13:30 12-12-2025

Auf den Spuren russischer Kultfilme: die besten Drehorte

Entdecke die schönsten Drehorte russischer Filme: von Moskau und Sankt Petersburg über Krim und Altai bis Sotschi. Tipps und Highlights für deine Reise.

© D.Novikov

Viele russische Filme entstehen an markanten, unverwechselbaren Schauplätzen, die untrennbar mit ihrer Stimmung verbunden sind. Diese Kulissen locken Reisende an, die dort stehen möchten, wo einst die Lieblingsszenen spielten. Von prachtvollen Stadtboulevards bis zu stillen ländlichen Panoramen: Jeder Ort hinterlässt seine eigene Spur. Hier folgt eine Tour zu bekannten Orten in Russland, an denen populäre Filme gedreht wurden – und die sich noch immer für ein kleines Kinoabenteuer besuchen lassen.

Moskau — The Irony of Fate, or Enjoy Your Bath!

ANO “Project Office for the Development of Tourism and Hospitality of Moscow” / russia.travel

Der Neujahrsklassiker The Irony of Fate, or Enjoy Your Bath! hat sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, die Szenen sind sofort wiederzuerkennen. Eine zentrale Bühne ist Moskau, wo die zweite Hälfte der Geschichte spielt. Die Schlüsseladresse im Plot lautet 3rd Builders Street, Building 25, Apartment 12 – die Wohnung, in die Held Schenja Lukašin irrtümlich eintritt, weil er sie mit einem identischen Haus in Leningrad verwechselt.

In Wirklichkeit steht das im Film so bedeutungsvolle Gebäude an der Novoshchukinskaya Street (Nr. 6, Gebäude 3). Diese Fassade ist in jenen berühmten Momenten zu sehen, in denen Lukašin sich seelenruhig in einer fremden Wohnung häuslich einrichtet, ohne seinen Irrtum zu bemerken. Bezeichnend, wie ein ganz normales Treppenhaus zur Folklore werden kann, wenn ein Film derart verfängt.

Weitere Moskauer Wahrzeichen blitzen in Straßen- und Taxifahrten auf, während die Innenräume im Studio nachgebaut wurden. Heute ist die Adresse an der Novoshchukinskaya für Fans zu einem kleinen Wallfahrtsort geworden – genau jener Eingang, an dem eine der beliebtesten Feiertagsgeschichten des russischen Kinos Gestalt annahm.

Sankt Petersburg — Admiral

Alex ‘Florstein’ Fedorov, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Admiral (2008) ist ein Historienfilm über Admiral Alexander Koltschak, eine Schlüsselfigur des Russischen Bürgerkriegs. Gedreht wurde zu großen Teilen in Sankt Petersburg – eine Stadt, die die Welt des frühen 20. Jahrhunderts mit respektvoller Präzision aufleben lässt.

Das Admiralitätsgebäude diente als eine der zentralen Kulissen. Als Symbol der maritimen Stärke des Landes fügte es sich selbstverständlich in eine Geschichte über Koltschak. Außenszenen aus dem Leben der Marineoffiziere und offizielle Auftritte wurden vor diesem monumentalen Wahrzeichen inszeniert.

Ein weiterer wichtiger Ort war das Polovtsov-Palais in der Bolshaya Morskaya-Straße. Der Bau aus dem späten 19. Jahrhundert trug die Gesellschaftsszenen – Empfänge und glänzende Salons –, deren Interieurs die Opulenz der Epoche einfangen.

Gedreht wurde außerdem an der Strelka der Wassili-Insel und an der Nikolai-Marinekathedrale – Orte, die den Film fest in das historische Gefüge der Stadt verankern. See- und Flottenepisoden entstanden in Kronstadt, dem langjährigen Herz der russischen Marine, wo Festungen und Militäranlagen dem Film maritimen Biss verleihen. Wenige Städte setzen historische Stoffe so mühelos in Szene.

Kaliningrad — Brother

Nirron, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Aleksei Balabanovs Brother (1997) ist für seine Drehorte in Sankt Petersburg berühmt, doch das Sequel Brother 2 wurde teilweise in Kaliningrad gedreht, das als Kulisse für mehrere entscheidende Szenen diente.

Kaliningrad bot Episoden mit Bezug zur Unterwelt und unterstrich so Härte und gesellschaftliche Unruhe jener Zeit. Der Seehafen wurde zur zentralen Bühne für Figuren, die in illegalen Kreisen agieren. Frachter, Piers und die industrielle Skyline kondensierten die postsowjetische Stimmung und setzten einen Kontrapunkt zu majestätischeren Ansichten anderswo in der Handlung.

