09:28 26-12-2025

Diese Reiseziele sind in Gefahr – und was Reisende tun können

Von Osterinsel bis Seychellen: Wie Klimawandel, Erosion und Massentourismus Reiseziele bedrohen – und welche Maßnahmen Reisende unterstützen können.

Pierre André Leclercq, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Urlaubsorte rund um den Globus locken mit dramatischen Kulissen, eigenem Charakter und Wahrzeichen, die es nur dort gibt. Doch viele dieser Postkartenlandschaften stehen gefährlich auf der Kippe – schlicht wegen ihres Standorts. Klimawandel, Bodenerosion, steigende Meere und menschlicher Druck wirken zusammen und bedrohen Ziele, die einst zeitlos schienen.

Dieser Beitrag widmet sich Resorts, um die sich Wissenschaft und Umweltschützer sorgen. Es geht um die Belastungen, die auf ihnen lasten, um ihre Gegenstrategien – und darum, was Reisende realistisch beitragen können, damit diese Orte auch der nächsten Generation erhalten bleiben. Ein Verlust träfe nicht nur Naturwunder, sondern nagte ebenso an Kultur und Geschichte. Das wirkt längst nicht mehr abstrakt.

Osterinsel (Chile)

Rivi, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Osterinsel (Rapa Nui), ein chilenisches Territorium im südlichen Pazifik, gehört zu den abgelegensten – und rätselhaftesten – Inseln der Erde. Ihre monumentalen Moai, aus vulkanischem Tuff geschlagen, und die kargen Vulkanlandschaften ziehen Jahr für Jahr Reisende an. Die Abgeschiedenheit hat jedoch ein empfindliches Ökosystem hinterlassen, das die Insel verletzlich macht.

Etwa 3.500 Kilometer vor Chiles Küste, vom Pazifik umringt, entstand auf Rapa Nui ein einzigartiges Netz aus seltenen Pflanzen und Tieren. Die Moai sind zugleich kulturelles Symbol und Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit.

Die Insel steht vor einer ganzen Reihe von Risiken, die sie verändern könnten:

Küstenerosion und Meeresspiegelanstieg: Kräftigere Wellen und steigende Wasserstände nagen an den Ufern und bringen Statuen sowie archäologische Stätten in Gefahr.

Klimawandel: Häufigere Stürme und veränderte Wetterlagen bedrohen Infrastruktur und Natur.

Meeresverschmutzung: Strömungen tragen Mikroplastik und Müll heran, die das marine Leben schädigen.

Bevölkerungsdruck und Tourismus: Begrenzte Ressourcen geraten durch Einwohnerwachstum und Besucherzahlen an die Belastungsgrenze.

Verlust von Kulturerbe: Natürliche und menschliche Einflüsse gefährden die langfristige Bewahrung der Moai.

Warum Schutz zählt. Die Osterinsel ist mehr als ein Reiseziel – sie ist Zeugnis uralter Ingenieurskunst. Nötig sind unter anderem streng regulierter, nachhaltiger Tourismus; Küstenschutz gegen Erosion; Restaurierung und Pflege der Moai und weiterer Stätten; sowie Umweltbildung für Einheimische und Gäste. Die Devise ist schlicht: den Druck jetzt senken, damit der Geist der Insel bleibt. Wer je dort stand, versteht, wie dringend das ist.

Antarktis

US Embassy New Zealand, Public domain, via Wikimedia Commons

Der südlichste Kontinent beeindruckt mit strenger Schönheit – gewaltige Eismassen, endlose Schneefelder, reiches Meeresleben. Für Abenteurer und Wissenschaftsinteressierte ist dieses vom Südpol geprägte Reich, umspült vom Südlichen Ozean, so selten wie möglich. Die Erderwärmung setzt diesem Naturwunder jedoch spürbar zu.

Die Antarktis beherbergt den größten Eisschild der Welt und damit rund 70 Prozent des globalen Süßwassers. Extreme Kälte, heftige Winde und lange Polarnächte schaffen unvergleichliche Bedingungen – spektakulär, aber äußerst empfindlich.

Die Verletzlichkeiten sind deutlich:

Gletscherschmelze: Steigende Temperaturen beschleunigen den Verlust der Eismassen, heben den Meeresspiegel und verändern regionale Ökosysteme.

Weniger Meereis: Der Rückgang der Eisdecke stört Lebensräume von Pinguinen, Robben und Walen.

Ökosystemverschiebungen: Wärmeres Wasser verändert Nahrungs- und Fortpflanzungsmuster – die Artenvielfalt gerät unter Druck.

Mehr Tourismus: Trotz strenger Regeln erhöhen wachsende Besucherzahlen den Druck und das Risiko für Verschmutzung.

Rohstoffnutzung: Eine künftige Ausbeutung von Öl, Gas oder Mineralien würde den Kontinent irreversibel schädigen.

