21:46 20-12-2025
Der größte Maya-Ballspielplatz in Chichén Itzá: Mythen, Regeln und Rituale
Entdecke Chichén Itzás Maya-Ballspielplatz: Akustik, Steinringe und pok‑ta‑pok. Mythen um Opfer, Regeln und Bedeutung – kompakt erklärt mit Reisetipps
Chichén Itzá gehört zu den bekanntesten archäologischen Stätten Mexikos und wird meist mit der Pyramide des Kukulcán verbunden, dem unübersehbaren Symbol der Maya-Welt. Doch es gibt hier eine zweite Attraktion, die Besucher innehalten lässt: der gewaltige Ballspielplatz, die größte erhaltene Sportstätte ganz Mesoamerikas, umrankt von Rätseln und Erzählungen. Manche sind überzeugt, dass eine Niederlage auf diesem Feld das Leben kosten konnte.
Der größte Platz und die rätselhaften Ringe an den Wänden
Der Platz in Chichén Itzá ist tatsächlich monumental—fast 170 Meter lang, ungefähr so lang wie zwei Fußballfelder. An beiden Längsseiten erheben sich hohe Mauern, in rund sechs Metern Höhe sitzt jeweils ein Steinring. Die Spieler versuchten, einen schweren Gummiball durch diese Ringe zu treiben—nur mit Hüften, Ellbogen und Knien. Hände und Füße waren tabu.
Es wirkt weniger wie eine gewöhnliche Sportstätte als wie ein Raum, in dem jedes Detail Bedeutung hat. Selbst der Klang verhält sich anders: Ein Ruf vom einen Ende trägt erstaunlich klar bis zum anderen. Forschende gehen davon aus, dass diese auffällige Akustik Ritualen und Zeremonien diente—und man sieht förmlich Ansprachen und Gesänge die Länge des Platzes entlangrollen.
Was war das für ein Spiel?
Das Spiel hieß pok‑ta‑pok. Es wurde in vielen Maya-Städten gespielt, doch in Chichén Itzá hatte es offenkundig besonderes Gewicht. Der Ball konnte bis zu vier Kilogramm wiegen, seinem Aufprall mit dem eigenen Körper zu begegnen, war alles andere als leicht. Den Ball durch einen Steinring zu befördern, galt als bemerkenswerte Leistung.
Wie ein Match genau ablief, ist ungewiss, die Regeln dürften von Stadt zu Stadt variiert haben. In Chichén Itzá war es offensichtlich mehr als Zeitvertreib. Es hatte einen prominenten Platz in Religion und Kultur und könnte kosmische Gegensätze gespiegelt haben—Gut und Böse, Tag und Nacht.
Opfer nach dem Spiel: Mythos oder Tatsache?
Viele haben gehört, dass Verlierer getötet wurden. An den Wänden des Platzes finden sich Szenen, in denen ein Spieler enthauptet wird. Wer das Opfer war, bleibt jedoch umstritten.
Einige Forschende meinen, die Besiegten hätten den Preis gezahlt. Andere vertreten umgekehrt die Ansicht, die Sieger seien als geehrte Opfer dargebracht worden. Wieder andere sehen im Opfer keinen Spieler, sondern eine eigens ausgewählte Person, wobei das Spiel den Ritus begleitete.
In der Nähe des Platzes gefundene menschliche Überreste bestätigen, dass es Opfergaben gab. Sie liefern jedoch kein endgültiges Urteil darüber, wer geopfert wurde oder warum. Diese Ungewissheit schärft, wenn überhaupt, nur die Faszination des Ortes.
Warum lässt uns das Thema nicht los?
Niemand spielt heute in Chichén Itzá pok‑ta‑pok, doch die Erinnerung bleibt lebendig. In einigen Regionen Mexikos versucht man sogar, das Spiel als kulturelles Erbe wiederzubeleben. Gleichzeitig suchen Forschende weiter nach Antworten—wie tatsächlich gespielt wurde, was die Rituale vermittelten und wer für ein Opfer ausgewählt wurde.
Mehr als tausend Jahre später fesselt die Geschichte dieses uralten Ballplatzes noch immer. Sie erinnert daran, dass Sport einst im wörtlichen Sinn über Leben und Tod entscheiden konnte—und dass ein Spiel weit mehr bedeuten kann als das Ergebnis.