Auch das Stadtzentrum, einschließlich einiger historischer Straßen, kam zum Einsatz, um eine Atmosphäre von Vernachlässigung und Verfall zu beschwören. Vor dieser Kulisse trifft Sergei Bodrows Protagonist auf Gestalten, die in kriminellen Machenschaften feststecken. Alte Gebäude und industrielle Relikte – Spuren des Königsberger Erbes – bilden einen aufgeladenen Hintergrund, der den Übergang von einer Epoche zur nächsten andeutet. So spiegelt die Stadtsilhouette den Kampf des Helden gegen Chaos und Ungerechtigkeit.

Krim, Berg Ai-Petri — Kidnapping, Caucasian Style

User: Ilya Voyager, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Leonid Gaidais Komödie Kidnapping, Caucasian Style, or Shurik’s New Adventures aus dem Jahr 1966 spielt im Kaukasus, wurde jedoch überwiegend auf der Krim gedreht. Deren Klippen, Flüsse und grünen Hügel erwiesen sich als perfekte Doppelgänger der kaukasischen Landschaft.

Ein wichtiges Drehzentrum war die Umgebung von Aluschta, besonders das Tal des Demerdzhi. Vor der Kulisse aus weiten Bergen und Schluchten entstand die berühmte „Entführungsszene“ von Nina (Natalja Warley).

Ein weiterer markanter Ort war die Genueser Festung in Sudak, deren Mauern und Türme Alter und Exotik beisteuerten. Picknick-Szenen wurden am Dschur-Dschur-Wasserfall gedreht, dem wasserreichsten der Krim.

Das Massiv des Ai-Petri wurde zu einer der prägenden Kulissen des Films. Über der Südküste nahe Jalta gelegen, eröffnet es weite Blicke auf Schwarzes Meer, Jalta und die umliegenden Gipfel – eine ideale Leinwand für die Bergpassagen der Geschichte.

Zu den einprägsamsten Sequenzen zählt hier Schuriks Rettung von Nina aus den Händen der Entführer. Auch die Ai-Petri-Seilbahn – bekannt als eine der längsten freitragenden Anlagen Europas – ist zu sehen; sie führt bis zum Gipfel und zieht auch in der Realität Besucher an, die großen Ausblicken nachjagen. Kein Wunder, dass Reisende Ai-Petri noch heute ansteuern, um den Spuren jener komischen Höhenabenteuer zu folgen.

Karelien — Love and Doves

Ninara from Helsinki, Finland, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Wladimir Menschows Hit Love and Doves (1984) eroberte das Publikum mit Wärme und Humor – und mit Schauplätzen, die das Dorfleben greifbar machen.

Gedreht wurde teils in Karelien, teils an der Schwarzmeerküste. Das ländliche Zentrum der Geschichte entstand im kleinen karelischen Dorf Vertep im Rajon Medweschjegorsk nahe dem Onegasee. Holzhäuser, Wälder und sanfte Hügel rahmen das Leben von Wassili Kusjakin (Alexander Michailow) und seiner Familie.

Vertep fängt Rhythmus und Tradition eines sowjetischen Dorfes ohne forcierte Effekte ein. Kareliens Seen und große Landschaften liefern den lyrischen Hintergrund für eine Erzählung über Familienbande und vertrackte Zuneigungen.

Die Seeszenen – wo Wassili Raisa Sacharowna (Ljudmila Gurtschenko) begegnet – wurden am Schwarzen Meer, in der Stadt Gagra in Abchasien, gedreht. Sonnenhelle Strände bilden einen lebhaften Gegenpol zur schlichten, aber geborgenen Dorfwelt und schärfen den Kontrast zwischen Badeort und Provinz. Diese Kombination zieht bis heute Fans in beide Landschaften.

Baku, Aserbaidschan — The Diamond Arm

© D. Novikov

Leonid Gaidais Komödie The Diamond Arm (1968) bleibt ein Grundstein des sowjetischen Kinos. Die Geschichte um Schmuggler, die den gutmütigen Semjon Gorbunkow (Juri Nikulin) ungewollt in ihre Machenschaften verstricken, verdankt ihren Reiz auch den Drehorten.

Einer der Hauptschauplätze war Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans. Hier wurden Szenen in einer östlichen Hafenstadt lebendig. An der Uferpromenade ereignet sich der Schlüsselmoment, in dem Gorbunkow stürzt und seinem Ärger Luft macht – worauf die folgenschwere Gipsanlage mit versteckten Edelsteinen folgt. Selbst in einer Komödie kann die Stadtlandschaft die Fallhöhe erhöhen.

Baku bildet zudem die Kulisse für einen Spaziergang durch Gassen und Höfe der Altstadt Icherisheher, der dem Film einen deutlich orientalischen Ton gibt.

Ein weiterer wichtiger Ort war der Kurort Sotschi, wo viele Urlaubsszenen entstanden – Hotelpassagen, Promenaden, Strände und gemächliche Spaziergänge durch die Stadt.

