09:35 03-12-2025
Dhivehi und die Thaana-Schrift: Kulturkern der Malediven
Entdecke Dhivehi und die einzigartige Thaana-Schrift der Malediven: Herkunft, Zukunft mit ICANN-Unterstützung 2025 und ihre Bedeutung im Alltag heute.
Fällt das Wort „Malediven“, entstehen sofort Postkartenbilder: weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, Bungalows auf Pfählen, Sonnenuntergänge wie gefiltert. Hinter dieser Kulisse liegt jedoch etwas viel Selteneres und weniger Bekanntes: die Sprache Dhivehi und die eigenständige Thaana-Schrift. Beides sind stille Schätze, kaum im Gespräch – und doch der Kern dessen, was die Malediven wirklich einzigartig macht.
Eine Sprache, die es nur hier gibt
Dhivehi wird ausschließlich auf den Malediven und auf der kleinen indischen Insel Minicoy gesprochen. In anderen Ländern begegnet man ihr nicht, sie taucht nicht in Blockbustern auf und wird nicht weltweit in Klassenräumen unterrichtet. Es ist die Haussprache des Landes, weitergegeben von Generation zu Generation.
Ursprünglich gehört sie zur selben Sprachfamilie wie Sanskrit und Singhalesisch (in Sri Lanka). Mit der Zeit ist Dhivehi allerdings seinen eigenen Weg gegangen. Von Insel zu Insel klingen Nuancen anders; Menschen in der Hauptstadt Malé tun sich mitunter schwer, Sprecherinnen und Sprecher aus den südlichen Atollen zu verstehen – so groß können die Unterschiede sein.
Trotz der weiten Verbreitung des Englischen – vor allem im Tourismus – bleibt Dhivehi die wichtigste Alltagssprache: zu Hause gesprochen, in Schulen verwendet, in Dokumenten geschrieben und in den Nachrichten geführt. Kurz: Es ist das Fundament des Alltags.
Thaana: eine Schrift, die es nirgendwo sonst gibt
Wie die Sprache geschrieben wird, verdient einen eigenen Blick. Thaana ist die moderne Schrift des Dhivehi. Sie läuft von rechts nach links, ähnlich wie Arabisch. Die Buchstaben wirken ungewohnt und erinnern bei genauem Hinsehen an Ziffern; einige Zeichen gehen tatsächlich auf arabische Zahlen und andere Markierungen zurück. Schon ein Blick auf die Zeichen macht neugierig – die Formensprache hat ihren ganz eigenen Reiz.
Früher nutzten die Malediven ein anderes Alphabet, Dhives Akuru, das von links nach rechts geschrieben wurde. Mit der Ankunft des Islams wechselte das Land nach und nach zu Thaana, das seither fest zur nationalen Kultur gehört.
Behauptet sich Thaana in der modernen Welt?
Ja – und das ist besonders ermutigend. Im Frühjahr 2025 hat die internationale Organisation ICANN, die Domainnamen und Internetadressen verwaltet, offiziell Unterstützung für Thaana online eingeführt. In der Praxis bedeutet das: Die Schrift kann nun in E-Mail-Adressen, auf Websites und in anderen digitalen Diensten verwendet werden.
Und im Juli desselben Jahres verzierte eine maledivische Fluggesellschaft ihre Flugzeuge mit Thaana-Schriftzügen. Das war nicht nur eine hübsche Geste, sondern ließ sich als Zeichen des Respekts gegenüber Kultur und Traditionen des Landes lesen.
Warum das zählt – selbst wenn man nicht auf die Malediven reist
Heute verschwinden viele Sprachen, weil Menschen – besonders online – zum Englischen wechseln. Die Geschichte von Dhivehi legt nahe, dass selbst eine kleine Sprache bestehen kann, wenn sie gestützt wird, im Alltag lebendig bleibt und ohne Scheu getragen wird.
Und schon die bloße Existenz einer so ungewöhnlichen Schrift inspiriert nicht nur Linguistinnen und Linguisten, sondern auch Designer, Künstlerinnen und Typografen. Thaana kann Ideen entzünden – sogar bei Menschen, die noch nie von den Malediven gehört haben.