09:38 15-11-2025

Bhutan nutzt Wasserkraft für sauberes Bitcoin-Mining

Bhutan wandelt überschüssige Wasserkraft in Bitcoin-Mining um: grün und lukrativ. Zahlen, Chancen, Risiken und Gelephu Mindfulness City im Überblick, kompakt.

By Bernard Gagnon - Own work, CC BY-SA 4.0, Link

Bhutan ist ein kleines Himalaya-Königreich zwischen Indien und China. Lange blieb es abseits der Schlagzeilen, doch zuletzt überraschte es die Welt: Das Land begann, Bitcoin mit der Kraft seiner Flüsse zu schürfen. Während viele Regierungen darin vor allem ein Problem sehen — Mining verschlingt Strom und belastet die Luft — setzt Bhutan auf eine eigene Lösung und betreibt Kryptoanlagen mit sauberer Wasserkraft.

Woher die Energie kommt

Bhutan ist reich an schnell fließenden Flüssen, und nahezu der gesamte Strom stammt aus Wasserkraftwerken. Die aktuelle Kapazität liegt bei etwa 3,5 Gigawatt, doch die Pläne sind deutlich ambitionierter: Das Land will zunächst auf 15 und anschließend auf 33 Gigawatt ausbauen.

Es gibt allerdings einen Haken: Im Sommer ist Strom reichlich vorhanden, im Winter dagegen knapp. Um überschüssige Kilowatt nicht verpuffen zu lassen, entschied die Regierung, sie in das Bitcoin-Mining zu lenken.

Wie alles begann

2019 startete der Staatsfonds Druk Holding & Investments (DHI) erste Experimente mit Kryptowährungen. Damals kostete ein Bitcoin rund fünftausend US‑Dollar. In den folgenden Jahren entstanden sechs Miningstandorte, ein siebter wird vorbereitet.

Medienberichten zufolge hat Bhutan bereits mehr als 13.000 Bitcoin geschürft und gehört damit zu den größten staatlichen Haltern des Vermögenswerts. Für das Königreich funktioniert die Kryptowährung wie eine digitale Batterie: Überschussenergie wird in Bitcoins umgewandelt, die sich aufbewahren und bei Bedarf verkaufen lassen. Das Konzept klingt simpel — aus überschüssigem Strom wird ein speicherbarer Wert.

Milliarden in den Büchern

Offizielle Stellen geben wenig preis, doch verschiedene Quellen berichten, dass die Einnahmen aus dem Mining bereits die Gehälter der Staatsbediensteten gedeckt haben. Laut Forbes wurden die Krypto-Bestände des Landes 2024 auf rund 750 Millionen US‑Dollar taxiert, und 2025 sprachen einige Analysten von 1,3 Milliarden — fast 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Bhutans.

Warum das Mining als grün gilt

Bhutans Trumpf ist die Nutzung der Flusskraft. Anders als in Ländern, in denen mit Kohle oder Gas gemint wird, hinterlässt dieser Prozess keinen nennenswerten CO₂-Fußabdruck. Das macht bhutanische Bitcoins für Unternehmen attraktiv, die Umweltstandards beachten.

Dennoch bleiben Fragen. Wie lässt sich sicherstellen, dass im Winter kein Strom von den Bewohnern abgezogen wird? Wie transparent sind Einnahmen und Ausgaben? Vorerst fehlen klare Antworten — die Zurückhaltung lädt zu genauerem Hinsehen ein.

Eine Stadt der Zukunft

Über das Mining hinaus plant Bhutan einen Sonderbezirk namens Gelephu Mindfulness City. Die Idee: umweltfreundliche Architektur, digitale Technologien und neue Finanzinstrumente, darunter Kryptowährungen, zusammenzuführen.

Risiken und Erwartungen

Das Vorhaben ist kühn, die Risiken sind real. Der Bitcoin-Preis kann stark schwanken, Hardware altert schnell, und der Klimawandel könnte die Flüsse beeinflussen. Zugleich hat sich dieses kleine Königreich auf ein Experiment eingelassen, das bislang niemand anders zu kopieren versucht — ein kalkuliertes Risiko, das den Umgang mit überschüssiger sauberer Energie neu denken könnte.

Das Fazit

Bhutan zeigt, dass Gebirgsflüsse nicht nur Licht spenden, sondern auch eine neue Einnahmequelle erschließen können. Wächst die Nachfrage nach saubereren Bitcoins, ist das Land gut aufgestellt.

Es ist die Geschichte eines Staates fernab der großen Wirtschaftszentren, der seinen eigenen Weg in die digitale Zukunft sucht — risikobereit und offen für neue Chancen.