Warum Schutz zählt. Die Antarktis ist außergewöhnliches „Refugium“ und zugleich wichtiger Klimaregler. Schutz bedeutet Treibhausgase reduzieren und auf saubere Energien umstellen; den Naturschutz stärken und Rohstoffabbau ausschließen; Forschung unterstützen, um den Wandel zu verstehen; und die kooperativen Schutzmechanismen des Antarktisvertrags ernst nehmen. Ihr Schicksal ist mit unserem verknüpft – und jedes Jahr wird das sichtbarer.

Grand-Canyon-Nationalpark (USA)

Islander61, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Arizonas Grand Canyon zählt zu den spektakulärsten Naturwundern. Über Millionen Jahre vom Colorado River geformt, misst er rund 446 Kilometer Länge und stürzt mehr als 1.800 Meter in die Tiefe. Seine Gesteinsschichten und Panoramen ziehen Millionen an – und liegen zugleich in einer trockenen Region, die den Park besonders anfällig macht.

Das Ökosystem des Canyons ist ein Balanceakt. Der Colorado River, der ihn schuf, versorgt zugleich Millionen Menschen in den USA und Mexiko mit Wasser. In einer Landschaft der Knappheit wirken schon kleine Verschiebungen groß.

Die wichtigsten Risiken:

Klimawandel: Höhere Temperaturen und weniger Niederschlag verschärfen Dürre, schwächen Ökosysteme und senken die Abflüsse des Colorado.

Bodenerosion: Veränderte Wasserregime und menschliche Nutzung beschleunigen Erosion und verändern natürliche Formen.

Verschmutzungsgefahren: Nahegelegener Bergbau, darunter Uranabbau, birgt Risiken für Wasser und Boden.

Massentourismus: Hohe Besucherzahlen strapazieren Infrastruktur, erhöhen das Abfallaufkommen und beanspruchen sensible Bereiche.

Invasive Arten: Eingeschleppte Pflanzen und Tiere verdrängen heimische Lebensgemeinschaften.

Warum Schutz zählt. Der Grand Canyon steht für ungeschönte Schönheit und ist kulturell wie ökologisch bedeutsam. Entscheidend sind eine nachhaltige Wassersteuerung des Colorado, strafferes Besuchermanagement samt grüner Infrastruktur, klare Grenzen für Bergbau in Parknähe sowie kontinuierliche Forschung zur Gesundheitslage des Ökosystems. Im trockenen Westen ist Vorsicht keine Kür mehr, sondern Pflicht.

Seychellen

dronepicr, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Östlich von Afrika liegt der Seychellen-Archipel mit 115 Inseln – berühmt für puderweiße Strände, leuchtendes Wasser und einzigartige Lebensräume. Korallenriffe, Riesenschildkröten und seltene Pflanzen machen die Inseln zum Magneten – und zur Frontlinie des Umweltwandels.

Viele Eilande ragen nur wenige Meter aus dem Meer und sind dadurch extrem anfällig für den Anstieg des Wasserspiegels. Tropenstürme und wärmeres Wasser setzen eine Region zusätzlich unter Druck, deren natürliche Abwehrkräfte ohnehin viel leisten müssen.

Die Hauptbelastungen:

Meeresspiegelanstieg: Steigende Ozeane bedrohen Infrastruktur und Ökosysteme der niedrig gelegenen Inseln.

Korallenbleiche: Erwärmtes Wasser schädigt Riffe, die Küsten schützen und enorme Artenvielfalt tragen.

Küstenerosion: Hartnäckige Brandung und Stürme fressen Strände und Lebensräume an.

Tourismusdruck: Ausbau von Einrichtungen bringt Verschmutzung und stärkere Eingriffe in die Natur.

Bedrohung seltener Arten: Verschiebende Lebensräume gefährden ikonische Tiere – von Riesenschildkröten bis zu seltenen Vogelarten.

Warum Schutz zählt. Die Seychellen sind Sehnsuchtsziel und Hotspot mariner Biodiversität zugleich. Vorrang haben Küstenschutz mit technischen Barrieren und wiederhergestellten Mangroven, konsequente Emissionsminderung, durchgehend nachhaltige Tourismusstandards, die Wiederherstellung und der Schutz der Riffe mit neuen Methoden sowie Aufklärung vor Ort. Der Gewinn ist handfest: widerstandsfähige Küsten und Gemeinden – und eine Schönheit, die nicht auf Verschleiß lebt.

Machu Picchu (Peru)

Diego Delso, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Hoch in den Anden Perus zählt Machu Picchu zu den bekanntesten archäologischen Stätten der Welt. Im 15. Jahrhundert von den Inka erbaut, bleiben Terrassen, Tempel und die Bergkulisse unvergesslich. Die dramatische Lage macht den Ort zugleich anfällig – für natürliche wie menschliche Risiken.

Rund 2.430 Meter über dem Meer, an steilen Hängen nahe des Urubamba, fügt sich die Zitadelle verblüffend harmonisch in das Gelände. Gerade diese Geografie birgt Gefahren.

Die zentralen Sorgen:

Erdrutsche und Erosion: Steile Hänge und hohe Luftfeuchte destabilisieren Böden und bedrohen Terrassen und Bauten.

