09:32 02-12-2025
Sanni Yakuma in Sri Lanka: nächtliches Maskenritual zwischen Heilung und Theater
Entdecke Sanni Yakuma in Sri Lanka: ein nächtliches Maskenritual, das Dämonen und Krankheiten verspottet. Masken und Orte wie Ambalangoda – Kultur erleben.
Im Südwesten Sri Lankas, fernab vom Trubel der Badeorte, erwachen manche Dörfer nachts mit eigentümlichen, fesselnden Ritualen zum Leben. Menschen setzen farbige Holzmasken auf, tanzen, singen und spielen Szenen, die eine Krankheit aus dem Körper vertreiben sollen. Das uralte Ritual heißt Sanni Yakuma – und Krankheit ist hier nicht bloß Fieber oder Husten. Sie ist ein Dämon – mit Namen, Charakter und sogar einem Gesicht.
Wenn Krankheit ein böser Geist ist
In alten Vorstellungen Sri Lankas wurden Krankheiten böswilligen Geistern zugeschrieben. Wenn jemand erkrankte, galt das als Einzug eines Dämons. Heilung suchte man nicht in Tabletten – es gab sie nicht –, sondern in einer besonderen Zeremonie, die den Geist vertreiben sollte. So entstand Sanni Yakuma.
Die Insel ist buddhistisch, und doch bestehen diese Riten neben der Religion. Die Menschen vertrauen dem Buddha – und zugleich der Vorstellung, dass sich böse Geister mit Tanz, Masken und Gesang überlisten lassen. Diese Überlagerung erzählt viel über gelebten Glauben, der eher Praxis ist als Lehre.
Eine Nacht aus Tanz, Masken und Theater
Sanni Yakuma ist kein stilles Gebet, sondern ein ausgewachsenes Spektakel, das die ganze Nacht dauert. Tänzer, „Heiler“ und Maskenschnitzer sind beteiligt. Mit der Dämmerung beginnt das Ritual; bis zum Morgengrauen folgt ein durchgehender Strom aus Tänzen, Szenen und rituellen Handlungen.
Die „Besetzung“ umfasst 18 Dämonen, jeder steht für ein bestimmtes Leiden: einer für Fieber, ein anderer für Taubheit, ein dritter für Bauchschmerzen. Über allen thront Maha Kola Sanniya, der alle Krankheiten zugleich verkörpert.
Die Darstellenden setzen Masken auf, die diese Geister zeigen, und inszenieren Szenen, die die Dämonen verspotten, sie belachen und so vertreiben. Das liegt irgendwo zwischen Austreibung, Theater und Volksfest. Der Humor wirkt bewusst eingesetzt – ein Mittel, die Angst auf Normalmaß zu schrumpfen.
Die Maske als Heilmittel
Die Masken des Rituals erzählen ihre ganz eigene Geschichte. Von Hand aus leichtem Holz geschnitzt und bemalt, ist jede Farbe, jede Form, jedes Detail bedacht. Der Dämon der Hautkrankheiten trägt etwa Sprenkel; der Dämon der Taubheit fällt durch übergroße Ohren auf.
Gefertigt werden sie in Dörfern wie Ambalangoda, wo Kunsthandwerker das Wissen über Generationen weitergeben. Die Masken sind so markant und wiedererkennbar, dass sie heute nicht nur in Ritualen, sondern auch in Museen, auf Ausstellungen und sogar in Souvenirläden auftauchen.
Wo die Tradition heute steht
Einst waren diese Zeremonien verbreitet. Mit moderner Medizin und städtischem Leben sind sie selten geworden. Weniger Menschen glauben an Geister, und die Jüngeren lernen die Tänze oder das Schnitzen nur noch ungern. Dennoch hält sich Sanni Yakuma mancherorts – wenn nicht als Heilverfahren, dann als Kultur.
Heute treten Maskenspiele bei Festivals und touristischen Veranstaltungen auf. Dörfer, in denen die Masken entstehen, ziehen Besucher an, die das Handwerk in Aktion sehen wollen, und manche Handwerker geben Workshops und zeigen allen, die sich trauen, wie man eine Maske herstellt.