05:18 21-12-2025
Machu Picchu: Hypothesen zum rätselhaften Aufbruch der Inka
Warum wurde Machu Picchu verlassen? Wir erklären führende Hypothesen – Krankheit, Umsiedlung, Versorgungsengpässe – und was die Archäologie bisher belegt.
Machu Picchu gehört zu den erstaunlichsten Orten der Erde. Diese alte Inkastadt, verborgen in den Bergen Perus, blieb vergessen, bis der amerikanische Forscher Hiram Bingham sie 1911 wiederentdeckte. Seither haben Archäologinnen und Archäologen ihre Mauern, Terrassen und Tempel untersucht, doch eine Frage bleibt: Warum verließen die Menschen den Ort so plötzlich? Wohin gingen die Bewohner?
Wie die Stadt entstand – und wozu sie gebaut wurde
Machu Picchu nahm im 15. Jahrhundert Gestalt an, als das Inkareich auf dem Höhepunkt seiner Macht stand. Die Anlage diente zugleich als Residenz des Herrschers, als heiliger Ort und möglicherweise als Zuflucht vor Feinden. Jahrhunderte später liegen die Steine, als hätte man sie gestern gesetzt. Die Inka beherrschten den Trockenmauerbau, und ihre Technik verblüfft Forschende bis heute.
Die Stadt erhob sich hoch in den Bergen, fast 2,5 Kilometer über dem Meeresspiegel. Diese Lage machte sie sicherer, erschwerte jedoch die Versorgung mit Nahrung und Wasser. Und dennoch, trotz der Vorteile, zogen die Menschen fort. Warum?
Hypothese 1: eine verheerende Krankheit
Eine viel diskutierte Erklärung ist eine Epidemie. Als die Spanier im 16. Jahrhundert in Südamerika eintrafen, brachten sie hier zuvor unbekannte Krankheiten mit. Pocken etwa töteten Millionen, darunter auch Inka. Obwohl die Spanier Machu Picchu nie betraten, könnten Erreger über Händler oder Reisende ihren Weg dorthin gefunden haben.
Falls die Ansteckung die Stadt erreichte, könnten Bewohner gestorben sein oder geflohen, um ihr zu entkommen. Bislang fehlt jedoch ein belastbarer Beleg.
Hypothese 2: Umsiedlung an einen anderen Ort
Eine andere Überlegung besagt, dass die Menschen nicht wegen Krankheit gingen, sondern weil es angeordnet wurde. Im Verlauf der spanischen Eroberung könnten Inka-Führer beschlossen haben, an einen praktischeren Ort umzuziehen – etwa nach Vilcabamba, der letzten großen Inkastadt, in der der Widerstand anhielt.
Dann hätte Machu Picchu schlicht an Bedeutung verloren, und die Menschen wären aufgebrochen, um andernorts bessere Bedingungen zu finden.
Hypothese 3: Engpässe und harte Zeiten
Eine weitere Möglichkeit ist Mangel. Die Spanier störten die Straßenverbindungen zwischen den Inkastädten, wodurch die Versorgung von Machu Picchu schwierig wurde. Ohne verlässliche Zufuhr könnte das Alltagsleben dort kaum noch tragbar gewesen sein.
Was die Archäologie sagt
Bei der Untersuchung der Stätte fanden Forschende keine Spuren von Krieg oder Massentod. Das spricht eher für einen freiwilligen Aufbruch als für eine plötzliche Katastrophe. Allerdings wurde nicht alles Hab und Gut mitgenommen – ein Detail, das auf Eile hindeutet. Das Gesamtbild legt nahe, dass eine schrittweise Aufgabe wahrscheinlicher wirkt als ein einzelnes dramatisches Ereignis.
Wird sich das Rätsel lösen?
Heute wird Machu Picchu mit modernen Methoden weiter erforscht. Luftvermessungen etwa durchleuchten verborgene Schichten unter der Oberfläche auf der Suche nach neuen Hinweisen. Vielleicht werden eines Tages Belege eine der Hypothesen wahrscheinlicher machen.
Bis dahin bleibt Machu Picchu nicht nur ein architektonisches Wunder, sondern auch eines der faszinierendsten Rätsel der Geschichte.