentinien dreht sich Año Nuevo um Familie, Freunde und Speisen, die Wärme, Miteinander und Fülle signalisieren. Asado – das nationale Grillritual – spielt die Hauptrolle, flankiert von süßem Gebäck und frischen Früchten.

Asado ist mehr als ein Essen: eine gesellschaftliche Zeremonie. Das Fleisch gart über glühenden Kohlen auf der Parrilla, und der Asador – der Hüter von Feuer und Fleisch – ist der heimliche Held des Abends. Kein Wunder, dass Asado für Einheit, Lebensfreude und Überfluss steht.

Zum Abschluss gibt es Süßes: Alfajores mit Dulce de Leche, Torten mit Dulce de Leche, Turrón und Panettone. Das ist die süße Wunschformel fürs neue Jahr – und ein einfacher Weg, Zuneigung zu zeigen.

Da der Jahreswechsel in den südlichen Sommer fällt, sind frische Früchte Pflicht. Besonders Trauben sind um Mitternacht beliebt – eine für jeden der zwölf Monate –, während Wassermelone, Honigmelone, Pfirsiche und Ananas für Fülle und Reichtum stehen.

Südafrika

In Südafrika fällt Neujahr in die Hochsommerzeit – die Feier verlagert sich nach draußen. Die Tafel spiegelt die Saison: ein großzügiger Braai (Grillfleisch) und viele frische Früchte und Gemüse. Die Aromen sind festlich, die Botschaft klar – Wärme, Fülle, Zusammensein.

Braai ist das pulsierende Herz vieler Treffen. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt am offenen Feuer – eine Hommage an Gastfreundschaft und Miteinander, bei der alle mit anpacken.

Saisonales Obst und Gemüse runden ab: Mango, Ananas, Papaya und Zitrus für Frische und Freude, dazu einfache Salate aus Gurken, Tomaten, Paprika und Blattsalaten. Sie stehen für Einklang mit der Natur, Gesundheit und die Großzügigkeit des Landes.

Marokko

In Marokko bringt der Jahreswechsel die Familie an eine Tafel, die die Vielfalt der lokalen Küche zeigt. Couscous mit Fleisch und Gemüse führt den Reigen an, gefolgt von Honig-Nuss-Süßigkeiten – Aromen, die zugleich Wünsche nach Glück und Wohlstand transportieren.

Couscous – gedämpfter Grieß, serviert mit Fleisch (oft Rind, Huhn oder Lamm) und einem Reigen geschmorter Gemüse – ist ein Signaturgericht für besondere Anlässe. Die vielen Körner deuten auf Fülle und Großzügigkeit. Auf einer großen Platte für alle serviert, steht es auch für Einheit und Gleichheit.

Honig- und Nussgebäck symbolisiert Freude und gutes Geschick. Honig steht für ein süßes Leben, Nüsse für Reichtum und Wohlergehen.

Australien und Neuseeland

Am anderen Ende der Welt fällt Neujahr in den Sommer – man feiert draußen, und das Essen zieht mit. Grillabende, Pavlova und reichlich Meeresfrüchte setzen einen entspannten, sonnigen Ton, eng verbunden mit Meer und Natur.

Der Grill ist der Taktgeber in Parks, an Stränden und im Garten. Man trifft sich, brät und bleibt – ein kleines Ritual des Zusammenseins und der einfachen Freuden.

Pavlova – die federleichte Baisertorte mit frischem Obst – ist in beiden Ländern ein festlicher Favorit. Sie steht für Süße, Freude und den Augenblick, den man genießt; der Obstbelag spiegelt den Reichtum der Region.

Auch Meeresfrüchte sind unverzichtbar – ein Echo auf das Meer vor der Haustür und seinen Reichtum. Frisch, leicht und feierlich passen sie perfekt zur Wärme – und zur Stimmung eines südhemisphärischen Neujahrs.