05:32 23-12-2025

Sushi als Steuerzahlung: Japans Weg von Naturalien zu Geld

Erfahre, warum im alten Japan Steuern in Naturalien wie Reis, Fisch und sogar Sushi gezahlt wurden - und wie das System sich bis zur Geldwirtschaft wandelte.

By Fernando Archuby - Own work, CC BY 4.0, Link

Steuern verbindet man heute automatisch mit Geld. Im alten Japan sah das ganz anders aus: Abgaben ließen sich mit Reis, Stoff – und sogar mit Sushi – begleichen.

Im 8. Jahrhundert wurden Steuern in den meisten Regionen in Naturalien entrichtet. Besonders begehrt waren haltbare Lebensmittel – Reis, Fisch und andere Vorräte. Reis galt als wichtigster Reichtum des Landes: Er wurde überall angebaut und bildete das Rückgrat der Ernährung. Manche Aufzeichnungen jener Zeit halten sogar fest, dass Sushi als Steuerzahlung diente.

Wichtig ist dabei: Sushi sah damals ganz anders aus als die heutigen Rollen. Es handelte sich um fermentierte oder gesalzene Zubereitungen. Das Verfahren war simpel: Fisch wurde in Reis gepackt und über Monate, manchmal Jahre, gereift – eine Methode, die Lebensmittel lange haltbar machte.

Und es blieb nicht bei Sushi. Auch Muscheln, Seeohren, Algen und anderes Meeresgetier wurden als Abgaben akzeptiert, in die Hauptstadt geschickt und dort an Beamte, Militär und sogar Tempel verteilt.

Mit der Zeit wandelte sich das System. Im 9. und 10. Jahrhundert begannen die Behörden auf Geldzahlungen umzustellen. Naturalien waren in großem Maßstab unhandlich – schwer zu transportieren und zu lagern. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung und der wachsenden Bedeutung des Handels setzte sich Geld durch. Im 12. Jahrhundert wurden Steuern überwiegend bar entrichtet, und bis ins 16. Jahrhundert war die Abgabe von Waren nahezu verschwunden.

Die Episode vom Sushi als Steuerzahlung ist ein prägnantes Detail, das zeigt, wie stark sich Japans Wirtschaft über die Jahrhunderte verändert hat – ein Echo einer Epoche, in der Haltbarkeit höher stand als Frische.

Heute ist ein solches System kaum vorstellbar. Dennoch markieren seltene und teure Lebensmittel weiterhin Wohlstand: Trüffel, edle Meeresfrüchte, gereifte Weine – entfernte Verwandte jenes alten Sushi. Begehrt sind sie geblieben, und viele zahlen dafür bereitwillig hohe Preise.

Vielleicht ist Sushi also noch immer eine Art „Abgabe“ für Feinschmecker – nur dass sie heute nicht an Beamte fließt, sondern an Restaurants.