21:38 06-12-2025

Yonaguni unter Wasser und die Iya-Kazurabashi: ungewöhnliche Orte in Japan

Entdecke Yonagunis rätselhafte Unterwasserformation und die lebenden Rankbrücken im Iya-Tal auf Shikoku. Fakten, Hintergründe und Tipps abseits der Routen.

By Hiroaki Kaneko from Ota, Tokyo, Japan - 紅葉とかずら橋 (Kazurabashi (Iya) in autumn), CC BY-SA 2.0, Link

Sumo, Sushi und Kirschblüten stehen seit Langem für Japan. Doch das Land birgt auch andere, nicht weniger verblüffende Orte – selbst wenn sie es selten auf Postkarten schaffen. Einer liegt unter dem Meer, ein anderer schwingt über einer Bergschlucht. Beide tragen ihr eigenes Rätsel in sich und werfen Fragen auf, die bis heute ohne endgültige Antwort bleiben.

Was verbirgt sich vor Yonaguni unter Wasser?

Yonaguni ist eine kleine Insel am äußersten westlichen Rand Japans. Sie liegt näher an Taiwan als an Tokio. Berühmt wurde sie jedoch durch eine eigenwillige Felsformation, die direkt vor der Küste auf dem Meeresgrund entdeckt wurde.

1986 bemerkte ein Tauchlehrer unter Wasser etwas, das wie gewaltige Stufen, Plattformen und scharfe rechte Winkel wirkte. Manche Partien sehen aus, als seien sie von Hand herausgearbeitet. Seither wird gestritten – zwischen Wissenschaftlern, Archäologen und Neugierigen –, was dort tatsächlich liegt. Schon die Beschreibungen lassen ahnen, warum die Debatte nicht abreißt.

Eine Sichtweise besagt, es handle sich um die Überreste einer uralten Anlage – womöglich einer ganzen Stadt, tausende Jahre alt. Träfe das zu, könnte sie älter sein als die ägyptischen Pyramiden. Befürworter meinen, Treppen, Wege und Säulen zu erkennen.

Die meisten Fachleute halten dagegen, die Formation sei vollständig natürlichen Ursprungs. In dieser Region entstünden solche Gesteinsformen häufig von selbst – geprägt von der lokalen Geologie und den Bewegungen der Erdkruste. Stufen und klare Winkel, so ihr Argument, können ganz ohne menschliches Zutun entstehen.

Offizielle Ausgrabungen hat es nicht gegeben, und die japanische Regierung erkennt die Struktur nicht als historisches Denkmal an. Dennoch ist die Faszination ungebrochen. Taucher aus aller Welt kommen, um ein Rätsel zu sehen, das sich einer eindeutigen Deutung entzieht. Es liegt nahe, dass der Ort weiter Spekulationen nährt.

Hoch in den Bergen: Brücken aus lebenden Ranken

Weiter ins Herz von Shikoku, wo sich das Iya-Tal in den Bergen versteckt. Eine abgeschiedene Landschaft aus steilen Hängen, tiefen Schluchten und schnellen Flüssen. Um von einem Ufer zum anderen zu gelangen, fanden die Menschen einst eine ungewöhnliche Lösung – Brücken aus echten Pflanzenranken.

Die bekannteste ist die Iya Kazurabashi. Sie spannt sich über rund 45 Meter und hängt 14 Meter über dem Fluss. Geflochten aus robusten Wildranken, bringt sie etwa fünf Tonnen auf die Waage. Einst errichteten die Bewohner solche Brücken, um sich bei Gefahr rasch zurückziehen zu können – die Ranken ließen sich im Notfall durchtrennen.

Heute wird die Brücke wie früher alle drei Jahre erneuert. Noch immer setzen Menschen Fuß auf sie, greifen nach den Ranken und tasten sich über glatte Holzbohlen. Unten tost der Fluss, der Steg schwingt sanft – eine Überquerung, die sich einprägt.

Auch wenn sie Besucher anzieht, bleibt sie Teil der lokalen Tradition. In der Region haben weitere Rankbrücken überlebt – weniger bekannt, doch ebenso eindrücklich.

Verschieden – und doch verwandt

Das Unterwassergebilde vor Yonaguni und die Rankbrücken im Iya-Tal wirken wie zwei völlig unterschiedliche Geschichten. Und doch teilen sie etwas Grundlegendes. Beide liegen abseits der üblichen Routen. In Standardprogrammen tauchen sie kaum auf – genau darin liegt ihr Reiz.

Beide laden zu Fragen ein, ohne feste Antworten zu liefern. Wer – und wozu – hätte Bauwerke unter dem Meer errichtet? Und warum flechtet im 21. Jahrhundert noch jemand eine Brücke aus lebenden Ranken von Hand?

Selbst wenn man nie hinreist, ist es tröstlich zu wissen, dass es sie gibt – Orte, an denen Natur und menschlicher Wille so eng ineinandergreifen, dass die Grenze zwischen beiden kaum auszumachen ist.

Das Unerklärte zieht an

Das Monument von Yonaguni bleibt ein Rätsel. Forschende sind sich nicht einig – und gerade das hält die Debatte lebendig. Die Rankbrücken wiederum zeigen, wie eine alte Tradition bis heute ohne einen Hauch von Beton oder Stahl fortbestehen kann.