09:35 05-12-2025

Wie Malaysia seinen König wählt: das Rotationsmodell erklärt

Malaysia: Neun Sultane wählen alle fünf Jahre den König. So funktioniert die rotierende Monarchie, seine Befugnisse und warum das System stabil bleibt.

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Stellen Sie sich ein Land vor, in dem der König gewählt wird – auf Zeit. Nicht vom Volk oder vom Parlament, sondern aus dem Kreis anderer Könige. Und nicht auf Lebenszeit, sondern für fünf Jahre. Das ist weder Fiktion noch ein Scherz. Das ist Malaysia.

Wer hält in Malaysia die Macht?

Malaysia ist mehr als ein einzelner Staat; es ist ein Bund aus 13 Gliedstaaten. Neun davon werden von Monarchen regiert – Sultane und andere traditionelle Herrscher. Diese neun folgen einer bemerkenswerten Vereinbarung: Einer von ihnen wird König des gesamten Landes. Allerdings nicht für immer, sondern für eine Amtszeit von fünf Jahren.

Wie wird der König bestimmt?

Alle fünf Jahre treffen sich die neun Monarchen hinter verschlossenen Türen und wählen aus ihren Reihen das nächste Staatsoberhaupt. Die Abstimmung ist geheim, und obwohl es eine Reihenfolge der Rotation gibt, kann sie sich verschieben – etwa wenn jemand ablehnt oder das Amt aus anderen Gründen nicht übernehmen kann.

Die jüngste Wahl fand im Januar 2024 statt. Der neue König kommt aus Johor: Sultan Ibrahim Iskandar wurde Malaysias 17. Staatsoberhaupt. Er ist bekannt für eine Vorliebe für Luxusautos, Interesse an Geschäften und deutliche Worte – ein Auftreten, das naturgemäß Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Was macht der König?

Die Rolle des malaysischen Königs ist überwiegend repräsentativ – Zeremonien, Gesetzesunterzeichnungen, nationale Feiern. Zugleich birgt das Amt echte Befugnisse: Er kann den Premierminister ernennen, das Parlament auflösen und Begnadigungen aussprechen.

Besonders in politischen Krisen gewinnt dieses Gewicht. Wenn unklar ist, wer eine Regierung bilden soll, liegt die endgültige Entscheidung beim König. In solchen Momenten wirkt die Krone als Stabilisator des Systems.

Warum ist es so aufgebaut?

Es geht um Balance. Jeder Sultan weiß, dass er die Chance hat, das Land zu führen. Das stärkt den Zusammenhalt zwischen den Staaten und respektiert die Vielfalt von Kulturen und Traditionen innerhalb der Föderation.

Der Fünfjahreswechsel funktioniert zudem wie ein eingebautes Update. Er verhindert, dass sich eine Person zu lange festsetzt, und hält die Institution beweglich.

Gibt es Schattenseiten?

Ja. Fünf Jahre reichen nicht immer, um große Vorhaben zu Ende zu bringen. Und wenn ein König vorzeitig abtritt – wegen Krankheit, persönlicher Entscheidung oder anderer Gründe – steht sofort die Frage nach dem Danach im Raum. Solche Fälle hat es gegeben, aber Details sind rar; diese Unschärfe öffnet Tür und Tor für Spekulationen.

Ist das wirklich einzigartig?

Ja. Kein anderes Land nutzt dieses Modell. Anderswo wird der Thron durch Blutlinie vererbt, oder die Monarchie ist weitgehend symbolisch. In Malaysia bleibt sie ein lebendiger Mechanismus – funktionsfähig und anpassungsfähig.

Wie geht es weiter?

Bislang strahlt das System Stabilität aus. Wie es künftigen Belastungen standhält – politischer Unsicherheit, der Wucht sozialer Medien, wechselnden Stimmungen – weiß niemand. Manches kann sich ändern, doch die Idee der Rotation hat sich bereits als erstaunlich robust erwiesen.

Malaysia zeigt, dass selbst eine königliche Institution flexibel und zeitgemäß sein kann. Und in fünf Jahren könnte der nächste König wieder eine überraschende Wahl sein.