Die berühmte Angelsequenz – als Gorbunkow versehentlich einen Fisch mit einer Schmugglerbotschaft an der Leine hat – wurde am Abrau-See nahe Abrau-Djurso unweit von Noworossijsk gedreht. Das klare Wasser und die stillen Ufer passten ideal. Kein Wunder, dass diese Drehorte zu Zielen für sich geworden sind.

Altai-Gebirge — Jungle

Zhanna Dorofeeva, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Film Jungle (2012) reiste durch mehrere eindrucksvolle russische Landschaften, wobei das Altai-Gebirge den Hauptauftritt als „Insel“ erhielt. Die wilde Schönheit der Region passte perfekt zur abgelegenen, ungezähmten Szenerie der Handlung.

Altai im Süden Westsibiriens ist dünn besiedelt und grandios anzusehen – steile Berge, kristallklare Flüsse, dichte Wälder. Auch wenn die Figuren (gespielt von Vera Brjeschnewa und Sergei Swetlakow) auf einer verlassenen Insel stranden, wurden viele Wildnisszenen hier gedreht. Das Gelände erzählt gewissermaßen selbst mit.

Der Telezker See – der größte im Altai und einer der tiefsten Russlands – trägt mehrere Schlüsselszenen. Seine steilen Ufer und die spiegelnde Oberfläche verstärken das Gefühl der Isolation. Außerdem nutzte das Team Altai-Schluchten und Wildwasserflüsse, deren unberechenbare Strömungen der Action eine kräftige Kante geben. So wird aus einer komischen Ausgangsidee eine echte Bewährungsprobe in der Natur.

Gebiet Tula — Kholop

© Vyacheslav Argenberg, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Kholop (2019) avancierte zu einem der erfolgreichsten russischen Filme der letzten Jahre. Das Team wählte suggestive, historisch geerdete Orte, die der Geschichte Textur und Glaubwürdigkeit verleihen.

Das Gut Serednikowo in der Oblast Moskau war ein zentraler Drehort – das Dorf, in das der Protagonist versetzt wird, entstand hier. Die bewegte Vergangenheit des Anwesens und seine eindrucksvolle Architektur rahmen wesentliche Dorfszenen.

Das Museum-Reservat Kolomenskoje in Moskau bot eine weitere wichtige Kulisse für Szenen mit Figuren in historischer Kleidung; seine authentischen Bauten und Ausblicke zahlen auf die Wirkung des Films ein.

Auch ländliche Landschaften in der Oblast Kaluga sind zu sehen – schöne Dörfer, Hügel und Flüsse, die das Herz Russlands spürbar machen. Und das Museums-Reservat Polenowo am malerischen Ufer der Oka im Gebiet Tula wurde zu einem der Anker der Produktion. Grüne Wälder, weite Felder und sanfte Höhen bilden dort den Hintergrund für zentrale Szenen. Die Wahl der Orte lässt die Filmwelt bewohnt wirken, nicht bloß gebaut.

Zusätzliche Dreharbeiten fanden in anderen Dörfern des Gebiets Tula statt, deren bewaldete Hügel und Wasserläufe das Bild einer echten russischen Provinz abrunden. Nach dem Kinostart verzeichnete auch Polenowo spürbar mehr Besucher.

Sotschi, Kislowodsk — Cheburashka

AlixSaz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Cheburashka (2023) entfaltet sich über mehrere pittoreske Schauplätze, vor allem in Sotschi und Kislowodsk – Orte, in denen Naturdrama und architektonischer Charme eine märchenhafte Grundstimmung schaffen.

Sotschi, mit mildem Klima und vielfältigen Landschaften, war die Hauptbühne. Szenen, in denen Cheburashka in eine neue Welt eintritt, entstanden an prominenten Punkten des Kurorts. Das Dendrarium mit seinen exotischen Pflanzungen und eleganter Architektur erwies sich als besonders geeignet, um Staunen aufzubauen.

Gedreht wurde zudem im Arboretum und im Olympiapark. Mit den Bergen hinter der Küste gibt Sotschi dem Film eine eigene Magie.

Ein Teil der Produktion zog nach Kislowodsk, den berühmten kaukasischen Kurort. Die frische Bergluft und das reizvolle Umland passten natürlich – insbesondere im Nationalpark Kislowodsk, einem der größten Parks Europas, wo grüne Täler, verschlungene Wege und Blicke auf den Kaukasus Tiefe und Romantik beisteuern.

Szenen im Zentrum Kislowodsk stützen sich auf die städtische Architektur – historische Gebäude und Kurkomplexe –, die Wärme und Behaglichkeit verleihen. Einige Drehs fanden zudem im Krasnodar-Gebiet statt, dessen Berg- und Waldlandschaften den Zauber des Films bereichern. Gemeinsam formen Sotschi und Kislowodsk eine visuelle Welt, die Cheburashkas Abenteuer zugleich fesselnd und zeitlos wirken lässt.