09:41 18-12-2025
Wie die Kukulcán-Pyramide in Chichén Itzá die Zeit misst
Entdecke in Chichén Itzá, wie die Pyramide des Kukulcán als Maya-Kalender funktioniert: 365 Stufen und zur Tagundnachtgleiche der Schlangenschatten.
Wer in Chichén Itzá ankommt, steuert fast automatisch die Pyramide des Kukulcán an – das Wahrzeichen dieser alten Maya-Stadt. Dabei ist sie weit mehr als ein ehrwürdiges Bauwerk oder Tempel: Die Pyramide fungiert zugleich als funktionierender Kalender, der Zeit mit verblüffender Genauigkeit misst – ganz ohne Schaltkreis oder Kabel.
So viele Stufen wie Tage im Jahr
Vier Treppen führen hinauf, jede mit 91 Stufen. Zusammengerechnet und mit der oberen Plattform ergibt das 365 – genau so viele Tage hat ein gewöhnliches Jahr. Das war gewiss kein Zufall.
Die Struktur besitzt zudem 18 Ebenen, die nach Ansicht von Forschenden für die 18 Monate zu je 20 Tagen im Maya-Kalender stehen. Schwer, sich dem Eindruck zu entziehen, dass die Erbauer den Lauf der Zeit genau verstanden und dieses Wissen bewusst in Stein verankerten.
Wie die Sonne die Schlange lebendig macht
Den eindrucksvollsten Moment bietet das Bauwerk zweimal im Jahr, zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr und im Herbst. Das Sonnenlicht fällt dann so, dass ein schlangenförmiger Schatten die Treppe hinabzugleiten scheint. Es handelt sich nicht um eine optische Täuschung, sondern um einen präzise geplanten Effekt – verknüpft mit dem Gott Kukulcán, den die Maya als gefiederte Schlange darstellten.
Dieses Spiel aus Licht und Schatten zeigt, dass die Pyramide nicht als bloße Zierde entstand. Sie half, den Wechsel der Jahreszeiten zu verfolgen und entscheidende Termine im Jahreslauf festzulegen.
Ein Kalender, der keine Batterien braucht
Die Maya nutzten mehrere Kalendersysteme: eine 365-tägige Sonnenrechnung, einen rituellen Kalender für Zeremonien und Feste sowie eine Zählweise für lange Zeitspannen wie Jahre und Jahrhunderte. Zusammen gaben sie vor, wann gesät und geerntet wurde – und wann die richtigen Momente für Riten gekommen waren.
Bemerkenswert ist die Präzision ihrer Berechnungen. Sie kannten die Länge des Jahres mit minimaler Abweichung – genauer, als es Europa über mehrere Jahrhunderte hinweg gelang. Und all das ohne Teleskope, Computer oder irgendein digitales Gerät.
Die Forschung nimmt die Pyramide weiter genau unter die Lupe und entdeckt laufend neue Details. Im Inneren wurden beispielsweise wasserführende Höhlen gefunden, die ebenfalls eine besondere Bedeutung gehabt haben könnten. Es gibt sogar Hypothesen, wonach das Bauwerk nicht nur als Kalender diente, sondern bei Zeremonien auch den Klang verstärkte.