Massentourismus: Hunderttausende Besucher pro Jahr belasten Infrastruktur, beschleunigen Verschleiß und erhöhen die Risiken für den Erhalt.

Klimawandel: Heftige Regenfälle und Stürme treiben Erosion voran und setzen die Strukturen unter Druck.

Seismische Aktivität: In einer erdbebengefährdeten Zone könnten Erschütterungen schwere Schäden anrichten.

Infrastrukturdruck: Neue Straßen und Bahnverbindungen verstärken Eingriffe in Landschaft und Monument.

Warum Schutz zählt. Als UNESCO-Stätte ist Machu Picchu ein Kernstück des peruanischen Erbes. Nötig sind Besucherobergrenzen und sanfter Tourismus, Hangsicherung und Terrassenpflege, Frühwarnsysteme für Beben und Rutschungen, Forschung für langfristige Schutzkonzepte sowie Bildungsarbeit vor Ort. Am Ende überzeugt die Einsicht, dass Zurückhaltung hier Substanz bewahrt.

Kilimandscharo (Tansania)

Antony Trivet, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Afrikas höchster Berg erhebt sich aus Tansanias Ebenen – die schneebedeckte Silhouette begeistert Wandernde und Naturliebhaber weltweit. Mit 5.895 Metern sind seine Gletscher ikonisch – und immer stärker gefährdet.

Der Kilimandscharo ist ein vulkanischer Massivkomplex aus drei Kegeln: Kibo, Mawenzi und Shira. Altes Eis und Schnee speisen das Umland mit Süßwasser und stehen sinnbildlich für Afrikas wilde Seele. Vom Tropenwald bis zur alpinen Wüste wechseln die Ökosysteme mit der Höhe – jedes empfindlich gegenüber Veränderungen.

Die größten Bedrohungen:

Gletscherrückgang: Die Erderwärmung lässt das Eis rapide schrumpfen. Forschende warnen, die Schneedecke könne in den kommenden Jahrzehnten verschwinden.

Ökosystemwandel: Steigende Temperaturen gefährden die Biodiversität, darunter endemische Arten.

Waldverlust: Rodungen für Landwirtschaft stören Wasserkreisläufe und beschleunigen Erosion.

Tourismusdruck: Hohe Besucherzahlen und neue Einrichtungen belasten ein sensibles Umfeld.

Schwindende Wasserressourcen: Mit dem Rückzug der Gletscher versiegen wichtige Wasserquellen für Mensch und Natur.

Warum Schutz zählt. Der Kilimandscharo ist Naturwunder und zugleich ökologischer wie wirtschaftlicher Anker für Tansania und darüber hinaus. Gefordert sind Emissionsminderungen, Waldschutz und -renaturierung, strengere Nachhaltigkeitsregeln im Tourismus, Forschung zu Gletschern und Ökosystemen sowie Bildungsarbeit für Bevölkerung und Gäste. Die weiße Krone ist zum Fieberthermometer geworden – was hier passiert, sendet klare Signale.

Tuvalu (Pazifischer Ozean)

INABA Tomoaki, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Die kleine Inselnation im zentralen Pazifik besteht aus neun Atollen und Inseln – mit Lagunen wie aus dem Katalog, weißen Stränden und lebendigen Traditionen. Zugleich gehört Tuvalu zu den weltweit am niedrigsten gelegenen Ländern und ist damit stark dem Klimawandel ausgesetzt.

Der Großteil des Landes liegt nur 1–2 Meter über dem Meer, umgeben von Korallenriffen, die Küsten schützen und das Ökosystem stützen. Abgeschiedenheit und Tropenklima ziehen naturbewusste Reisende an – die Geografie stellt das Land jedoch ungeschützt in die Schusslinie der Natur.

Die Gefahren sind akut:

Meeresspiegelanstieg: Mit den steigenden Ozeanen wächst das Überflutungsrisiko für ganz Tuvalu.

Küstenerosion: Unablässige Wellen nagen an den Inseln und schrumpfen die Landfläche.

Meeresverschmutzung: Müll und Mikroplastik aus weiter Ferne bedrohen Riffe und Meeresleben.

Verlust von Trinkwasser: Salzwasser dringt ins Grundwasser ein und macht es ungenießbar.

Klimatische Schocks: Häufigere Stürme und Zyklone beschädigen Infrastruktur und gefährden Menschen.

Ökonomische Fragilität: Begrenzte Ressourcen und Abhängigkeit von externer Hilfe erschweren die Anpassung.

Warum Schutz zählt. Tuvalu ist zum Sinnbild der Klimakrise geworden – und erinnert daran, dass Abwarten keine Option ist. Notwendig sind die Einhaltung von Emissionszielen, die Wiederherstellung und Sicherung der Korallenriffe, Unterstützung für Gemeinden durch Resilienz- und, wo nötig, Umsiedlungsprogramme, technische Schutzlösungen wie künstliche Inseln und Flutbarrieren sowie sanfter Tourismus, der Naturschutz mitfinanziert. In einem Land, das in Metern gemessen wird, zählt jeder Zentimeter Meeresspiegel – und jede Entscheidung, die wir weit entfernt treffen.