01:14 22-12-2025

Legenden rund ums Taj Mahal: was Mythos ist, was belegt

Entdecke die größten Mythen und Legenden rund ums Taj Mahal: vom schwarzen Doppelbau bis zu harten Handwerker-Geschichten. Wir trennen Fakten von Gerüchten.

By Jakub Hałun - Own work, CC BY-SA 4.0, Link

Das Taj Mahal zählt zu den weltweit bekanntesten Bauwerken. Hinter der makellosen Schönheit und der Liebesgeschichte, die es inspiriert hat, haftet dem Marmor ein Geflecht aus Legenden an. Manche klingen fast übernatürlich, andere wirken wie Stoff für einen Film. Zeit, zu trennen, was standhält und was eher in die Abteilung hübscher Erzählungen gehört.

Die Legende vom Schwarzen Taj Mahal

Laut einer populären Überlieferung plante Kaiser Shah Jahan nach dem strahlend weißen Taj ein zweites Mausoleum aus schwarzem Marmor. Beide Bauten, so heißt es, sollten sich am Yamuna gegenüberstehen und über eine Brücke verbunden werden.

An Fahrt gewann die Erzählung durch den französischen Reisenden Jean-Baptiste Tavernier aus dem 17. Jahrhundert. Moderne Forschung weist jedoch in eine andere Richtung: Es gibt keinen Beleg dafür, dass ein schwarzes Taj je geplant war. Die nahe gefundenen dunklen Steine erwiesen sich als gewöhnlicher weißer Marmor, der mit der Zeit nachgedunkelt war.

Trotzdem befeuert die Vision eines Spiegelmausoleums bis heute die Fantasie von Künstlern, Autorinnen und Filmemachern.

Wurden die Handwerker geblendet, damit sie nie wieder Vergleichbares schaffen?

Eine weitere Legende behauptet, Shah Jahan habe die Kunsthandwerker nach Vollendung des Projekts blenden oder sogar hinrichten lassen, damit nichts ebenso Schönes mehr entstehen könne.

Tatsächlich gibt es dafür keinen Beleg. Viele der Architekten, die am Taj mitarbeiteten, entwarfen später weitere Gebäude – die Geschichte wirkt daher eher wie eine dramatische Schreckensszene als wie ein Bericht über reale Ereignisse.

War das Taj Mahal einst ein Hindu-Tempel?

In der Mitte des 20. Jahrhunderts vertrat der indische Historiker Purushottam Nagesh Oak die Ansicht, das Taj sei ursprünglich ein Shiva-Tempel gewesen. Er verwies auf architektonische Elemente, die an hinduistische Heiligtümer erinnern, und argumentierte, am Ort habe zuvor ein Sanktuar gestanden.

Die meisten Historiker widersprechen. Sie verweisen auf umfangreiche Dokumente, die den Bau eines Mausoleums belegen statt die Umnutzung eines älteren Gebäudes. Dennoch findet die These in manchen Kreisen weiterhin Anhänger.

Wollten die Briten das Taj Mahal abbauen und verkaufen?

Es heißt, William Bentinck, der britische Generalgouverneur Indiens im 19. Jahrhundert, habe geplant, das Taj auseinandernehmen zu lassen und den Marmor in England zu verkaufen.

Historiker werten das als Gerücht. Bentinck veräußerte zwar Materialien aus verfallenen indischen Palästen, doch es gibt keinen Nachweis, dass er die Zerstörung des Taj Mahal plante.

Warum halten sich die Mythen?

Menschen fühlen sich von Rätseln angezogen, besonders an Orten solcher Majestät. Mythen verleihen Reisenden und Forschenden eine zusätzliche Schicht an Spannung – und sie lassen sich einfach gut weitererzählen.

Selbst heute, wenn sich Fakten in Sekunden prüfen lassen, kursieren diese Geschichten weiter. Mitunter setzt sich die schöne Erzählung gegen die trockene Fußnote durch.

Eines bleibt unverändert: Das Taj Mahal versetzt weiterhin in Staunen, ganz gleich, welche Geheimnisse man ihm andichtet.